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Mallorca

Alte Liebe rostet nicht

Wandern in den Bergen, schlemmen am Promi-Hafen, dazwischen Workshop, Weinverkostung und Bummeln durch Palma. Mallorca zeigte sich den Reiseverkäufern beim fvw-Workshop in Topform.

Foto: Christian Stelling

Frei von Klischees ist wohl niemand. Eine Erfahrung, die auch die 26 Reiseverkäufer nach ihren Ausflügen über die größte Balearen-Iinsel aus tiefstem Herzen bestätigen können. Denn was da an Vorstellungen in manchen Köpfen spukt, hält der Wirklichkeit kaum stand. Claudia Sage vom Karstadt Reisebüro in Essen brachte es auf den Punkt: "Mallorca hat alles: Kultur, Party und Natur pur. Es ist die Perle der Balearen."

Diese Perle zeigte sich den Teilnehmern des fvw Workshops denn auch von ihrer besten Seite. Schließlich muss sich Mallorca gerade heftig anstrengen. Ein Besucher-Minus im vergangenen Jahr von rund elf Prozent gegenüber 2008 kratzt schwer am Image der erfolgsverwöhnten Insel. Und auch dieses Jahr läuft eher schleppend an. Dem will Joana Barceló Marti, die Tourismus-Ministerin der Balearen, gegensteuern: "Wir wollen unsere Attraktivität ausbauen, unsere Angebote verbessern und die Saison über die Sommerzeit hinaus verlängern."

Sonne und Strand, damit ist Mallorca groß geworden und damit lockt es noch immer jedes Jahr Millionen von Touristen. Aber "diese Stärke ist auch unsere Schwäche", sagt Mar Suau, die Direktorin der Fundación Mallorca, die Strategien für die Tourismus-Werbung entwickeln soll. Wobei sie sich keinen Illu­sionen hingibt, denn: "Allein mit dem Preis sind wir nicht konkurrenzfähig." Ihre nüchterne Erkenntnis: "Wir müssen kreativer denn je sein."

Künftig soll die Vielfalt Mallorcas stärker betont werden, die die Landschaft mit ihren weiten Ebenen, der über tausend Meter aufragenden Bergwelt und den unterschiedlichen Stränden bietet. Dazu kommen eine intakte Umwelt, Sicherheit auf allen Ebenen und gute Erreichbarkeit dank zahlreicher Flugverbindungen.

Marke ist das passende Stichwort für Manuel Butler, den Deutschland-Direktor des Spanischen Fremdenverkehrsamts in Berlin. Er wünscht sich neue Formen der Zusammenarbeit innerhalb der Branche. Und zitiert Martin Lohmann, der im Rahmen der jährlichen Reise-Analyse das Urlaubsverhalten der Deutschen untersucht. Lohmann spreche von einer "Liebesbeziehung zwischen Deutschland und Mallorca". Auch Butler findet, es gebe keinen Vergleich für diese einmalige Beziehung.

Stimmen der Reiseveranstalter

Einmalig ist die Insel auch für deutsche Reiseveranstalter. Noch immer gilt das Angebot auf Mallorca als "Brot- und Butter­geschäft". Doch obwohl etwa Monika Sülzenbrück von der Ferienfabrik Essen dieses Jahr bereits "besonders viele Mallorca-Reisen" verkauft hat, lautet die einheitliche Botschaft der großen Veranstalter ganz klar: Es gibt noch genug Kapazitäten.

Foto: Christian Stelling

Mit unterschiedlichen Konzepten wollen sie die Kunden überzeugen. So setzt TUI auf Exklusivität, hat ein All-inclusive für Kids eingeführt. Thomas Cook betont seine Produktvielfalt und Rewe Touristik stellt die eigenen Hotelmarken Prima Sol und Calimera heraus. Alltours hofft auf das Kurzfristgeschäft und FTI sieht sich mit dem Angebot von der Zwei-Sterne-Pension bis zum Fünf-Sterne-Resort gut aufgestellt.

Alle fünf Vertreter, die bei einer Podiumsdiskussion aufeinandertrafen, sind sich einig: Reisebüros können dieses Jahr mit Mallorca noch viel Umsatz machen.

Aber die Veranstalter sparten nicht an Kritik. So bemängelt TUI-Mann Günther Wiesner, dass die Saison von Jahr zu Jahr kürzer werde. Wenn die Hotels schließen, schließen auch viele Restaurants: "Eine Spirale, die wir alle gemeinsam stoppen müssen." Hans Müller von Thomas Cook wünscht sich, dass die Öffnungszeiten der Gastronomie überdacht werden: "Wenn an der Playa de Palma um 24 Uhr das Licht ausgeht, weichen diese Kunden nach Bulgarien aus."

Gleichzeitig plädiert er für mehr Golfplätze, vor allem in Alcúdia. Manuel Morales von Rewe Touristik sorgt sich um Orte wie Cala Ratjada oder Cala Millor: "Die Kommunen müssen aufpassen, dass die Infrastruktur erhalten bleibt." An Spätfolgen von Schweinegrippe, Bomben-Attentaten oder politischen Skandalen glaubt niemand. Ute Heinrichs von Alltours ist überzeugt: "Wir Deutschen vergessen schnell." Und Sabine Wittmann von FTI ergänzt: "Mallorca lässt sich ja auch nicht auf 500 Meter Ballermann reduzieren."

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