ASR, BE, FAR und Co

13 Verbände fordern Liquiditätshilfen

Jochen Szech ist Präsident des Mittelstandsverbands ASR.
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Jochen Szech ist Präsident des Mittelstandsverbands ASR.

Mehr als ein Dutzend touristische Verbände verlangen in einer gemeinsamen Erklärung schnelle Hilfen zur Existenzsicherung von Reisefirmen. "Eile ist geboten wie noch nie", appelliert ASR-Präsident Jochen Szech.

Die Corona-Krise treffe "vor allem kleine und mittelständische Unternehmen", heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Schon derzeit verzeichneten Reisebüros, Beherbergungsbetriebe und Veranstalter Buchungsrückgänge bis zu 80 Prozent. Das habe eine repräsentative Umfrage unter den Mitgliedsfirmen ergeben. Auch andere Verbände wie der DRV hatten vergleichbare Zahlen genannt.


Die Unterzeichner der gemeinsamen Erklärung sind 13 Verbände, die durch gegenseitige Mitgliedschaften mit dem Mittelstandsverband ASR verbunden sind, darunter Forum Anders Reisen (FAR), Arbeitsgemeinschaft Karibik sowie eine Reihe Kinder-, Jugend-, Schul- und Sprachreise-Verbänden wie BE, ERCA, FDSV und Reisenetz. Sie weisen auf die bereits aktuell dramatische Situation in ihren Touristiksegmenten hin.

Die hohen Stornoquoten und angeordneten Reiseabsagen infolge der Corona-Krise würden die zahlreichen, oft gemeinnützigen und kleinen Anbieter in besonderem Maße treffen, heißt es. Allein der Wegfall der jährlich bis zu 80.000 Klassenfahrten in Deutschland werde eine nie dagewesene und bislang nicht vorstellbare Wirkung entfalten. Wenn es aufgrund der Krise zu Betriebsschließungen komme, sei der Ausfall nach der Krise nur schwer wieder zu beleben. Deshalb sei der Bereich auf Hilfen angewiesen.

Zudem befürchten die Verbände, dass sich die Buchungslage weiter verschlechtern wird, zumal zunehmend mehr Urlaubsländer Einreise-Sperren für Deutsche verhängen und die Politik immer drastischere Maßnahmen zur Verlangsamung des Infektionsgeschehens ergreife. "Eine belastbare Personal- und Liquiditätsplanung ist touristischen Unternehmen daher zurzeit nicht mehr möglich."

Nach der bereits eingetretenen Insolvenz des Spezialveranstalters China Tours erwarten die Unterzeichner, dass es bereits im zweiten Quartal eine Vielzahl von weiteren ungewollten Marktaustritten geben werde, wenn die Politik der Branche nicht schnell und unbürokratisch hilft.

Der Neun-Maßnahmen-Katalog der Verbände umfasst im Einzelnen:

• Kostene
rstattung für Veranstalter bei erzwungenen Absagen
Der Bund soll bei erzwungenen Absagen von Reisen den Veranstaltern nachgewiesene Kosten nach Paragraf 651h (4) BGB zu 50 Prozent bis zu einem Höchstbetrag von 100.000 Euro pro Veranstalter erstatten. Die Beantragung soll unbürokratisch erfolgen können. Eine schnelle Auszahlung innerhalb von Tagen und nicht etwa Monaten sei überlebenswichtig.
Bundesweit einheitliche Übernahme (Garantien) der Stornokosten
Die Regelung soll für Stornokosten von Unterkünften, Reiseveranstaltern und Programmanbietern für alle Reisen gelten. Bei stornierten Klassenfahrten sollen die Kultusministerien der Länder die Stornokosten übernehmen.
Erstattung von Stornogebühren als unmittelbare Finanzhilfen
Veranstalter sollten auch bei erzwungenen Absagen von Reisen Stornierungsgebühren erheben dürfen, die als unmittelbare Finanzhilfen erstattet werden.
• Gutschein statt Rückzahlung des Reisepreises
Das Reiserecht sollte so abgeändert werden, dass Veranstalter statt der Rückzahlung des Reisepreises auch einen Gutschein ausgeben dürfen.
Provisionserstattung für Reisebüros
Reisebüros sollen bei erzwungenen Absagen von Reisen die entfallenen Provisionen zu 50 Prozent bis zu einem Höchstbetrag von 100.000 Euro pro Reisebüro erstattet werden. Beantragung und Auszahlung müssen entsprechend zur geforderten Regelung für Veranstalter unbürokratisch möglich sein und schnell erfolgen.
Verschiebung der Luftverkehrssteuer-Erhöhung
Die zum 1. April beschlossene Erhöhung der Luftverkehrssteuer soll auf 2021 verschoben werden. Sie allein belaste die deutschen Veranstalter mit rund 30 Mio. Euro für Tickets, die vor Inkrafttreten des Gesetzes bereits für den Sommer 2020 verkauft wurden, betonten die Verbände.
Stundung sämtlicher Steuerzahlungen
Alle Steuerzahlungen (Mehrwertsteuer, Luftverkehrssteuer, Gewerbesteuer et cetera) sollen bis zum Jahresende und in nachgewiesenen Härtefällen bis Ende 2021 gestundet werden.
Berücksichtigung der Kinder- und Jugendreisen
Dazu zählen die Unterzeichner auch pädagogische Programmanbieter, Jugendunterkünfte, Ausbildungseinrichtungen, Trainerinnen und Trainer sowie vielfältige kleine, mittlere und große Organisationen der Bildung, Erziehung und Jugendhilfe.
Berücksichtigung freier Anbieter in der Bildung und Erziehung

Darüber hinaus halten die Verbände, die bereits öffentlich diskutierten und heute teilweise beschlossenen Maßnahmen für sinnvoll, aber nicht ausreichend: schneller und unkomplizierter Zugang zu KfW- Fördermitteln, leichte und zügige Umsetzung von beantragter Kurzarbeit, sofortige Schaffung von personellen Kapazitäten zur zügigen Unterstützung/Abwicklung bei der Bundesagentur für Arbeit, sinnvoll aufeinander und praxisorientiert abgestimmte Liquiditätshilfen und Förderprogramme.
Diagnose, Therapie, Prognose
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Die Verbände fordern: "Die Unterstützung, jetzt insbesondere finanzieller Art, muss unabhängig von Größe, Rechtsform und Angebot erfolgen. Sie muss schnell und unbürokratisch erfolgen! Zudem sollten weitere unterstützende Maßnahmen, weitere Fördertöpfe und sowie zusätzliche Haushaltsmittel folgen, wenn der Höhepunkt der Krise abflacht, so dass die Arbeit der Unternehmen angekurbelt wird und Kunden wieder buchen."

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3.
Dietmar Rauter
Erstellt 17. März 2020 09:39 | Permanent-Link

Die eben ausgesprochene weltweite Reisewarnung dient der Bundesregierung, um a) der Lufthansa eine Überbrückungshilfe zu geben, indem sie 'gestrandete' Deutsche zurückholen darf und b) muß sie jetzt TUI schnell mit Überbrückungshilfen versorgen, da sie dem Konzern die Geschäftsgrundlage quasi entzogen hat. Bleibt da noch genügend übrig für 'die Kleinen' ? Übrigens: Es geht wieder aufwärts: Am 4.April beginnt in Kiel die Kreuzfahrtsaison mit AIDA (so Kiels Hafenchef Dirk Claus). Es gibt etwas zu feiern....

2.
Ingo Simandi
Erstellt 17. März 2020 07:20 | Permanent-Link

Das mit den Gutscheinen ist eine Lösung, aber was passiert, wenn der Kunde den Gutschein hat und der Veranstalter insolvent ist?

1.
Dietmar Rauter
Erstellt 14. März 2020 10:38 | Permanent-Link

Reisen sind freiwillig , zumeist Lustreisen und daher im Krisenfall verzichtbar. Das ist jetzt der Testfall, nicht nur, um vor Ansteckungen Vorsorge zu treffen, sondern auch, um das Klima und die Überlebensfähigkeit der nachfolgenden Generationen zu schützen. Welche Bedürfnisse bleiben erlaubt , wenn wir diese Pandemie überstanden haben, wie verteilen wir Arbeit und Wohlstand neu nachhaltig und klimagerecht?

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