Überbrückungshilfe

Jetzt noch schnell Geldtöpfe anzapfen

Digitalisierung jetzt: Martin Hein und Rainer Gnyp, Berater von Hein & Kollegen, erläuterten, was noch gefördert wird. Georg Kern (fvw|TravelTalk) moderierte das Webinar.
FVW Medien/MK
Digitalisierung jetzt: Martin Hein und Rainer Gnyp, Berater von Hein & Kollegen, erläuterten, was noch gefördert wird. Georg Kern (fvw|TravelTalk) moderierte das Webinar.

Noch können Reisebüros Ausgaben für Digitalisierungsmaßnahmen unter bestimmten Bedingungen über die Überbrückungshilfe erstattet bekommen. Berater Martin Hein nennt Beispiele und nimmt die Scheu vor dem angeblichen Aufwand.

Die Überbrückungshilfe III Plus mit dem aktuellen Förderzeitraum bis Ende September unterstützt Unternehmen, die ihr Geschäft digital auf Vordermann bringen möchten.

10.000 Euro Förderung sind dafür maximal für den Zeitraum Juli bis September möglich, je nach erlittenem Umsatzrückgang des Unternehmens.

Ob diese Förderung auch in der bereits beschlossenen Verlängerung der Überbrückungshilfe bis Ende des Jahres in der bisherigen Form beibehalten wird, ist derzeit fraglich.

Deshalb: Schnell sein, und die bisherige Hilfe nutzen, machten Martin Hein und Rainer Gnyp bei einem Webinar von fvw|TravelTalk und dem Beraternetzwerk Hein & Kollegen deutlich. Hier geht's zum vollständigen Video.

Bei der Antragstellung sind vor allem zwei Punkte entscheidend: Das erforderliche Umsatzminus muss mindestens 30 Prozent gegenüber dem gleichen Monat 2019 betragen. Und: Damit Aufwendungen für Digitalisierung überhaupt erstattet werden können, muss die Fälligkeit der Rechnungen noch im Förderzeitraum liegen. Wer also Hardware oder Software-Lizenzen noch im September bezahlt, hat gute Karten. 

Ein praktischer Tipp von Martin Hein: Im Zweifelsfall bei Lizenzen oder Abomodellen Verträge abschließen, die in einem der drei Monate für mindestens ein Jahr fällig werden. Wird ein Jahresbetrag monatsweise bezahlt, können auch nur die Monatsbeträge angesetzt werden.  

Welche Produkte und Dienstleistungen unter das Stichwort Digitalisierung fallen und gefördert werden, ergibt sich aus einer Positivliste zur Überbrückungshilfe. 

Dazu gehören etwa der Aufbau oder die Erweiterung eines Onlineshops und die Eintrittskosten bei großen Plattformen. Konkret könnte es sich um den Anschluss an eine Plattform der großen Reisebüro-Kooperationen handeln. Auch die Videoberatung wird unterstützt. Hier kämen etwa Lizenzen für die Software/Jahresabos einschlägiger Anbieter von Video-Konferenzen infrage.

Auch gehört die Anschaffung von Hardware und Software für Homeoffice-Lösungen dazu. Ebenso wie die Implementierung von Buchungs- und Reservierungssystemen (etwa die IBE einer Kooperation), Kosten von Fortbildungsmaßnahmen oder regelmäßigen Praxis-Workshops in Sachen Social Media, SEO oder E-Mail-Marketing. 

Allerdings verlangt der Gesetzgeber: Die Kosten der Maßnahmen müssen in einem "angemessenen Verhältnis zu den Zielen" stehen und "primär der Existenzsicherung des Unternehmens in der Pandemie dienen".

Ausgaben plausibel begründen

Um Zweifel auszuräumen, was "angemessen" ist oder der "Existenzsicherung" dient, raten Martin Hein und Rainer Gnyp: "Schildern Sie in einem Konzept, wie groß der Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung ist, wie der künftige Zustand aussehen soll, welche Maßnahmen nötig sind und was die Neuerung für den Unternehmenserfolg bedeutet."

Das klingt aufwändiger als es ist. Im Kern geht es darum, die Ausgaben plausibel zu begründen, damit sie Branchenfremde nachvollziehen können, macht Hein deutlich.

Für den Coach, der selbst eine Reisebüro-Kette betreibt, steht außer Frage, dass die Reisebüros gerade nach den Erfahrungen mit der Pandemie und dem geänderten Kundenverhalten an einer weiteren Digitalisierung ihrer Services und Abläufe nicht umhinkommen. Die Überbrückungshilfe sei da ein willkommener und kostensparender Anlass.
Diese Tools empfehlen Hein & Kollegen
Martin Hein und Rainer Gnyp geben Anhaltspunkte, welche Tools Reisebüros in Betrachtung ziehen sollten. Häufig sind die Anwendungen kostenlos in der Anschaffung, verlangen aber meist Know-how bei der Einbindung in die Website und in die elektronische Architektur eines Reisebüros:
  • Tools für die Kontrolle über die Auffindbarkeit von Reisebüros im Netz: Google Search Console wird hier häufig genannt. Die Software gibt Auskunft, wie ein Reisebüro im Netz gefunden wurde, welche Key Words entscheiden und über welche Kanäle die Suche erfolgte. Es erlaubt so eine bessere Platzierung bei der Suche über Google.
  • Sichtbarkeit und Interaktion im Netz: Google my Business ist ein Multi-Tool das etwa auf Google Maps ein Unternehmensporträt mit interaktiven Elementen kombiniert. 
  • Newsletter Tool: Im Idealfall bietet es viele Gestaltungs- und Steuerungsvarianten und ist einfach in der Handhabung
  • Termin-Tool
  • Anwendung für Empfehlungsmarketing (z.B. Trusted Shop).

Hein hat in der Beratung von Reisebüros festgestellt: "Wer Tools wie Google Search Console, Newsletter-Software oder Applikationen für Empfehlungsmarketing nutzt, will es nicht mehr missen."

Jetzt sei dank der öffentlichen Hilfe der ideale Zeitpunkt, um derartige Hilfsmittel (Tipps siehe Kasten) abzuschließen und beim Thema Digitalisierung einen wichtigen Schritt voranzukommen.

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