Niki-Verkauf an IAG

Kritik an EU wegen „Schnäppchenpreis“

British Airways und Niki gehören bald demselben Konzern, der IAG.
André Lenthe
British Airways und Niki gehören bald demselben Konzern, der IAG.

Die Zukunft des Ferienfliegers Niki dürfte nach der Übernahme durch die International Airlines Group nun gesichert sein. In der Union aber gibt es Unmut über das Vorgehen Brüssels. Wann die frühere Air-Berlin-Tochter wieder abheben kann, bleibt zudem offen.

Nach dem Verkauf der insolventen österreichischen Fluggesellschaft Niki an die British-Airways-Mutter wird in der CSU Kritik an den Wettbewerbshütern in Brüssel laut. „Die EU-Wettbewerbsbehörde hat einen Interessenten vergrault, der bereit war, für Niki rund 200 Mio. Euro zu zahlen. Nun wird die Fluggesellschaft für die lächerliche Summe von 20 Mio. Euro an die britische Holding IAG verscherbelt“, sagte der CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach.

Den Schaden hätten die Gläubiger und die deutschen Steuerzahler, sagte er mit Blick auf einen Hilfskredit des Bundes. Eigentlich hatte die Lufthansa zuvor bereits eine Übernahme von Niki ausgehandelt, den Kauf wegen Bedenken der EU-Wettbewerbshüter dann aber abgesagt. Stattdessen will der zu IAG gehörende spanische Billigflieger Vueling große Teile der Air-Berlin-Tochter Niki für 20 Mio. Euro übernehmen. Die britisch-spanische Holding ist auch bereit, die Fluggesellschaft bis zur Übernahme mit einer Finanzspritze von bis zu 16,5 Mio. Euro zu stützen. 740 der 1000 Mitarbeiter sollen übernommen werden. Ein Verkauf wird bis Ende Februar angestrebt.

IAG ist der nach der Passagierzahl drittgrößte europäische Luftfahrtkonzern. Zu ihm gehören neben British Airways und Vueling auch Iberia, Aer Lingus und Level. Dem Verkauf an IAG muss die EU-Kommission noch zustimmen. IAG muss die Übernahme dort zunächst anmelden. Wann Brüssel grünes Licht gibt, ist offen. Ebenso, wann Niki wieder abheben kann. Dies hängt auch von den luftfahrtrechtlichen Genehmigungen ab.

Niki fliegt wahrscheinlich nicht vor März

Betriebsratschef Stefan Tankovits geht davon aus, dass Niki nicht vor März wieder fliegt. Zunächst müssten IT-Verkaufssysteme umgestellt werden. Was mit vor der Insolvenz erworbenen Niki-Tickets wird, ist Experten zufolge Sache des künftigen Besitzers. Dieser übernimmt im Rahmen der vereinbarten Transaktion nur Vermögenswerte von Niki. Der Käufer trete demnach nicht in Ticketbuchungen ein, betonen Experten.

Lufthansa wollte für die Air-Berlin-Tochter Niki nach früheren Angaben 190 Mio. Euro zahlen. Der Bund hat bisher erst einen Teil seines Überbrückungskredits von 150 Mio. Euro für die insolvente Air Berlin zurück erhalten. Zur Tilgung sollte auch der Erlös aus dem geplatzten Niki-Verkauf an Lufthansa genutzt werden.

Michelbach forderte eine genaue Untersuchung. Das gelte besonders für das Handeln von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag warf Brüssel vor, den Abbruch der Gespräche durch Lufthansa provoziert zu haben, „um einem bestimmten Investor eine Übernahme zum Schnäppchenpreis zu ermöglichen“. Damit hat die Kommission nach seinen Worten „ihre Neutralitätspflicht in grober Weise verletzt“.

Die Europäische Kommission hat die Kritik als „unbegründet“ zurückgewiesen. Die Insolvenzverwalter von Niki hätten eine Reihe von Angeboten erhalten, und sich in einem unabhängigen Prozess nun für IAG entschieden, sagte eine Sprecherin der Kommission.

Niki-Betriebsratschef Tankovits begrüßte die Übernahme durch IAG. „Unter den Umständen war es die beste Lösung“, sagte er im ORF-Radio. Der Konzern will den Kauf über eine neue, österreichische Tochter von Vueling abwickeln. Der Erwerber übernehme die Niki-Markenrechte, alle Start- und Landerechte der Niki Luftfahrt GmbH sowie bis zu 15 Mittelstreckenjets der Typen Airbus A-320 und A-321, teilte der vorläufige Niki-Insolvenz-Verwalter Lucas Flöther nach Unterzeichnung des Kaufvertrages noch kurz vor dem Jahreswechsel mit.

Laut IAG soll ein „attraktives“ Paket aus Start- und Landerechten an Flughäfen wie Wien, Düsseldorf, München, Palma de Mallorca oder Zürich erworben werden. Nach Darstellung von IAG-Chef Willie Walsh passt Niki perfekt in die Strategie von Vueling. Die Flugzeuge selbst sind in dem Kaufpreis nicht enthalten. Die Niki-Jets sind allesamt geleast und gehören teilweise bereits der Lufthansa.

Zeitplan unklar

Bis wann die Wettbewerbshüter der EU-Kommission die Übernahme prüfen werden, ist noch unklar. Die EU-Regeln sehen vor, dass sie Übernahmen innerhalb von 25 Tagen nach Anmeldung prüfen müssen. Nur wenn sie zum Beispiel die Gefahr größerer Wettbewerbsverzerrungen sehen, können sie eine eingehende Untersuchung einleiten, die mehrere Monate dauern kann. Zur Frage, ob die IAG auf eine Übernahme-Genehmigung ohne Auflagen hoffen kann, äußerte sich eine Kommissionssprecherin nicht.

Niki-Insolvenz-Verwalter Flöther und IAG standen unter Zeitdruck. Hintergrund ist, dass die Airline Gefahr lief, die Betriebserlaubnis und damit die wertvollen Start- und Landerechte, die sogenannten Slots, an den Flughäfen zu verlieren. Zudem drohte Niki das Geld auszugehen. Die Tochtergesellschaft der insolventen Air Berlin hatte Mitte Dezember Insolvenz angemeldet und den Flugbetrieb eingestellt. (dpa)

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