Umweltschutz

Nabu attestiert Kreuzfahrt-Branche Fortschritte

Die Mehrheit der Cruise Liner ist laut Nabu „schmutzig“ unterwegs.
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Die Mehrheit der Cruise Liner ist laut Nabu „schmutzig“ unterwegs.

Die Kreuzfahrt-Reedereien in Deutschland befinden sich einer Auswertung des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) zufolge bei der Reduzierung von Schadstoffen auf einem guten Weg. Die internationalen Branchenriesen kommen allerdings nicht gut weg.

Die Aida Nova von Aida Cruises mit Sitz in Rostock werde das erste Kreuzfahrtschiff weltweit sein, das mit Flüssiggas (LNG) betrieben werden kann, stellte der Nabu nun in Hamburg heraus. Daher schaffte es die Reederei im diesjährigen Ranking auf den ersten Platz. Das Schiff mit mehr als 2600 Passagierkabinen solle am heutigen Dienstagabend das Baudock bei der Papenburger Meyer Werft verlassen und nach weiteren Arbeiten und Tests Mitte November an die Reederei übergeben werden. Flüssiggas gilt als umweltfreundlicherer Antrieb als Diesel oder Schweröl.

„Jetzt sind auch die Wettbewerber gefragt, deutlich mehr in diesem Bereich zu investieren“, mahnte der Leiter der Verkehrspolitik vom Nabu-Bundesverband, Dietmar Oeliger. Insgesamt sind dem Nabu, der 76 Kreuzfahrtschiffe untersuchte, immer noch zu viele Schiffe ohne Abgastechnik oder ohne umweltfreundlichere Treibstoffe als Schweröl unterwegs. Es sei ein Skandal, dass im Jahr 2018 immer noch Schiffe auf den Markt kämen, die auf diesen Treibstoff ausgelegt seien, teilte Nabu-Bundeschef Leif Miller mit. Kreuzfahrtschiffe stoßen ebenso wie Handelsschiffe Abgase aus, darunter Stickoxide, Schwefel und Rußpartikel.

Der internationale Kreuzfahrt-Verband Clia entgegnet, dass unter anderem in Nord- und Ostsee Schiffe nur mit Schweröl fahren dürften, wenn sie mit entsprechenden Filtern ausgestattet seien. Zum Einsatz kämen Abgasnachbehandlungssysteme, die die Schwefelemissionen auf das Niveau von schwefelarmem Dieselkraftstoff reduzieren würden. Zudem seien aktuell 111 von 253 Kreuzfahrtschiffen (Flotte der Clia-Mitglieder) mit solchen Systemen ausgestattet. Vor einem Jahr seien es 99 Schiffe gewesen. „Der Fortschritt zeigt, dass die Branche als Ganzes am Einsatz neuer Technologien arbeitet. Neben den Abgasnachbehandlungssystemen kommen immer mehr Schiffe mit alternativen Antrieben auf den Markt. Die Forderung des Nabu, die Ausstattung der gesamten Kreuzfahrt-Flotte mit Umwelttechnologien stärker voranzutreiben, wird bereits erfüllt“, so die Clia.

Nabu lobt deutsche Reedereien

Das Ranking im Detail: Auf Platz eins steht die Aida Nova, es folgen die Europa 2 und die Aida Prima sowie die Aida Perla.
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Das Ranking im Detail: Auf Platz eins steht die Aida Nova, es folgen die Europa 2 und die Aida Prima sowie die Aida Perla.

Besonders die Branchenriesen MSC Cruises, Celebrity Cruises und Royal Caribbean haben laut Nabu im Bereich Umweltschutz kaum etwas zu bieten. Einzig die weiteren deutschen Anbieter Hapag-Lloyd Cruises und TUI Cruises könnten bei der Luftreinhaltung einigermaßen mithalten, indem sie auf ihren jüngsten Flottenzugängen Stickoxid-Katalysatoren einsetzten oder für die Versorgung mit Landstrom während des Hafenbetriebs gerüstet seien.

Für die Zukunft fordert der Umweltverband, dass die Kreuzfahrt-Branche Antriebssysteme und Kraftstoffe entwickeln solle, die nicht nur den Luftschadstoff-, sondern ebenso den CO2-Ausstoß deutlich reduzierten. Auch die Häfen nimmt der Nabu in die Pflicht. Er fordert, dass diese 2020 Einfahrverbote für „dreckige“ Schiffe erlassen sollten. „Die Reeder hatten ausreichend Zeit sich zu entscheiden, ob sie wirkungsvolle Abgastechnik an Bord installieren, saubereren Kraftstoff verbrennen oder sich extern mit Landstrom versorgen lassen. Es mangelt nicht an Möglichkeiten, sondern am Willen der politischen Entscheider, der Kreuzfahrt-Branche etwas abzufordern“, sagt Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik Nabu Hamburg. (ASC/dpa)

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