Start-up nimmt wieder Fahrt auf

So will Travelcircus neue Märkte erobern

Travelcircus-Trio: Chief Technical Officer Mathias Zeitler, CEO Bastian Böckenhüser und Chief Financial Officer Kai Klitzke.
Travelcircus
Travelcircus-Trio: Chief Technical Officer Mathias Zeitler, CEO Bastian Böckenhüser und Chief Financial Officer Kai Klitzke.

Die Pandemie hat auch die Expansionspläne von Travelcircus gebremst. Doch nun nimmt das Start-up wieder Fahrt auf, unter anderem mit acht neuen Websites. Die Expansion zielt auch auf einen fernen Markt.

Hochwertige Hotels mit beliebten Events zu günstigen Paketen bündeln – das ist das Geschäftsmodell des 2014 gegründeten Berliner Start-ups Travelcircus. Nach schweren Corona-Jahren verkünden die Betreiber nun gleich eine ganze Reihe an Schritten und Entwicklungen. "Eigentlich wollten wir das ja schon alles viel früher umsetzen, aber natürlich hat die Pandemie auch uns zurückgeworfen", sagt Mitgründer und CEO Bastian Böckenhüser im Gespräch mit fvw|TravelTalk.

Da ist zunächst einmal die Expansion in eine ganze Reihe neuer Quellmärkte. Bislang wurde das Angebot ausschließlich über die deutsche Homepage vertrieben. Doch nun sind gleich acht neue Websites hinzugekommen, die allesamt mit individuellem Content aufwarten.

Neben den naheliegenden Märkten Österreich und Schweiz sind das auch Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, die Niederlande und Spanien. "Die Zeit war reif", sagt Böckenhüser. "Wir glauben, dass unser Produkt auch in anderen Ländern funktioniert." Zuletzt wurde durch die Gründung einer US-Gesellschaft auch der Einstieg in den dortigen Markt vorbereitet.

Die "neue Währung" im Reisegeschäft

Auf der Angebotsseite war zumindest Europa ohnehin bereits stets vertreten. Disneyland in Paris, Harry-Potter-Studiotour in London oder Musical-Besuch in Wien – all das zählt seit Jahren zum Standard-Repertoire. "Immer mehr Menschen geht es heutzutage nicht mehr um Besitz, sondern um einzigartige Erlebnisse, die sie dann in den sozialen Netzwerken teilen können. Das ist die neue Währung für Status und genau diesen Bereich bedienen wir", sagt Böckenhüser.

Vor allem junge Kunden – und weibliche

Die Kunden sind großteils jung, zwischen 18 und 45 Jahren alt. 64 Prozent der Buchenden sind weiblich. "Daran erkennt man, dass sie es sind, die die Entscheidungen fällen", schmunzelt der Gründer. Dank starkem Push-Marketing mit Newsletter und wegen einer hohen Wiederholer-Quote kommen 41 Prozent der Kunden ohne Marketing-Kosten – ein ungewöhnlicher Wert für die Branche. "Das hilft uns, die Ausgaben für diesen Bereich im Griff zu behalten", sagt Böckenhüser.

Der Begriff "Kunden" umfasst für Travelcircus allerdings nicht nur die Endverbraucher. Denn am Ende wirbt das Unternehmen auch um die Partner, also die Event-Betreiber und natürlich auch die Hotels. "Wir binden niemanden über Bettenbanken oder andere Drittsysteme an, sondern schließen mit allen Direktverträge ab. Wir sind Touristiker mit der entsprechenden Erfahrung und gehen deswegen gern ins direkte Gespräch", sagt Böckenhüser, der vor Travelcircus Stationen bei Sixt und Groupon absolvierte.

Bei der Tätigkeit für Sixt lernte er auch seinen Mitgründer Mathias Zeitler kennen. Ergänzt wird das Duo durch Chief Financial Officer Kai Klitzke, der zuvor für TUI, L'tur und Anex tätig war.

Für die Partner von Travelcircus lägen die Vorteile auf der Hand. "Event-Betreibern helfen wir dabei, mittels Provisionen den von ihnen erzeugten touristischen Verkehr zu monetarisieren. Und Hotelbesitzer können ihre Auslastung über uns steuern und entkommen durchs Packaging einer Preisbindung, der sie möglicherweise aufgrund ihrer Listung in Portalen unterliegen", erklärt Klitzke. Die Provision werde nur bei erfolgreicher Buchung fällig.

Travelcircus übernimmt derweil die Vermarktung. "Die Liste unserer Newsletter-Empfänger ist lang", sagt Böckenhüser schmunzelnd, ohne Zahlen zu nennen. Nur so viel ist zu erfahren: Gerade hat das Unternehmen die Schwelle von einer Million Reisenden geknackt. Auch bei den Mitarbeitern gibt es deutliches Wachstum. "100 sind wir bereits, und aktuell suchen wir händeringend 35 weitere Kollegen."

Wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells ist neben dem Marketing aber auch die Technik – die das Unternehmen auch gegen potenzielle Nachahmer abschirmt. "Wenn man beispielsweise das Harry-Potter-Musical in Hamburg betrachtet und dann mal alle infrage kommenden Vorstellungen, Reisetermine und Hotels miteinander kombiniert, dann kommt man schnell auf eine immense Zahl an Datensätzen", legt Zeitler dar, der in der Geschäftsführung das Amt des Chief Technical Officers ausfüllt. "Bei uns in den Systemen läuft das reibungsfrei und mit hundertprozentiger Verfügbarkeit."

Modell auch für Risikokapitalgeber interessant

Angesichts der starken Technikkomponente und eines Vorkrisen-Umsatzwachstums von jährlich 70 Prozent ist das Modell auch für Risikokapitalgeber interessant. Bei Travelcircus ist neben den Gründern auch die renommierte Tengelmann Ventures investiert (Zalando, Delivery Hero, Uber, Klarna), ebenso wie Howzat Partners (Trivago, Comtravo, Checkmybus) und der Reiseführer-Verlag MairDumont.

Hat Travelcircus möglicherweise gar eine Einhorn-Perspektive, also einen potenziellen Firmenwert von einer Milliarde Euro oder mehr? Böckenhüser wiegelt ab. "Wir haben durch Corona zwei wichtige Jahre verloren. Und wenngleich wir sehen, dass der Bereich Domestic Travel immer wichtiger wird, so wird es am Ende darauf ankommen, ob in unseren neuen Märkten der Paketierungsvorteil erkannt wird."

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