Thomas-Cook-Pleite (Platz 2 | Meistgelesen 2019)

Insolvenzverwalter nennen Zahl der Cook-Geschädigten

Mehr als eine halbe Million Geschädigte: Zentrale von Thomas Cook Deutschland in Oberursel.
Thomas Cook
Mehr als eine halbe Million Geschädigte: Zentrale von Thomas Cook Deutschland in Oberursel.

Es geht nicht um 660.000 Buchungen, sondern um 525.000 Reisegäste. Sie konnten aufgrund der Thomas-Cook-Pleite ihre Reisen nicht mehr antreten. Das haben die Insolvenzverwalter gegenüber fvw bestätigt.

+++ Update vom 20. Dezember 2020 +++
Die Bundesregierung hat neue Zahlen zu den Insolvenzen von Thomas Cook und Tour Vital genannt. Erstmals nennt sie neben den betroffenen Reisegästen auch die Anzahl der Buchungen, die abgesagt wurden. Die neuen Zahlen lesen Sie hier.
+++ Update Ende +++

"Obwohl zu Beginn der Insolvenzanträge am 25. September 2019 die Zahl von 660.000 Buchungen genannt wurde, müssen wir nach genauerer Prüfung diese Zahl inzwischen revidieren", erklärte ein Sprecher der drei Insolvenzverwalter Ottmar Hermann, Julia Kappel-Gnirs und Fabio Algari auf Nachfrage gegenüber der fvw. Stattdessen seien 525.000 Reisegäste betroffen, deren Reisen die deutschen Gesellschaften von Thomas Cook aufgrund der Pleite nicht mehr hätte durchführen können.

Die deutsche Thomas Cook hatte nach und nach zunächst alle gebuchten Reisen bis Ende Oktober, dann bis zum Jahresende und schließlich auch alle Reisen mit Abreisedatum vom 1. Januar 2020 an abgesagt. Bei den betroffenen 525.000 Gästen, deren Reise aufgrund der Cook-Insolvenz nicht mehr durchgeführt werden konnte, handele es sich nicht ausschließlich um Pauschalreisende, erklärte der Sprecher der zuständigen Kanzlei Hermann Wienberg Wilhelm (HWW) weiter.

Wie hoch die Anzahl der geschädigten Cook-Pauschalreisenden ist, ließ sich auch auf Nachfrage nicht klären. Nur Pauschalreisende sind nach geltendem Reiserecht im Falle einer Veranstalter-Pleite über den Reisesicherungsschein geschützt. Wer dagegen lediglich eine Einzelleistung, zum Beispiel einen Hotelaufenthalt oder einen Flug, gebucht hat, hat keinen Anspruch auf finanzielle Entschädigung gegenüber dem Kundengeld-Absicherer des Veranstalters.
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Zu den 525.000 Cook-Kunden, die ihre teilweise oder bereits voll bezahlten Reisen nicht mehr antreten konnten, kommt eine zweite Gruppe von Geschädigten hinzu: Weitere 140.000 Reisende waren zum Zeitpunkt der Insolvenz bereits am Urlaubsort und wurden von dort zurückgeholt, wie der Sprecher ebenfalls bestätigte. Zur Zahl und Höhe der Gesamtforderungen konnte er keine Angaben machen.

Der deutsche Gesetzgeber gestattet Kundengeld-Absicherern, die Haftungssumme für Veranstalter-Pleiten auf 110 Mio. Euro pro Jahr und Absicherer zu begrenzen. Der für die deutsche Cook zuständige Absicherer Zurich hatte bereits kurz nach der Insolvenz erklärte, dass diese Summe bei Weitem nicht ausreichen wird, um die Betroffenen voll zu entschädigen. Zurich waren bereits bis Anfang November Schäden von mehr als 250 Mio. Euro gemeldet worden. Die Cook-Geschädigten werden also nur einen Bruchteil ihrer bezahlten, aber nicht mehr erbrachten Reiseleistungen zurückerhalten.

Die Berechnung der Gesamtschadensumme läuft laut Zurich "auf Hochtouren". Eine belastbare Berechnung werde voraussichtlich noch in der "ersten Dezemberhälfte" möglich sein. Der Versicherer will gleichzeitig eine entsprechende Regulierungsquote berechnen und mit der anteiligen Erstattung berechtigter Ansprüche beginnen. Um daran teilzuhaben, können und müssen Betroffene ihre Forderungen bei dem von Zurich beauftragten Dienstleister Kaera AG anmelden. Wer dies bereits getan hat, kann den Status seiner Schadensanzeige unter diesem Link überprüfen und weiterverfolgen.
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