Lufthansa-Ausstand

Leitende Angestellte gegen Piloten

Die Lufthansa-Piloten ziehen derzeit viel Unmut auf sich.
DLH
Die Lufthansa-Piloten ziehen derzeit viel Unmut auf sich.

Lufthansa-Piloten demonstrierten in Frankfurt, empfangen von Gegendemonstranten mit Trillerpfeifen. Zwar regt sich im Lufthansa-Konzern offener Widerstand gegen die Dauerstreiks der Piloten, doch sind es vor allem leitende Angestellte und weniger die Arbeiter, die ihrem Unmut Luft machen.

Beschäftigte der Lufthansa empfangen die Piloten mit Trillerpfeifen. „Streik beenden! Schlichtung jetzt!“ oder „Solidarität sieht anders aus!“, steht auf ihren Bannern. Der Lufthansa-Betriebsrat Frankfurt Boden hatte zu der Gegendemonstration der Piloten-Kundgebung aufgerufen. Gekommen waren am Mittwoch aber vor allem leitende Angestellte aus der Konzernverwaltung. Sie machen Front gegen die Dauerstreiks und fordern die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) in der 14. Streikrunde auf, endlich in eine Schlichtung einzuwilligen.

Flughafen-Arbeiter finden sich wenige in den Reihen der Demonstranten, die auf jede Rückendeckung der anderen im Konzern tätigen Gewerkschaften verzichten müssen. Verdi und die Kabinen-Gewerkschaft Ufo haben die Reihen zur VC geschlossen, Grabenkriege untereinander wollen sie unbedingt vermeiden.

Demo-Organisator Rüdiger Fell vom Betriebsrat Boden schildert seine Schwierigkeiten bei der Mobilisierung der Arbeiter: „Die funktionieren natürlich auch immer noch so, dass sie sagen, wir müssen den Schulterschluss machen. Die haben das so verstanden, dass das hier eine Demonstration Mitarbeiter gegen Mitarbeiter ist. Ist es aber nicht!“

Die Gehaltsforderung der Piloten von insgesamt 22 Prozent auf fünf Jahre kritisieren die Demonstranten dennoch als „Durchsetzung von Partikularinteressen auf Kosten aller anderen Kolleginnen und Kollegen.“

Edwin Dahmer, Angestellter bei der Frachtgesellschaft Lufthansa Cargo, wirft den Piloten vor, dass es ihnen nicht um die Lohnerhöhung gehe, sondern um Einfluss auf die Unternehmenspolitik. Die sei aber Sache der Konzernleitung. „In der heutigen Zeit müssen sich alle bewegen, um dem Konkurrenzdruck anderer Airlines standzuhalten.“

Dahmers Cargo-Kollege Christopher Dehio verlangt von den Piloten, den „ruinösen Streik“ zu beenden. Der Forderung nach Teilhabe am Unternehmensgewinn hält er die dringend notwendigen Investitionen in neue Flugzeuge entgegen.

Vereinigung Cockpit sieht Unterstützung von vielen

Die kritisierten Piloten versammelten sich schließlich vor einer Bühne vor der Lufthansa-Konzernzentrale. VC-Präsident Ilja Schulz fordert seine Kollegen und das Bodenpersonal zum Durchhalten auf: „Wir haben viele Zuschriften gekriegt, aus der ganzen Welt, vom Cockpit-Personal, aber auch vom Boden, die der Meinung sind, dass der Weg gegeneinander vorzugehen, der Falsche ist. Dass wir zusammenstehen müssen.“ Als die Vorstandsmitglieder Harry Hohmeister und Bettina Volkens die Bühne betreten, skandieren die Piloten „Angebot, Angebot“.

Personalchefin Volkens verkündet ein neues Lohnangebot, mit dem Lufthansa die Piloten in die Schlichtung holen will. Es beinhaltet eine Erhöhung der Bezüge in zwei Stufen um insgesamt 4,4 Prozent und bietet zusätzlich eine Einmalzahlung an. Ein Pilot in der Menge, der anonym bleiben möchte, zeigt sich skeptisch. Bis heute habe die Konzernleitung in den Angeboten immer wieder Formulierungen im Kleingedruckten benutzt, die mit Vorsicht zu genießen seien.

Der Kapitän fürchtet mit vielen anderen, dass die Lufthansa immer weiter zu einer Billig-Airline gemacht werde. Wer die Strukturen des Konzerns kennt, müsse aber wissen, dass man da mit Ryanair nicht konkurrieren könne. Das hat auch ein Gegendemonstrant bereits erlebt: Er habe schon mal ein Ticket bei der Konkurrenz gekauft, weil es billiger war als im eigenen Betrieb mit Rabatt, erzählt der Mann. (dpa)

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