Kreuzfahrt-Urteil

Dreharbeiten auf der Albatros sind kein Reisemangel

Auf der Albatros finden immer mal wieder Dreharbeiten statt.
Phoenix Reisen
Auf der Albatros finden immer mal wieder Dreharbeiten statt.

Eine 83-jährige Reisende hat von Phoenix Reisen 32.000 Euro Schadenersatz gefordert. Der Grund: Dreharbeiten für eine ARD-Doku während ihrer Reise auf der Albatros. Dabei war sie gar nicht an Bord. Für Phoenix ist das nicht die erste Klage dieser Art.

Dreharbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff sind grundsätzlich kein Reisemangel. Das Bonner Landgericht hat die Klage einer 83-jährigen Kreuzfahrt-Passagierin aus München abgewiesen, die von dem Veranstalter Phoenix Reisen mehr als 32.000 Euro Schadenersatz gefordert hatte. Das teilte ein Gerichtssprecher mit (Aktenzeichen 1 O 122/17).

Die Klägerin hatte im August 2016 eine 112-tägige Weltreise auf der Albatros für 27.000 Euro gebucht. Als sie erfuhr, dass während der Reise an 20 Tagen Dreharbeiten für die ARD-Doku-Serie „Verrückt nach Meer“ vorgesehen waren, hatte sie im November 2016 den Reisevertrag gekündigt. Vom Veranstalter forderte sie nicht nur die Anzahlung von 5080 Euro zurück, sondern auch noch einmal den gesamten Reisepreis als Entschädigung für entgangene Urlaubszeit.

Ein Reisemangel seien Dreharbeiten an Bord aber nur, wenn es Beeinträchtigungen gebe, so das Gericht. Die Klägerin habe jedoch lediglich Mutmaßungen über Einschränkungen durch das Fernsehteam vorgetragen. Dass sie die Reise nie gebucht hätte, wenn sie von den Dreharbeiten gewusst hätte, glaubte die Richterin nicht. Denn die Rentnerin war im September 2016 noch an Bord der ebenfalls zu Phoenix gehörenden Amadea gegangen, wo die ZDF-Serie „Das Traumschiff“ gedreht wurde. Dort hatte sich die Frau sogar als Komparsin angeboten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Eine Klage dieser Art ist für Phoenix nichts Neues. Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Ehepaar auf Entschädigung geklagt, weil es sich an Bord der Amadea von Dreharbeiten für die ZDF-Kultserie „Traumschiff“ erheblich gestört fühlte. Die beiden 82 und 79 Jahre alten Eheleute wussten angeblich nicht, dass auf dem Schiff gedreht wurde. Auch in diesem Fall hat das Landgericht Bonn die Klage zurückgewiesen, weil die Dreharbeiten nur zu „Unannehmlichkeiten“, aber nicht zu einem echten Reisemangel führten.

Für Phoenix-Chef Benjamin Krumpen sind diese Beschwerden jedoch nur Einzelfälle. Normalerweise buchten viele Gäste gerade weil sie die Dreharbeiten live miterleben wollen. (dpa/CVP)


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