Ferienhaus

Das bedeutet Corona für die Ferienhaus-Branche

Michelle Schwefel ist Geschäftsstellenleiterin des Deutschen Ferienhausverbands.
DFV
Michelle Schwefel ist Geschäftsstellenleiterin des Deutschen Ferienhausverbands.

Befürchtet eine Pleitewelle: Michelle Schwefel, Geschäftsstellenleiterin des Deutschen Ferienhausverbands, über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Ferienhaus-Branche.

Welche Folgen hat die Coronavirus-Pandemie auf die Ferienhaus-Branche?
Michelle Schwefel: Für viele Unternehmen und Privatvermieter wird das Coronavirus zur Zerreißprobe. Existenzen stehen auf dem Spiel. Uns erreichen täglich Hilferufe aus den Tourismusregionen. Mittelständische Ferienhausagenturen, die kurz vor der Insolvenz stehen. Privatvermieter, die nicht wissen, wie sie die Krise überstehen sollen. Vermittlungsportale, denen die Einnahmen wegbrechen. Die Überlebensfähigkeit von privaten und gewerblichen Ferienhausanbietern ist akut bedroht. Es ist fünf vor zwölf.

„Uns erreichen täglich Hilferufe aus den Tourismusregionen. Mittelständische Ferienhausagenturen, die kurz vor der Insolvenz stehen. “
Michelle Schwefel, Geschäftsstellenleiterin Deutscher Ferienhausverband
Warum hat sich die Lage für die Ferienhaus-Anbieter verschärft?
Nachdem wir anfänglich eine Zurückhaltung bei den Buchungen beobachtet haben, ist die Situation neu zu bewerten, nachdem die Bundesregierung neue Regelungen vorgeschlagen hatte: Demnach sollen Übernachtungsangebote in Deutschland nur noch im Ausnahmefall gestattet und nicht zu touristischen Zwecken genutzt werden dürfen. Was ein nachvollziehbarer Schritt ist vor dem Hintergrund, dass sich das Coronavirus exponentiell verbreitet, ist zugleich eine Katastrophe für die gesamte Branche. Europäische Länder schotten sich ab und schließen die Grenzen, der Reiseverkehr zu den beliebten deutschen Inseln ist gestoppt. Es wird grundsätzlich von allen unnötigen Reisen abgeraten. Die Lage hat sich empfindlich zugespitzt, und es bleibt jetzt abzuwarten, wie lange dieser Ausnahmezustand anhält.

Der DFV fordert nun von der Politik einen Rettungsschirm für die Branche, der auch den Mittelstand berücksichtigt....
Ja, die akuteste Bedrohung stellen die massiven Rückzahlungsforderungen für stornierte Übernachtungen dar, die binnen kürzester Zeit zu Insolvenzen führen werden. Bereits geleistete Zahlungen der Feriengäste für Aufenthalte, die aufgrund behördlicher Verbote und Auflagen storniert werden müssen, sind umgehend zurückzuerstatten. Gastgeber verwehren die Zahlung der Vermittlungsprovision, da die Buchung nicht durchgeführt werden kann. Dadurch kommen die Unternehmen akut in Liquiditätsschwierigkeiten. Es können keine Einnahmen erzielt werden, die Kosten laufen weiter, eine Insolvenz ist bei kleinen und mittelständischen Unternehmen schon nach wenigen Tagen kaum mehr abwendbar. Ihnen gilt es jetzt, schnell und unbürokratisch zu helfen. Ansonsten ist eine Pleitewelle unvermeidbar.

„Es wird dauern, bis der Ferienhaus-Tourismus in Deutschland und europaweit diese Krise überwunden hat. Für kleinere Unternehmen kann es dann schon zu spät sein. “
Michelle Schwefel, Geschäftsstellenleiterin Deutscher Ferienhausverband
Abgelegen wohnen mit nur wenig Kontakt zu anderen Menschen: Vor wenigen Tagen war es noch denkbar, dass die Ferienhaus-Anbieter glimpflich aus der Krise gehen könnten...
Momentan kann davon keine Rede sein. Es ist derzeit nicht absehbar, wie lange die notwendigen Auflagen zur Eindämmung der Pandemie aufrechterhalten werden müssen. Es ist auch mit weiteren Verschärfungen zu rechnen. Erst wenn sich die Situation merklich entspannt und die Auflagen gelockert werden, kann man auf eine Verbesserung hoffen. Wir sind hoffnungsvoll, dass sich die Ferienhaus-Branche wieder erholt, sobald das Virus eingedämmt ist und Reisen wieder möglich sind. Allerdings wird es dauern, bis der Ferienhaus-Tourismus in Deutschland und europaweit diese Krise überwunden hat. Für kleinere Unternehmen kann es dann schon zu spät sein. 

8-Punkte-Maßnahmen-Katalog
Zur Rettung der deutschen Ferienhausbranche hat sich der Deutsche Ferienhausverband an die Bundesminister gewandt. Mehr Details zum Forderungskatalog unter www.deutscher-ferienhausverband.de.
In Gesprächen mit Menschen aus der Stadt wird oft der Gedanke geäußert: "Ich wäre jetzt gern in einem abgelegenem Ferienhaus am Meer" … Ist ein Urlaub im Ferienhaus mit privatem Wohnen zu vergleichen?

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass bei Krisen vertraute und nahe Reiseziele, die mit eigenem PKW angesteuert werden können, und private Urlaubsunterkünfte, die eine sichere Umgebung bieten, stärker nachgefragt werden. Das Risiko ist erst einmal nicht höher als zu Hause, wenn die Reisenden die allgemeingültigen Empfehlungen und Vorsichtsmaßnahmen einhalten. Allerdings muss sich die Situation erst wieder so weit entspannt haben, dass die derzeitigen strengen Auflagen bezüglich Reisen und sozialem Miteinander gelockert werden können. Wir alle haben ein Interesse daran, dass es keine weiteren Infektionen gibt. Es wäre zudem falsch, die lokalen medizinischen Einrichtungen in der aktuellen Situation durch Feriengäste zusätzlich zu belasten. Da müssen wir uns alle der Verantwortung stellen.

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