Zukunft der Kundengeld-Absicherung

Thomas-Cook-Absicherer Zurich fordert schnelle Reform

Horst Nussbaumer ist Schadensvorstand des Versicherers Zurich Gruppe Deutschland.
Zurich Gruppe Deutschland
Horst Nussbaumer ist Schadensvorstand des Versicherers Zurich Gruppe Deutschland.

Der Versicherer Zurich mahnt die Bundesregierung zur Eile bei einer Reform der Kundengeld-Absicherung. "Wir können nicht warten, bis wir Rechtssicherheit vor Gericht bekommen werden", sagte Schadensvorstand Horst Nussbaumer.

Laut Horst Nussbaumer, dem zuständigen Chief Operations & Claims Officer der Zurich Gruppe Deutschland, hat sich ein Großteil der Thomas-Cook-Betroffenen mit Abreisedatum noch in diesem Jahr bereits bei dem Versicherer gemeldet. Bereits zum 1. November waren Schadensmeldungen für mehr als 150.000 Reisebuchungen in einem Volumen von mehr als 250 Mio. Euro eingegangen.
Kundengeld-Absicherung: "So geht's nicht weiter"
Als Schadensvorstand der Zurich Gruppe Deutschland, dem Kundengeld-Absicherer der deutschen Thomas Cook, stand Horst Nussbaumer (56) im Zentrum des Orkans. Im ersten Interview zur Cook-Pleite schildert er seine Erfahrungen, sagt, wie die Zukunft der Insolvenzsicherung aussehen könnte und warum die Politik in den nächsten Monaten handeln muss.
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Nach der kürzlich erfolgten Absage aller Thomas-Cook-Reisen ab dem 1. Januar 2020 kämen nun weitere Forderungen in noch nicht bekannter Höhe hinzu, erklärte der 56-Jährige. "Wir gehen davon aus, dass es sich um bis zu 40.000 Buchungen mit überwiegend kleineren Beträgen handelt", sagte der Versicherungsmanager. Der Grund dafür: Für die allermeisten dieser Buchungen für Reisen vom 1. Januar 2020 an dürften von den Kunden der deutschen Thomas Cook bislang nur Anzahlungen von im Schnitt 20 Prozent geflossen sein.

Belastbare Zahlen zum Gesamtschaden will Zurich voraussichtlich Anfang Dezember nennen. "Gleichzeitig werden wir dann mit der anteiligen Erstattung berechtigter Ansprüche beginnen", versprach Nussbaumer. Die Cook-Geschädigten werden nur einen Bruchteil ihrer Auslagen für gebuchte, vom Veranstalter aber nach seiner Insolvenz nicht mehr erbrachte Pauschalreisen zurückerhalten.

Nussbaumer äußert sich in dem Interview auch zur Debatte um die Insolvenzabsicherung von Reiseveranstaltern, die mit der Thomas-Cook-Insolvenz entbrannt ist. So gestattet der deutsche Gesetzgeber Kundengeld-Absicherern, die Haftungssumme im Falle einer Veranstalter-Pleite auf 110 Mio. Euro pro Jahr zu begrenzen. Die EU dagegen fordert von ihren Mitgliedsstaaten einen Vollschutz der Pauschalreisenden.

Weil bereits absehbar ist, dass die 110 Mio. Euro laut Zurich "bei Weitem" nicht ausreichen werden, um die Cook-Betroffenen zu entschädigen, fordern Verbraucheranwälte, der Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR) und die Allianz selbständiger Reiseunternehmen (ASR), dass der Bund für die Unterdeckung einspringen soll. "Wie die überwiegende Mehrheit der Experten sehen auch wir eine Haftung des Staates als sehr wahrscheinlich gegeben an", sagte Nussbaumer.

Der Zurich-Manager machte zudem deutlich, dass der Versicherer die Kosten der Rückholung ebenfalls aus dem 110-Mio.-Euro-Topf und nicht extra zahlen wird. Letzteres hatten das Bundesjustizministerium und einige Reiserechtler ins Gespräch gebracht. "Dass jetzt, nachdem die Rückholung aller Reisenden unter Federführung der Zurich erfolgreich bewältigt wurde, seitens staatlicher Vertreter das Kostenthema zulasten von Zurich thematisiert wird, empfinden wir eher als befremdlich", erklärte Nussbaumer.

Künftig sollte "die Rückholung nicht länger beim Versicherer liegen", erklärte Nussbaumer weiter und meldete "große Zweifel an der bestehenden Regelung" an. Die Bundesregierung forderte der Manager auf, zügig Rechtssicherheit zu schaffen, das für Reiseveranstalter gewünschte Absicherungsniveau verbindlich festzulegen und zu klären, wie große Veranstalter, die im Falle einer Insolvenz auch große Schäden verursachen würden, abgesichert werden können. "Es besteht akuter Handlungsbedarf. Wenn wir im ersten Quartal 2020 keine Rechtssicherheit erhalten, wird es schwierig werden für manchen Versicherer und Veranstalter", prophezeit Nussbaumer.
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