Thomas-Cook-Insolvenz

Zurich beziffert Cook-Schaden auf 347 Mio. Euro

Horst Nussbaumer ist Schadensvorstand des Versicherers Zurich Gruppe Deutschland.
Zurich Gruppe Deutschland
Horst Nussbaumer ist Schadensvorstand des Versicherers Zurich Gruppe Deutschland.

Der Absicherer Zurich wird geschädigten Thomas-Cook-Kunden 17,5 Prozent ihrer Ansprüche erstatten. Wenige Stunden zuvor hatte der Bund beschlossen, für den nicht abgesicherten Rest einzuspringen.

Knapp drei Monate nach der Insolvenz des Veranstalters Thomas Cook überschlagen sich die Ereignisse. Erst am Vormittag hatte die Bundesregierung beschlossen, für den nicht abgesicherten Teil der Ansprüche geschädigter Cook-Pauschalurlauber mit Staatsgeld einzuspringen. Am Nachmittag zog der Kundengeld-Absicherer von Thomas Cook, die Zurich Gruppe Deutschland, nach und gab die voraussichtliche Höhe des Gesamtschadens bekannt. Sie liegt in Summe bei 347 Mio. Euro für die Rückholung gestrandeter Urlauber sowie ganz oder teilweise bezahlter, aber nicht mehr erbrachte Reiseleistungen.

Nach Angaben von Zurich handelt es sich dabei um eine vorläufige Berechnung. Von der zwischen Thomas Cook Deutschland und Zurich vereinbarten Gesamt-Haftungssumme von 110 Mio. Euro mussten demnach bereits 59,6 Mio. Euro für die Rückholung gestrandeter Cook-Urlauber aufgewendet werden. Den verbleibenden 50,4 Mio. Euro stehe eine Schadenhöhe von 287,4 Mio. Euro für geleistete Zahlungen für nicht mehr erbrachte Reiseleistungen gegenüber, erklärte die Assekuranz. Daraus ergebe sich eine Quote in Höhe von 17,5 Prozent für die Regulierung der Ansprüche der Cook-Kunden.

Die deutsche Thomas Cook hatte am 25. September 2019 ein Insolvenzverfahren eingeleitet und in der Folge den Geschäftsbetrieb eingestellt. Für den Fall einer Insolvenz waren Pauschalreisende mit einem Reisesicherungsschein der Zurich ausgestattet, für den die in Deutschland vom Gesetzgeber erlaubte Haftungsobergrenze von 110 Mio. Euro für alle Versicherungsfälle eines Geschäftsjahres (vom 1.11. bis 31.10.) vereinbart war. Weiteren Versicherungsschutz hatte die deutsche Thomas Cook laut Zurich nicht beschafft.

Erstattungen sollen "in den nächsten Tagen" starten

Rund 140.0000 Cook-Pauschalreisende wurden während ihres Urlaubs von der Insolvenz der deutschen Cook überrascht, weitaus mehr Kunden konnten ihre gebuchten und angezahlten Reisen nicht mehr antreten. "Nach Bekanntgabe der Zahlungsunfähigkeit von Thomas Cook Deutschland lag unser Fokus zunächst darauf, in aller Welt gestrandete Reisende bei der sicheren Rückkehr nach Deutschland zu unterstützen", erklärte Horst Nussbaumer, der zuständige Schadensvorstand der Zurich Gruppe Deutschland, der sich zuvor bereits im fvw-Interview zum Thema geäußert hatte.

Weil der vereinbarte Haftungsdeckel zu gering für eine vollständige Entschädigung durch Zurich sei, müsse nun wie im Gesetz vorgesehen anteilig reguliert werden. "Wir werden in den nächsten Tagen mit der Regulierung entsprechend der Quote beginnen", kündigte Nussbaumer an. "Wir bemühen uns jeden Anspruch so schnell wie möglich und mit großer Sorgfalt zu bearbeiten. Dieser Prozess wird einige Wochen in Anspruch nehmen", so der Manager weiter.

Erste heute Vormittag hatte die Bundesregierung mitgeteilt, dass sie geschädigten Cook-Pauschalreisenden anbietet, die Differenz zwischen ihrer Zahlung und dem, was sie von Zurich oder von anderer Seite zurückerhalten haben, auszugleichen. Dies geschehe ohne Anerkennung einer Rechtspflicht aus Gründen des Vertrauensschutzes und zur Vermeidung unzähliger Rechtsstreitigkeiten.

Zuvor hatten Anwälte bereits Tausende Staatshaftungsklagen betroffener Cook-Kunden gegen den Bund angekündigt, weil dieser die EU-Vorgabe eines finanziellen Vollschutzes der Pauschalreisenden nicht umgesetzt habe. Ob die Kanzleien ihre Vorhaben nun aufgeben, wird auch von den noch nicht bekannten Details des Angebots der Bundesregierung abhängen.

Details zur Abwicklung sollen Anfang 2020 folgen

Über das weitere Vorgehen will sich Zurich mit den Cook-Insolvenzverwaltern und der Bundesregierung abstimmen. Sie weisen gemeinsam darauf hin, dass Cook-Kunden aktuell nicht selbst aktiv werden müssen, um ihre Rechte zu wahren. Anfang 2020 soll über die weiteren Schritte zur Abwicklung informiert werden. Es wird noch zu klären sein, ob die Kosten der Rückholung aus dem Haftungstopf oder von Zurich extra bezahlt werden müssen. Darüber sind der Versicherer und das Bundesjustizministerium (BMJV) unterschiedlicher Meinung.

Auch die anstehende Neuregelung der Kundengeld-Absicherung in Deutschland steht noch ganz am Anfang. Bei einem ersten Positionsgespräch mit Vertretern der Touristik und der Versichererer hatte das federführende BMJV am Montag in Berlin deutlich gemacht, dass der bestehende Haftungsdeckel von 110 Mio. Euro deutlich angehoben werden soll, um nicht erneut in die Gefahr einer Staatshaftung zu geraten.

Auch soll die Haftungssumme nicht länger wie bisher pro Versicherer und Jahr, sondern pro Reiseveranstalter und Jahr gelten. Die vom BMJV beauftragten Beratungsfirmen solle im Nachgang des am Montag erfolgten Austausches der Positionen noch in diesem Jahr Reformvorschläge zunächst intern vorlegen.

Update: In einer ersten Fassung stand in der Überschrift, dass die Gesamtschadenhöhe gerundet 287 Mio. Euro betrage. Diese Summe bezieht sich allerdings nur auf die Ansprüche der Cook-Kunden aus teilweise oder voll bezahlten, aber nicht mehr erbrachten Reiseleistungen. Hinzu kommen laut Zurich die Kosten der Rückholung gestrandeter Urlauber in Höhe von 59,6 Mio. Euro, so dass der voraussichtliche Gesamtschaden bei 347 Mio. Euro liegt.

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