Lufthansas Air-Berlin-Deal

Experten rechnen mit kartellrechtlichen Problemen

Der letzte Flug von Air Berlin rückt näher.
Air Berlin
Der letzte Flug von Air Berlin rückt näher.

Mit der Übernahme großer Teile der Air Berlin kommen auf die Lufthansa neue kartellrechtliche Probleme zu. Die Prüfung der EU-Kommission dürfte zudem länger dauern.

Insbesondere die Ankündigung des Lufthansa-Chefs Carsten Spohr, auf bestimmten Strecken eine konzerninterne Konkurrenz zwischen Lufthansa und Eurowings zu organisieren, trifft auf Skepsis. „Konzerne werden aus kartellrechtlicher Sicht als ein Unternehmen angesehen“, sagte der Düsseldorfer Kartellrechtler Martin Gramsch von der Kanzlei Simmons & Simmons der Deutschen Presse-Agentur.

Der Luftverkehrsberater Gerald Wissel erwartet eine vertiefte kartellrechtliche Überprüfung der EU-Kommission. Dabei würden die Marktverhältnisse auf einzelnen Strecken überprüft. Es könne dann gut sein, dass Lufthansa Start- und Landerechte (Slots) auf einzelnen Verbindungen freigeben müsse und diese dann an Konkurrenten verteilt würden.

Durchaus nachteilig für die Lufthansa könnte sich ein Abwinken des zweiten Bieters Easyjet auswirken. „Falls Easyjet aussteigt, wird die kartellrechtliche Genehmigung für Lufthansa noch schwieriger zu bekommen sein“, sagte Wissel. Auch Anwalt Gramsch sieht zusätzliche Probleme, weil die EU-Kommission letztlich immer den Gesamtmarkt im Blick haben müsse. „Das Wegfallen eines weiteren Bieters ist schlecht für die Marktstruktur.“ Er rechne mit einem halben Jahr Verfahrensdauer.

Der Kartellrechtler Daniel Zimmer zweifelt an Ankündigungen der Lufthansa, dass man sich nach einer Übernahme der Air Berlin auf einzelnen Strecken intern Konkurrenz machen werde. „Das ist ein netter Versuch, die Wettbewerbsprobleme klein zu reden“, sagte der ehemalige Chef der Monopolkommission der Deutschen Presse-Agentur nach entsprechenden Äußerungen des Lufthansa-Chefs Spohr. Dieser hatte gesagt, dass die Tochter Eurowings auf solchen Strecken gegen die Lufthansa antreten werde, die bislang von der Air Berlin bedient wurden.

„Niemand in der Geschäftsleitung eines Konzerns wird dafür sorgen, dass sich die verschiedenen Unternehmen eines Konzerns gegenseitig so viel Konkurrenz machen wie es bisher zwischen Air Berlin und Lufthansa der Fall gewesen ist“, sagte Zimmer in Bonn. Der Vorstand sei schließlich seinen Aktionären verpflichtet. „Wenn zwei Gesellschaften demnächst höhere Ticketpreise auf ganz bestimmten Strecken setzen können, wird der Vorstand dies anordnen.“

Zimmer erwartet eine strenge Kartellprüfung der Übernahme durch die Europäische Kommission. „Ich glaube, dass für einen Teil der Strecken eine Monopolsituation oder eine starke Marktbeherrschung der Lufthansa die Folge wäre. Und deshalb wird die Europäische Kommission nach meiner Einschätzung deutlich kritisch da rangehen.“ (dpa)


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