Studie Kreuzfahrt

Vertrieb kritisiert verwirrende Preissysteme

Welche Getränke sind inklusive? Die Preissysteme auf manchen Schiffen sorgen für Verwirrung.
MSC
Welche Getränke sind inklusive? Die Preissysteme auf manchen Schiffen sorgen für Verwirrung.

Die Preismodelle der Kreuzfahrt-Reedereien unterscheiden sich stark. Für besonders unübersichtlich hält der Vertrieb die Tarifgestaltung bei MSC.

Kabinenkategorie, Lage auf dem Schiff, zubuchbare oder inkludierte Getränke- und Internet-Pakete, Frühbucher-Preise, Last-Minute-Aktionen – der Preis für eine Kreuzfahrt hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Für Reisebüros sind die Preismodelle vieler Reedereien eine echte Herausforderung. Nicht ohne Grund nennt der Vertrieb in der aktuellen fvw-Kreuzfahrt-Studie die Preistransparenz als ein wichtiges Kriterium beim Verkauf von Seereisen. Vergleichsweise leicht tut sich der Counter dabei mit den All-Inclusive-Konzepten wie etwa bei TUI Cruises, wo zumindest die Speisen und Getränke im Preis enthalten sind.

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Aber auch bei der Mein-Schiff-Flotte hängt der Preis einer Kreuzfahrt von der Kabinenkategorie ab. Dazu kommt eine niedrigere, flexible Preisstufe, bei der der Kunde die Wahl der Kabine der Reederei überlässt. Ähnlich verfährt Marktführer Aida, der neben dem Katalogpreis „Aida Premium“ mit vollem Leistungsumfang einen sogenannten Vario-Tarif anbietet, bei dem der Gast keine Wahl bei der Kabinennummer und -kategorie hat. Beim günstigsten Tarif „Just Aida“ bestimmt die Reederei entweder die Route oder den Reisezeitraum. Diese flexiblen Stufen werden mit tagesaktuellen Preisen angeboten und von den Reedereien als Yield-Instrument genutzt.

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Den Überblick über die Preismodelle zu behalten ist also nicht leicht für Reisebüros. Besonders kompliziert wird es aber offenbar, wenn es um eine MSC-Buchung geht. Zahlreiche Kommentare von insgesamt 200 befragten Reisebüro-Mitarbeitern in der fvw-Kreuzfahrt-Studie sprechen eine deutliche Sprache: „Es gibt tausend verschiedene Tarife. Da blicken wir selbst nicht mehr durch, und der Kunde erst recht nicht“, heißt es da unter anderem.

Tatsächlich basiert das Preismodell von MSC auf vier verschiedenen „Erlebniswelten“ mit jeweils bis zu drei unterschiedlichen Kabinenkategorien. Sie unterscheiden sich nach der Lage im Schiff und enthalten unterschiedlich gestaffelte Leistungsumfänge, die unter anderem die Wahl der Tischzeiten, Flexibilität bei bestimmten Buchungsdetails, spezielle Kinderbetreuung, Spa-Paket, bevorzugten Check-in oder den exklusiven Zugang zu Sonnendecks bis hin zur Luxusbetreuung im MSC Yacht Club betreffen. 2016 wurde zudem die Erlebniswelt „Wellness“ eingeführt, die spezielle Gesundheits- und Fitness-Programme im Angebot hatte. Sie wurde jedoch mit dem Katalog 2019/20 wieder abgeschafft.

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Zusätzlich setzt MSC die Preise – wie andere Reedereien auch – kurzfristig je nach Auslastung fest. Nach Ablauf der Frühbucher-Preise aus dem Katalog werden die Tarife nach Angebot und Nachfrage bestimmt: Erhöht sich der Preis gegenüber dem Frühbucher, wird er „Best-Preis“ genannt. Niedrigere Preise kommen als „Specials“ in Reisebüros. Sie werden nach Auskunft von MSC alle sechs bis acht Wochen über gedruckte Folder verschickt. Die aktuellen Preise sind über die Buchungsplattform MSC Book sowie über Toma, Sabre, My Jack und Neo abrufbar. Michael Zengerle kann die Kritik der Reisebüros nicht so ganz nachvollziehen. „Vier Erlebniswelten mit bis zu drei allgemein bekannten Kabinentypen sind übersichtlich“, findet der MSC-Deutschland-Chef. „Ich habe eher den Eindruck, dass viele von den befragten Reisebüros MSC noch nicht ausreichend kennen. Daran müssen wir noch arbeiten.“ Er empfiehlt dem Counter neben den Informationen im Katalog die Webinare, Frühstücksseminare oder das E-Learning-Programm MSC Masters.

Kommunikationsbedarf sieht er aber auch an anderer Stelle. So ist er überrascht von der Bewertung der MSC-Provisionen in der fvw-Kreuzfahrt-Studie. Dort liegt die Reederei auf Rang 13, allerdings noch vor Aida und Costa. Mit einer Grundprovision von 10 bis 16 Prozent, 10 Prozent auf Flüge und 20 Prozent auf Versicherungen seien die MSC-Provisionen „im Wettbewerbsvergleich sehr attraktiv“. Der MSC-Vertrieb muss also weiter Aufklärungsarbeit leisten.

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