Zulieferer-Malaise

Triebwerksengpässe kosten Airbus Umsatz

Die ultramodernen Triebwerke für die A-320neo-Familie bereiten in Betrieb und Herstellung nach wie vor einige Probleme.
Airbus
Die ultramodernen Triebwerke für die A-320neo-Familie bereiten in Betrieb und Herstellung nach wie vor einige Probleme.

„Das Parken wird zum Problem“: Weil die Zulieferer nicht schnell genug liefern können, warten bei Airbus Dutzende Flugzeuge auf ihre Triebwerke. Der Umsatz fällt im ersten Quartal kräftig.

Die Probleme der Triebwerkshersteller für die Jets der A-320neo-Familie haben Airbus den Jahresstart gründlich verhagelt. Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern machte im ersten Quartal fast ein Drittel weniger Gewinn als im entsprechenden Vorjahresquartal. Unter dem Strich stand ein Profit von 283 Mio. Euro.

Das Management um Airbus-Chef Tom Enders stellt sich darauf ein, den Großteil der Auslieferungen seines Verkaufsschlagers A-320neo erst in der zweiten Jahreshälfte über die Bühne zu bringen. Von Januar bis März übergab Airbus insgesamt 121 Verkehrsflugzeuge an Kunden. Der Konzernumsatz fiel um zwölf Prozent auf 10,1 Mrd. Euro.

„Damit bleibt noch viel zu tun, um das Ziel von rund 800 Auslieferungen bei Verkehrsflugzeugen zu erreichen“, sagte Enders in Toulouse. Airbus rechnet weiter damit, diesen neuen Firmenrekord zu erreichen – macht dies aber davon abhängig, dass die Triebwerkszulieferer ihre Zusagen einhalten. Der US-Erzrivale Boeing peilt für dieses Jahr 810 bis 815 Flugzeug-Auslieferungen an.

Bei den Triebwerken liegt die United-Technologies-Tochter Pratt & Whitney wegen technischer Probleme hinter den Lieferplänen. Der Hersteller ist für die Antriebe für rund die Hälfte der viel gefragten A-320neo-Jets verantwortlich. Airbus hatte deshalb schon 2016 und 2017 um seine Lieferziele zittern müssen. Allerdings gibt es auch beim Konkurrenztriebwerk von CFM Schwierigkeiten, einem Gemeinschaftsunternehmen von Safran und General Electric.

Etliche neue Jets ohne Triebwerke parken bei Airbus

An den Airbus-Werken in Hamburg und Toulouse stehen deshalb bereits Dutzende Flugzeuge, denen nur die Triebwerke fehlen. „Das Parken wird zum Problem“, sagte Finanzchef Harald Wilhelm in einer Telefonkonferenz. Airbus würde die Produktion der A-320 und ihrer spritsparenden Neuauflage A-320neo wegen der großen Nachfrage in den kommenden Jahren gern auf 70 Maschinen pro Monat hochfahren. Allerdings wehren sich die Triebwerkshersteller dagegen. Von Mitte 2019 an plant Airbus bereits fest mit 60 Maschinen im Monat.

Trotz der Probleme schnitt Airbus im ersten Quartal besser ab als von Analysten erwartet. So lag der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei 14 Mio. Euro, nach einem Minus von 19 Mio. Euro im ersten Quartal des Vorjahres. Experten hatten hier erneut mit roten Zahlen gerechnet.

Bei den Langstreckenjets A-350 und A-330 entwickelt sich das Geschäft in gegensätzliche Richtungen. Während die Produktion der noch jungen A-350 bis Ende dieses Jahres wie geplant auf zehn Maschinen pro Monat wachsen soll, streicht der Hersteller die Pläne für die A-330 und ihre Neuauflage A-330neo zusammen. 2019 sollen pro Jahr nur noch 50 Maschinen der gesamten A-330-Reihe das Werk verlassen, zehn weniger als dieses Jahr. Grund sei die noch zu geringe Nachfrage für die A-330neo, räumte Finanzchef Wilhelm ein. Die erste A-330neo will Airbus in diesem Sommer ausliefern. Mittel- bis langfristig sehe er gute Marktchancen für diesen Großraumjet. (dpa)


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