Wie bei Cook-Kunden

Bund hilft auch Tour-Vital-Urlaubern

Marcel Mayer und Beat Zingg führten Tour Vital. Zwei Tage nach der deutschen Thomas Cook war der Spezialveranstalter ebenfalls pleite.
Olaf Rayermann, Tour Vital
Marcel Mayer und Beat Zingg führten Tour Vital. Zwei Tage nach der deutschen Thomas Cook war der Spezialveranstalter ebenfalls pleite.

Der Kundengeld-Absicherer Zurich will nach Informationen der fvw auch den Kunden des insolventen Veranstalters Tour Vital 17,5 Prozent ihrer Kosten erstatten. Der Bund plant, für den Rest einzuspringen.

Neben Thomas Cook rutschte im September mit Tour Vital ein zweiter Reiseveranstalter in die Pleite, dessen Kundengelder gleichfalls bei der Zurich Gruppe Deutschland abgesichert sind. Bislang war unklar, ob die Tour-Vital-Urlauber zu gleichen Bedingungen wie die Pauschalreisenden von Thomas Cook entschädigt werden sollen. Nach Informationen der fvw ist das vom Absicherer Zurich und ebenso vom Bund so geplant.

"Wir werden die Ansprüche der Pauschalreisenden von Tour Vital in gleicher Weise wie für die Kunden von Thomas Cook Deutschland regulieren", bestätigte ein Zurich-Sprecher gegenüber der fvw. Am Mittwoch hatte der Kundengeld-Absicherer bekannt gegeben, dass die Erstattungsquote für geschädigte Thomas-Cook-Urlauber nach vorläufigen Berechnungen bei 17,5 Prozent der Ausgaben liegt. Diese Erstattungsquote gelte auch für die Tour-Vital-Kunden.

Der Sprecher erklärte zudem, dass der Tour-Vital-Schaden für voll oder angezahlte, aber durch den Kölner Veranstalter nicht mehr erbrachte Reisen rund sieben Millionen Euro beträgt. Rückholkosten seien infolge der Pleite von Tour Vital nur in sehr geringer Höhe angefallen. Der Tour-Vital-Schaden ist dem Sprecher zufolge zudem in der am Mittwoch für die deutsche Thomas Cook veröffentlichten vorläufigen Gesamtschadenhöhe von 347 Mio. Euro bereits enthalten.

Dies hatte Zurich nicht eigens erwähnt, weil Tour Vital aufgrund seiner im Vergleich zu Thomas Cook geringen Größe in der öffentlichen Wahrnehmung eine untergeordnete Rolle spielt. Auch der Bund hatte Tour Vital nicht erwähnt, sondern nur für Thomas-Cook-Pauschalreisende erklärt, den nicht gedeckten Teil der Kosten mit Staatsgeld auszugleichen. Das gelte in gleicher Weise für die Tour-Vital-Urlauber, erklärte nun ein Sprecher des Bundesjustizministeriums (BMJV) gegenüber der fvw.

Das Vorgehen findet seine Erklärung in den Besonderheiten der deutschen Regelung für die Kundengeld-Absicherung von Reiseveranstaltern. Das Gesetz erlaubt Kundengeld-Absicherern, die Haftung für Veranstalter-Pleiten auf 110 Mio. Euro pro Versicherer und Jahr zu begrenzen. Reichen die 110 Mio. Euro nicht, wird anteilig erstattet.

Weil die Pleiten von Thomas Cook und Tour Vital in eine Jahresperiode fallen (1.11.2018-31.10.2019), werden sie nun aus demselben 110-Mio.-Euro-Topf reguliert. Im Einzelnen sind das laut Zurich 59,6 Mio. Euro für die Rückholung gestrandeter Urlauber. Hinzu kommen 287,4 Mio. Euro für voll oder angezahlte, aber nicht mehr erbrachte Reiseleistungen. Abzüglich der Rückholkosten sind damit noch 50,4 Mio. Euro im Haftungstopf, was gerundet 17,5 Prozent der geleisteten Zahlungen von Urlaubern entspricht, die ihre Reise nicht mehr antreten konnten.

Abgesichert sind nach EU-Recht zudem nur Pauschalreisende. Wer einzelne Reiseleistungen, etwa den Hotelaufenthalt oder Flüge, gebucht hat, geht leer aus. Eine Auseinandersetzung gibt es zudem über die Rückholkosten. Die Zurich sieht diese als Teil des Haftungstopfes. Das BMJV vertritt die Auffassung, dass sie vom Absicherer extra zu zahlen seien. Das hat Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) am Mittwoch bei einer Regierungsbefragung im Bundestag erneut bekräftigt.

Über das weitere Vorgehen wollen sich Zurich und die Bundesregierung noch abstimmen. Anfang 2020 soll über die weiteren Schritte zur Abwicklung informiert werden. Laut Zurich sollen dann auch die Auszahlungen an Cook- und ebenso an Tour-Vital-Kunden beginnen.

Der Spezialveranstalter Tour Vital hatte am 27. September 2019 seine Insolvenz bekannt gemacht. Die einstige Tochter von Thomas Cook war ein Jahr zuvor im August 2018 an den niederländischen Finanzinvestor Nimbus verkauft worden. Tour Vital erwirtschaftete einem Umsatz von etwa 40 Mio. Euro und war spezialisiert auf Rundreisen, teilweise mit ärztlicher Begleitung.
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