Arbeitnehmer-Vertreter zur Niki-Übernahme

„Lauda war alles andere als ein Traumarbeitgeber“

Die Gewerkschaft VC kritisiert die Arbeitsbedingungen der Niki-Piloten.
Flyniki.com
Die Gewerkschaft VC kritisiert die Arbeitsbedingungen der Niki-Piloten.

Die Niki-Belegschaft war gegen eine Übernahme durch Lauda. Nun äußert sich der Betriebsrat vorsichtig positiv. Die Vereinigung Cockpit ist dagegen skeptisch, ob Zusagen an das Personal eingehalten werden.

Die Belegschaft der insolventen Airline Niki sieht positive Aspekte beim nachgebesserten Kaufangebot von Airline-Gründer Niki Lauda. Lauda habe sich zum Standort bekannt, Gesprächsbereitschaft über einen Kollektivvertrag signalisiert sowie erklärt, dass alle rund 1000 Beschäftigten ein Angebot erhalten werden, sagte Betriebsratschef Stefan Tankovits am Dienstag im „Ö1-Morgenjournal“.

Außerdem beinhalte der Kauf auch die Finanzierung der Gehälter bis zur Wiederaufnahme des Flugbetriebs, sagte Tankovits. Laut Tankovits haben bisher 50 bis 100 Flugbegleiter Niki verlassen, sehr viele der rund 220 Piloten seien derzeit in Auswahlverfahren und hätten Angebote von anderen Fluggesellschaften.

Die Niki-Belegschaft hätte Tankovits zufolge die Übernahme der Fluggesellschaft durch den britisch-spanischen Konzern IAG bevorzugt. Zahlreiche Mitarbeiter hatten eine entsprechende Petition unterzeichnet. Da der 68-jährige Ex-Rennfahrer im österreichischen Verkaufsprozess sein Angebot aufgestockt habe, sei er wohl tatsächlich nun Bestbieter, sagte Tankovits. „Dementsprechend werden wir jetzt mit dem Ergebnis arbeiten müssen.“

Bei den Piloten trifft Niki Lauda dagegen auf deutliche Skepsis. „Lauda war in der Vergangenheit alles andere als ein Traumarbeitgeber“, sagte ein Sprecher der deutschen Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) in Frankfurt. Es gebe erhebliches Misstrauen, ob Lauda wie versprochen bei der von ihm im Insolvenzverfahren erworbenen Gesellschaft Niki tatsächlich Tarifverträge abschließen werde. In früheren Zeiten seien die Piloten bei Personaldienstleistern angestellt und an die Airline verliehen worden.

Bei einer Übernahme aus einer Insolvenz sei zu befürchten, dass die ohnehin schon bescheidenen Tarifbedingungen für das fliegende Personal der Niki noch weiter verschlechtert würden, sagte der VC-Sprecher. Der Niki-Personalrat habe daher zu Recht darauf hingewiesen, dass es für viele Piloten berufliche Alternativen gebe. Sie müssten jetzt im Einzelfall prüfen, ob sie nicht besser bei anderen Fluggesellschaften anheuerten. Derzeit sucht insbesondere die Lufthansa-Tochter Eurowings Piloten für ihre Airbus A-320-Flotte. Diesen Typ hat auch die Niki bis zu ihrem Grounding geflogen. (dpa)


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