Kommentar zur Margenbesteuerung bei Geschäftsreisen

Mit der schnellen Neuregelung droht ein Preisschock

Wenn europäisches in nationales Recht umgesetzt werden soll, hängt viel davon ab, wie die einzelnen Länder die EU-Vorgaben interpretieren. Das Problem: Je nach Auslegung unterscheiden sich die Konsequenzen deutlich.

Zwar ist Deutschland dafür bekannt, EU-Regeln schnell und vor allem sehr strikt umzusetzen, bei der nun geplanten Margenbesteuerung im Reise-B2B-Segment täte die Bundesregierung aber gut daran, sich mindestens noch etwas Zeit zu lassen. Denn tritt die Regelung tatsächlich schon Anfang 2020 in Kraft, kann es für die deutsche Wirtschaft zu einem Preisschock kommen: Weil dann der Vorsteuerabzug in vielen Fällen entfällt, könnten Hotels, Tagungen und Events um 7 oder 19 Prozent teurer werden. Das hängt davon ab, wie der im Gesetzesentwurf genannte Begriff "Reiseleistung" rechtlich interpretiert wird: Wann ist eine solche lediglich vermittelt (= keine Margensteuer), und wann ist sie geschuldet (= Margensteuer)?

Das Finanzministerium hat dazu zwar bereits ein BMF-Schreiben oder einen Anwendungserlass angekündigt – das könnte aber noch gut ein Jahr dauern. Und in der Zwischenzeit? Besser wäre es, die neuen Regelungen erst 2022 in Kraft treten zu lassen und bis dahin die nötigen näheren Ausführungen vorzunehmen. Österreich geht hier mit gutem Beispiel voran.

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  1. Michaela Just
    Erstellt 28. November 2019 11:54 | Permanent-Link

    wurde die B2B-Marge nun zum 1.1.2020 eingeführt oder war die Intervention der Verbände erfolgreich?

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