Flugzeug-Absturz

Wrackteile der Egypt-Air-Maschine gefunden

Die ersten Trümmerteile der vermissten Passagiermaschine werden im Mittelmeer gefunden. Doch zur Ursache des Absturzes gibt es noch keine Hinweise. Die Flugschreiber sollen Aufklärung bringen.

Einen Tag nach dem Verschwinden eines ägyptischen Passagierflugzeugs hat das Militär des Landes erste Trümmerteile der Maschine im Mittelmeer entdeckt. Die Teile sowie persönliche Gegenstände von Insassen seien rund 290 Kilometer nördlich der Küstenstadt Alexandria geortet worden, teilte ein Militärsprecher am Freitag mit. Derzeit würden die Suchmannschaften gezielt die zwei Flugschreiber der Egypt-Air-Maschine suchen. Davon erhoffen sich die Ermittler Aufschluss über die noch immer unklare Absturzursache.

Die Fluggellschaft bestätigte den Fund der Wrackteile bei Twitter. Griechenlands Verteidigungsminister Panos Kammenos sagte im TV-Sender ERT: „Der Krisenstab Ägyptens hat uns über die Bergung eines Körperteils, eines oder zweier Sitze und einiger Kofferteile informiert“. Er fügte an: „Wir haben nichts gefunden. Die Leitung hat Ägypten.“

Die Beobachtungssatellit Sentinel-1A hat nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation ESA zudem einen Ölstreifen auf der Oberfläche des Mittelmeers entdeckt. Auf den Satellitenbildern war der etwa zwei Kilometer lange Fleck am Donnerstagnachmittag etwa 40 Kilometer südöstlich der letzten bekannten Ortung des Airbus entdeckt worden. Allerdings sei nicht sicher, dass der Ölstreifen von dem vermissten Flugzeug stammt, hieß es in der Mitteilung der ESA in Paris.

Der Airbus A-320 mit der Flugnummer MS-804 war am frühen Donnerstagmorgen mit 66 Menschen an Bord auf dem Weg von Paris nach Kairo, als er eine gute halbe Stunde vor der geplanten Ankunft vom Radar verschwand. Bislang gab es keine Hinweise auf Überlebende. An Bord der Maschine waren vorwiegend Ägypter und Franzosen. Deutsche saßen nicht in dem Flugzeug. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach den Präsidenten Frankreichs und Ägyptens, François Hollande und Abdel Fattah al-Sisi, ihr Beileid aus.

Der Airbus war nach griechischen Angaben am Donnerstagmorgen gegen 2.30 Uhr in einer Höhe von knapp 11.300 Metern ins Trudeln geraten und steil auf etwa 4600 Meter abgesackt. Danach verschwand das Flugzeug vom Radar. Einen Notruf setzten die Piloten nicht mehr ab.

Eine Expertenkommission zur Untersuchung der Absturzursache traf sich am Freitag in Kairo, wie es aus Kreisen des Luftfahrtministeriums hieß. Die Ermittlungen würden von der Behörde für Flugunfalluntersuchung geleitet. Auch französische Fachleute seien in der Kommission vertreten.

An der Suchaktion im Mittelmeer sind neben Ägypten auch Griechenland und Frankreich beteiligt. Dem griechischen Verteidigungsminister Kammenos zufolge ist unter anderem ein französisches Spezialschiff vor Ort, das den Meeresboden nach Wrackteilen absuchen kann. Das östliche Mittelmeer ist bis zu 4500 Meter tief. Schlechtes Wetter könnte deren Arbeit sowie die weitere Suche und Bergungsarbeiten erschweren. Eine Schlechtwetterfront mit starken Regenfällen zog von Westen her Richtung östliches Mittelmeer, wie das griechische Wetteramt mitteilte.

Nach dem Absturz der Maschine ändert Egyptair die Flugnummer der Strecke Kairo-Paris, wie es aus Kreisen der Flughafenverwaltung in Kairo hieß. Statt wie bisher MS-804 solle die Verbindung das Kürzel MS-802 erhalten. Das Ändern von Flugnummern nach Unglücken ist üblich. Airlines wollen nicht, dass Fluggäste an eine zurückliegende Katastrophe erinnert werden.

Griechenland und Ägypten hatten sich bei der Suche nach dem über dem Mittelmeer verschwundenen Passagierflugzeug weitere Zusammenarbeit zugesichert. Dies teilte das Büro des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras am Freitag mit. Dieser habe dem Präsidenten Ägyptens, Abdel Fattah al-Sisi, in einem Telefonat sein Beileid ausgesprochen. Das ägyptische Luftfahrtministerium will zudem eine Untersuchung wegen der vermissten Maschine einleiten. An den Ermittlungen werde auch Frankreich teilnehmen, sagte der Leiter der Behörde für Flugunfalluntersuchungen, Aiman al-Mukdam. Zudem würden Länder, deren Staatsbürger von dem Unglück betroffen seien, als Beobachter teilnehmen.

Nach dem Absturz des Egyptair-Flugzeugs sucht auch die französische Regierung weiter nach Hintergründen. „Wir haben absolut keinen Hinweis auf die Ursache“, sagte Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault am Freitag dem Sender France2. Es würden weiter alle Möglichkeiten geprüft, bisher gebe es keine bevorzugte Hypothese. „Wir wollen die Wahrheit, die ganze Wahrheit“, betonte Ayrault. Frankreich suche weiter zusammen mit Ägypten, Griechenland und anderen Ländern nach dem Airbus A-320.

„Wir suchen nach Wrackteilen des Flugzeugs“, sagte der Minister. Frankreich hat zwei Flugzeuge und ein Schiff zur vermuteten Unfallregion geschickt. Außerdem sind drei Experten der französischen Behörde für Sicherheit der zivilen Luftfahrt BEA in Ägypten. Auch ein Vertreter von Airbus ist vor Ort. Ayrault kündigte an, sich an diesem Samstag mit Angehörigen der Opfer aus zwölf Ländern in Paris treffen zu wollen, auch um sie über den aktuellen Stand zu informieren. „Das schulden wir den Familien“, sagte Ayrault. (dpa)

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