Experiment

Runa Reisen testet Fünf-Stunden-Tag

Runa Reisen aus Steinhagen geht bei der Arbeitszeit neue Wege. Über drei Monate will Chef Karl B. Bock mit seinen Mitarbeitern Fünf-Stunden-Tage testen – bei vollem Gehalt.

Weniger arbeiten bei vollem Gehalt? Angesichts der Überstunden, die sich in den meisten Unternehmen anhäufen, klingt das schon verrückt. Das weiß auch Karl B. Bock, Chef von Runa Reisen, und grinst. „Es kann funktionieren“, betont der Chef des Spezialisten für barrierefreies Reisen aus Steinhagen (bei Bielefeld). Im Juni, Juli und August will er das Experiment „Fünf-Stunden-Tag ohne Gehaltsabzug“ durchziehen. Eine erste Probewoche gab es bereits.

„Wir sind quasi ins kalte Wasser gesprungen, auch die Mitarbeiter waren skeptisch“, erzählt Bock. Gearbeitet wurde „hoch konzentriert“ von 8:00 bis 13:00 Uhr – ohne Zeitfresser wie private Chats oder Klönschnack in der Küche. Dafür mit Countdown an der Wand. Bock: „Es war ganz schön stressig, wir wollten ja trotzdem alles schaffen.“ 80 Prozent der Arbeit eines Acht-Stunden-Tags bewältigte das Team tatsächlich. „Das war schon super“, findet Bock, der künftig mit digitalen Tools und einer neuen App die Effizienz steigern will.

Nachmittags lief der Anrufbeantworter, für Reisende gab es eine Notfallnummer. „Ich hatte schon Bedenken, damit Reisebüros oder Kunden zu verärgern“, sagt Bock. Aber keiner beschwerte sich. Und sein Team ist trotz des höheren Stresspegels vom Fünf-Stunden-Tag begeistert. Bock: „Geplaudert wurde eben nach 13:00 Uhr, und alle genossen den komplett freien Nachmittag.“ Die Aktion habe die neun Kollegen weiter zusammengeschweißt. Bald wird das Experiment für drei Monate laufen. Und auch der Chef freut sich auf freie Nachmittage mit seinen Kindern: „Den 13-Uhr-Feierabend habe ich allerdings noch nicht ganz geschafft.“

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