Top-Flugzeug-Hersteller

Airbus hängt Boeing bei Bestellungen ab

Für zweistrahlige Großraumflugzeuge wie solche A-350 holte Airbus lediglich 57 Neuaufträge herein.
Airbus
Für zweistrahlige Großraumflugzeuge wie solche A-350 holte Airbus lediglich 57 Neuaufträge herein.

Im ewigen Zweikampf der weltgrößten Flugzeug-Hersteller macht Airbus Boden auf den Branchenführer Boeing gut. Bei den Bestellungen überholen die Europäer den US-Giganten. Nur der Absatz von Riesenjets schwächelt.

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus hat seinen Rivalen Boeing bei den Flugzeug-Bestellungen 2017 ein weiteres Mal abgehängt. Während sich die A-320neo bestens verkauften, sieht es beim weltgrößten Passagierjet A-380 immer düsterer aus. Der scheidende Chef der Verkehrsflugzeug-Sparte, Fabrice Brégier, fasst eine weitere Produktionskürzung ins Auge. Verkaufschef John Leahy, kurz vor der Rente, sprach in einer Telefonkonferenz von einem zwangsläufigen Ende der A-380-Produktion, falls Großkunde Emirates keine neuen Maschinen bestellt.

Dabei befindet sich Airbus insgesamt eigentlich im Aufwind. 2017 verbuchte der Hersteller Aufträge über 1109 Verkehrsflugzeuge und damit 197 mehr als sein US-Konkurrent Boeing. Zwar blieben die Amerikaner mit 763 Auslieferungen auch 2017 der weltgrößte Flugzeug-Hersteller. Airbus gelang mit einer Steigerung von 688 auf 718 ausgelieferte Maschinen dennoch ein eigener Produktionsrekord. Im laufenden Jahr könnten es dann an die 800 Flugzeuge werden, sagte Brégier. Damit würde Airbus endgültig am Thron von Boeing rütteln.

Noch im Herbst hatte die Airbus-Führung bezweifelt, die angepeilte Marke von gut 700 ausgelieferten Jets 2017 zu schaffen. Grund waren vor allem technische Probleme beim Triebwerkshersteller Pratt & Whitney, der Antriebe für den modernisierten Mittelstreckenjet A-320neo beisteuert. Der zu United Technologies gehörende Hersteller musste technische Probleme an seinen neuen Hightech-Antrieben lösen. Die Triebwerke sind maßgeblich für den geringeren Treibstoffverbrauch der A-320neo verantwortlich, der das Flugzeug für Fluggesellschaften attraktiv macht.

Erneut zeichneten die Mittelstreckenjets für den Löwenanteil bei Aufträgen und Auslieferungen verantwortlich. Airbus verbuchte Bestellungen über 926 „neos“ und 128 Jets aus der herkömmlichen A-320-Modellfamilie. Für die zweistrahligen Langstreckenjets der Typen A-330, A-330neo und A-350 kamen zusammen nur 57 Aufträge herein.

Problemfall Airbus A-380

Beim weltgrößten Passagierjet A-380 setzte sich die Flaute fort. 2017 lieferte Airbus 15 Maschinen des Typs aus, verbuchte aber keine einzige Bestellung und kassierte obendrein zwei Stornierungen. Airbus will die Produktion im laufenden Jahr auf ein Dutzend Maschinen und im kommenden Jahr auf nur noch acht A-380 herunterfahren. Der Konzern könne auf bis zu sechs Flieger pro Jahr heruntergehen, sagte Brégier.

Ohne eine neue Bestellung der Golf-Airline Emirates steht die A-380 nach Aussage von Verkaufschef Leahy jedoch über kurz oder lang vor dem Aus. „Ganz ehrlich: Wenn wir keinen Deal mit Emirates aushandeln können, gibt es glaube ich keine andere Wahl, als das Programm zu beenden“, sagte er. Emirates sei derzeit wahrscheinlich die einzige Airline im Markt, die für einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren mindestens sechs Flugzeuge jährlich abnehmen könne.

Boeings Konkurrenzmodell, der Jumbo-Jet B-747-8, hat aber ähnliche Absatzprobleme. Er verkauft sich fast nur noch in der Frachtversion. Im Passagiergeschäft setzen Airlines inzwischen vor allem auf mittelgroße Langstreckenjets wie die B-787 („Dreamliner“) und den Airbus A-350, die sich auch auf weniger stark gefragten Strecken rentabel einsetzen lassen. So sieht sich Airbus auf Kurs, von seinem jüngsten Spross A-350 von Ende 2018 an monatlich zehn Exemplare auszuliefern. Im abgelaufenen Jahr waren es insgesamt 78 Maschinen.

Brégier und Leahy werden dann nicht mehr an Bord sein. So gibt der 67-jährige Leahy seinen Posten als Verkaufschef Ende Januar nach knapp 24 Jahren an den bisherigen Rolls-Royce-Manager Eric Schulz ab. Brégier verlässt den Konzern im ersten Schritt eines Management-Umbaus im Februar. Sein Nachfolger an der Spitze des Verkehrsflugzeug-Geschäfts wird Guillaume Faury, bisher Chef der Hubschrauber-Sparte. (dpa)


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