Digitalisierung

Mobile Work schafft neue Freiheiten

Mit dem Laptop am Strand sitzen? Das ist der Traum so mancher Arbeitnehmer.
Gettyimages
Mit dem Laptop am Strand sitzen? Das ist der Traum so mancher Arbeitnehmer.

Arbeiten, wo man will? Immer mehr Unternehmen bieten Mobile Work, um Kollegen zu motivieren und neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Café statt Schreibtisch, Homeoffice statt Büro – Arbeitsorte sind in Zeiten der Digitalisierung flexibel. Auch immer mehr touristische Unternehmen gehen weg von der Präsenz- und hin zur Ergebniskultur. Als Vorteile gelten bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Zeitersparnis durch den wegfallenden Arbeitsweg. Die SPD plant künftig gar einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice. Jetzt im E-Paper lesen


Bisher steigt der Anteil mobiler Arbeit, auch Remote Work genannt, nur langsam: 22 Prozent der Beschäftigten in größeren Unternehmen arbeiteten 2017 von zu Hause aus – oft allerdings nur gelegentlich, so eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). Dabei nutzen Führungskräfte Homeoffice mehr als doppelt so häufig wie ihre Mitarbeiter.
„Was für mich zählt, sind Ergebnisse und nicht, ob einer am Schreibtisch oder am Strand arbeitet.“
David Armstrong (CEO Urlaubspiraten)

Die Krux dabei: Remote Work ist grundsätzlich nicht in jedem Job möglich. Zudem lehnt so mancher Mitarbeiter das Modell ab, weil er Beruf und Privates lieber trennt. Auch die jüngste Generation Z, die um das Jahr 2000 Geborenen, setzt auf klare Grenzen zwischen Beruf und Freizeit. Auf Homeoffice und Überstunden haben sie meist keine Lust. Dagegen steht das mobile Arbeiten bei der Generation Y hoch im Kurs.

Präsenzkultur bremst Wandel

Eine Hürde auf dem Weg zum flexiblen Arbeiten ist indes die traditionelle Präsenzkultur in deutschen Unternehmen. "Einige Unternehmer haben nach wie vor Angst, durch Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten die Kontrolle zu verlieren", weiß Dominik Enste vom Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW). Er hält dagegen: "Unsere Studien zeigen ganz deutlich, dass Vertrauen die Produktivität erhöht, während Kontrolle eher zu Konflikten führt."

Mit Vertrauen und Flexibilität sammelt man zudem im Kampf gegen den Fachkräftemangel wichtige Pluspunkte als Arbeitgeber. Wer Homeoffice anbietet, spricht flächendeckend Bewerber an und ist nicht auf den Firmensitz beschränkt.

Reiseverkäufer nutzen Coworking

Bereits seit zwei Jahren testen die Lufthansa City Center (LCC) neue Arbeitsformen. In Berlin, München und Hamburg zogen LCC-Reiseverkäufer für ein halbes Jahr in Coworking Spaces. "Wir wollen Erfahrungen sammeln, Trends aufspüren und erleben, wie junge Coworker ticken", erklärt Stephanie Henicke, die das Innovationsprojekt leitet. Die Arbeitswelt werde flexibler: "Immer mehr LCC-Büros bieten Homeoffice an", sagt Henicke. Dabei gehe es im Projekt auch darum, Unternehmen in eine digitale Zukunft zu führen und das Franchise-System zu einer Plattform weiterzuentwickeln.
Mobile Jobs und das Kleingedruckte
  • Isolation: Der Smalltalk in der Teeküche, Feierabendbierchen mit Kollegen: Solche Kontakte fallen weg, wenn man immer mobil unterwegs ist. Wer dadurch unter Einsamkeit leidet, kann krank werden. 
  • Zeitmanagement: Wer zu Hause oder unterwegs arbeitet, muss diszipliniert sein und sein Selbstmanagement im Griff haben.  
  • Information: Mobile sind von wichtigen und unwichtigen Flurfunk-Infos abgeschnitten. Dieses Informationsdefizit muss mit einem guten Kommunikations-Mix (via Skype, Whats App, Slack) ausgeglichen werden. 
  • Gehalt: Wer nicht im Büro sitzt, wird vom Chef schnell übersehen.
  • Pensum: Arbeitet man mobil, verleitet das häufiger zu Überstunden. Studien belegen sechs Stunden mehr pro Woche.
  • Transparenz: Wie ist man im Homeoffice überhaupt erreichbar? Mittlerweile sorgen Tools wie Ticket-Systeme, Messenger oder cloudbasierte Programme für die nötige Transparenz.

Henicke selbst kann sich traditionelle Schreibtischarbeit kaum noch vorstellen. „Ich persönlich brauche Veränderung, um kreativ zu sein“, sagt die 40-Jährige, die im Coworking Space ständig Tische und Räume wechselt. Das dass nicht jedermanns Sache ist, weiß Henicke: „Jeder hat andere Arbeitsweisen und Vorlieben.“
Auch das Online-Reiseportal Urlaubspiraten überlässt es jedem Einzelnen, ob, wie und wo er mobil arbeiten möchte. „Wir stellen uns auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter ein“, sagt David Armstrong, Geschäftsführer von Urlaubspiraten in Berlin.

Seit einem Jahr können die 210 Mitarbeiter bis zu 65 Tage im Jahr mobil arbeiten. „Das Angebot wird sehr gut angenommen, die Mitarbeiter wissen es zu schätzen.“ Im Durchschnitt nahmen Kollegen rund 45 Tage. Manche reizen es aus, andere arbeiten nur vereinzelt ein paar Tage außer Haus. Armstrong selbst nutzte mehr als 40 mobile Tage und verlängerte so die Zeit mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern, die in München leben. Andere hängten mobile Tage an ihren Urlaub und arbeiteten von Neuseeland oder Amerika aus. Für den Chef geht damit das Konzept voll auf: „Wir profitieren doch direkt davon, wenn unsere Kollegen viel von der Welt sehen.“

Messenger-Dienste erleichtern Kommunikation

Ganz auf Remote Work will er jedoch nicht setzen: „Ich finde es für den Zusammenhalt sehr wichtig, dass sich Kollegen auch persönlich im Büro treffen.“ Bedenken, dass mobile Mitarbeiter nur Kaffee trinken statt zu arbeiten, hat er übrigens nicht. „Das ist natürlich eine Vertrauenssache“, so Armstrong. Chefs müssten loslassen können: „Es ist mir völlig egal, wo und wie man seine Ziele erreicht. Für mich zählt das Ergebnis.“ Die Teams arbeiten eigenständig, sprechen sich ab. „Natürlich müssen alle mitziehen.“  Alle Konferenzräume sind mit Kameras ausgestattet, damit auch mobile Kollegen per Video an Meetings teilnehmen können. Und damit die Kollegen besser abschalten können, nutzt Urlaubsspiraten den Messenger-Dienst Slack, mit dem man Erreichbarkeit klar regeln kann.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

Fachmedien und Mittelstand Digital Logo
Nutzungsbasierte Onlinewerbung
stats