Rekapitalisierungspläne (Kommentar)

Für Thomas Cook geht es runter von der Intensivstation

Michael Krane, Redaktion fvw
Michael Krane, Redaktion fvw

Frisches Geld und raus aus den Schulden – Thomas Cook zeigt den Weg auf, wie der Konzern durch eine Rekapitalisierung wieder auf die Füße kommen will. Ein Kommentar von fvw-Redakteur Michael Krane.

Der Patient Thomas Cook hat den wohl wichtigsten Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesundung gemacht. Sobald die dringend benötigte Finanzspritze gesetzt ist, kann der Organismus stabilisiert werden. Bis Ende September sollen die Verhandlungen über eine Rekapitalisierung des Konzerns abgeschlossen werden. 

Danach sah es viele Monate nicht aus. Mitarbeiter und Geschäftspartner mussten sich damit vertraut machen, dass sich die Perspektive für Thomas Cook immer weiter verdüstern könnte. Davon kann jetzt keine Rede mehr sein.


Erleichterung dürfte sich nicht nur unter den Cookies einstellen. Die sich abzeichnende Wende bei Thomas Cook ist gut für die Branche, weil es der Wettbewerbsintensität dient. Je mehr Player, desto größer sind die Optionen für die Geschäftspartner – von den Hoteliers bis zu den Reisebüros. Vielleicht hilft die Ankündigung des Deals sogar dem Last-Minute-Geschäft. 

Aber vor allem der Durchbruch bei den Schulden und bei der Liquidität verschafft dem Unternehmen endlich den nötigen Spielraum, das Geschäftsmodell auf die Anforderungen einer modernen Produktion und Produktgestaltung umzustellen. 

Der vorgestellte Fahrplan für eine Rekapitalisierung stärkt mit Fosun einen Partner, der bislang 18 Prozent hält und bei Thomas Cook aufgrund seiner Verlässlichkeit und seines Know-how großes Ansehen genießt. Fosun soll die Mehrheit am Veranstalter-Geschäft von Cook übernehmen. 

Banken und Fondsgesellschaften wandeln ihr Forderungen in Höhe von 1,6 Mrd. Pfund in Anteile um. Sie erhalten die Minderheit am Veranstalter-Bereich und die Mehrheit an den Airlines. Gehen die Pläne auf, wäre Cook seine 1,6 Mrd. Pfund Schulden los und erhielte zusätzlich 750 Mio. Pfund.

Wer hätte daran vor Kurzem glauben mögen? Dabei steckt hinter der Wunderheilung nüchternes Kalkül: Die Geldgeber hätten von einer Pleite nichts gehabt. Indem sie Kredite und Forderungen aus Thomas-Cook-Anleihen in Anteile umwandeln, bewahren sie sich die Option auf einen etwaigen späteren Verkauf ihrer neuen Anteile. 

Dies dürfte insbesondere bei Thomas Cook Airlines eine Rolle spielen, wo die Finanzinstitute künftig die Mehrheit halten sollen. Die bisherigen Verkaufsgespräche rund um Condor & Co liegen verständlicherweise auf Eis.

Banken zählen das Fluggeschäft nicht zu ihrem Kerngeschäft. Es ist nicht auszuschließen, dass die operativ profitablen Airlines im Laufe des nächsten Jahres neue Eigentümer erhalten. Das wäre die einzige Unbekannte im Rehaplan von Thomas Cook, vorausgesetzt, die Operation Rekapitalisierung verläuft erfolgreich. 

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