Urlaubstrends

Reiseanalyse sieht stabile Nachfrage

Mehr und mehr Reisende, die in den Flieger steigen, geben laut FUR zu, ein schlechtes Gewissen wegen der Klimabelastung zu haben.
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Mehr und mehr Reisende, die in den Flieger steigen, geben laut FUR zu, ein schlechtes Gewissen wegen der Klimabelastung zu haben.

Trotz vieler Airline-Insolvenzen und der Pleite von Thomas Cook zeigt sich für das abgelaufene Jahr ein hohes Nachfrageniveau nach Urlaubsreisen. Auch für 2020 sind sowohl bei den Ferienzielen als auch bei den Reisearten kaum Veränderungen zu erwarten. Das zeigen vorläufige Ergebnisse der Reiseanalyse.

Die Deutschen bleiben weiter in Urlaubsstimmung. Immerhin vier von fünf Bundesbürgern (78 Prozent) haben sich gedanklich bereits mit möglichen Ferienplänen beschäftigt, und die Urlaubslust ist mit 57 Prozent leicht gestiegen.

Entsprechend rechnet die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), sie ist Träger der jährlichen Reiseanalyse (RA), mit einer stabilen Nachfrage für dieses Jahr. "Diese solide Nachfrage ist für die Branche eine sehr gute Nachricht", sagt Professor Martin Lohmann, wissenschaftlicher Berater der FUR, der anläßlich der CMT in Stuttgart eine vorläufige Bilanz für 2019 und 2020 vorstellte, die auf einer Online-Umfrage im November 2019 basiert. Die endgültigen Ergebnisse werden im März auf der ITB in Berlin vorgestellt.

Stabilität scheint Trumpf und so bleiben die Deutschen im neuen Jahr denn auch weitgehend ihren Reisezielen treu. Etwa 61 Prozent (plus zwei Prozentpunkte) planen 2020 einen Urlaub in deutschen Landen. In der Riege der Top-Reiseziele spielen zudem Spanien, Italien, die Türkei, Österreich, Kroatien und Griechenland mit. Dennoch zeigen sich die potenziellen Urlauber durchaus flexibel, immerhin 42 Prozent haben vor, 2020 ein Ziel anzusteuern, in dem sie noch nicht gewesen sind.

Die Vermutungen, dass die Insolvenz des zweitgrößten deutschen Veranstalters das Vertrauen in die Pauschalreise mindert, sieht die FUR nicht bestätigt. Die Zahl derer, die im Reisebüro buchen wollen, liegt bei 17 Prozent (plus ein Prozentpunkt). Doch der Trend zu Online hält weiter an.

Konstanz auch bei den Reisearten wie Badeurlaub, Natur- und Familienferien, Städtereisen, Wellness-Urlaub und Kreuzfahrten. Allerdings erwartet die RA einen Rückgang bei den Flugreisen von 39 auf 35 Prozent.

Kleines Wachstum im abgelaufenen Jahr

Das angelaufene Jahr baut auf einem stabilen Vorjahr auf. Die Reiseanalyse rechnet in einer vorläufigen Schätzung mit etwa 71 Mio. Urlaubsreisen, gegenüber 2018 ein Plus von einem Prozent. Die Ausgaben für Urlaubsreisen stiegen um drei Prozent auf 73 Mrd. Euro. Hinzu kommen konstante 92 Mio. Kurzreisen mit einem Ausgabevolumen von 25 Mrd. Euro.

Nachhaltigkeit hat im vergangenen Jahr an Fahrt aufgenommen. In der Online-Befragung im November wurde das Thema aufgegriffen. Demnach wird  die ökologische und soziale Nachhaltigkeit im Urlaub für immer mehr Menschen wichtig. Doch noch klafft eine Lücke zwischen Einstellung und Verhalten. Nach Ansicht von Wissenschaftler Lohmann ist das verständlich, weil viele Faktoren Reiseentscheidung und -verhalten beeinflussen.

Die neue Flugscham

Neuer Begriff in der Debatte um den Klimawandel ist die "Flugscham", der die Reiseanalyse nachgegangen ist. Tatsächlich äußerten 41 Prozent der Befragten, die in den vergangenen zwölf Monaten geflogen sind, ein schlechtes Gewissen wegen der Klimabelastung zu haben, 27 Prozent zeigten sich davon unberührt, der Rest ist derzeit indifferent.

Trotzdem rechnet Lohmann nicht damit, dass kurzfristig die Zahl der Urlaubsreisen mit dem Flugzeug sinken wird. Allerdings könnte sich der Wissenschaftler vorstellen, dass die Bereitschaft steigt, Kompensationszahlungen zu leisten.
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