Lennestadt und München

Trotz Corona-Krise die Reisebüro-Gründung gewagt

Das Team vom neuen Reisebüro Ihr Reiseglück Lennestadt: Sabine Homrighausen, Sara von Heißen, Sally Kluge und Christine Weigelt.
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Das Team vom neuen Reisebüro Ihr Reiseglück Lennestadt: Sabine Homrighausen, Sara von Heißen, Sally Kluge und Christine Weigelt.

Reisebüro-Neugründungen mitten in der Krise? Die gibt es. Was Unternehmerinnen erleben, wenn sie in der Pandemie ein Geschäft eröffnen.

Über einen Mangel an Aufmerksamkeit können sich Sabine Homrighausen und Christine Weigelt nicht beschweren: Zur Eröffnung ihres Büros am 1. September in Lennestadt (Nordrhein-Westfalen) kamen der Bürgermeister sowie die Vertreter zahlreicher umliegender Geschäfte. Und Kunden waren am ersten Tag auch schon da – nicht zuletzt, weil die örtliche Tageszeitung "Westfalenpost" vorab über die Neueröffnung berichtet hatte. "Der Zuspruch, den wir hier bisher bekommen, ist überwältigend", sagt Sabine Homrighausen. Sie räumt allerdings auch ein: "Natürlich hat mich die Neueröffnung so manche schlaflose Nacht gekostet."

Aufbruch in Lennestadt

Das neue Büro von Sabine Homrighausen und Christine Weigelt "Ihr Reiseglück Lennestadt" ist kein kleines Vorhaben: Für die 100 Quadratmeter Ladenfläche haben die Gründerinnen zum Start gleich zwei Reiseprofis eingestellt. Sara von Heißen arbeitet als Vollzeitkraft. Sally Kluge ist zunächst 15 Stunden pro Woche im Büro. "So wie das Geschäft anläuft, sind wir alle gut ausgelastet", sagt Sabine Homrighausen.

Das Kalkül der Unternehmerinnen: Mit ihrem neuen Büro wollen sie eine Lücke füllen, die eine andere Agentur hinterlassen hat. Das First Reisebüro in Lennestadt schloss im Mai 2021. Die Inhaberin habe keine Perspektive gesehen, schrieb die "Westfalenpost".

Ganz anders Sabine Homrighausen und Christine Weigelt: "Wir sind überzeugt, dass der stationäre Vertrieb eine Zukunft hat. Gerade wegen Corona kommen wieder mehr Menschen ins Reisebüro", erläutert Homrighausen. Und Mitarbeiterin Sara von Heißen sagt: "Es kommen sehr viele Menschen zu uns, die uns sagen, dass es wunderbar sei, dass Lennestadt ein neues Reisebüro hat. Aber es waren auch schon viele Kunden da, die noch nie im Reisebüro waren oder es nach Jahren wieder entdecken."

Spanien, Griechenland, Türkei – das seien die Ziele, die in den ersten Tagen gut verkauft worden seien, erläutert Homrighausen. "Last Minute ist begehrt, wie ich es noch nicht erlebt habe." Die erste verkaufte Reise überhaupt sei nach Namibia gegangen. "Und eine Hochzeitsreise auf die Malediven haben wir auch in den ersten Tagen verkauft."

Den Wunsch, sich selbstständig zu machen, habe sie schon lange gehabt, sagt die Unternehmerin, die zuvor in einem anderen Reisebüro gearbeitet hat. Gelernt hat die 42-Jährige ganz klassisch Reiseverkehrskauffrau. Nach der Weiterbildung zur Touristikfachwirtin schloss sie ein Touristikstudium ab.

"Wir bilden die perfekte Ergänzung"

Auch Mitgründerin Christine Weigelt bringt reichlich Erfahrung aus der Branche mit, arbeitete neben ihrer Tätigkeit als mobile Reiseberaterin etliche Jahre unter anderem bei Germanwings als Purserin. Der Flugbetrieb der Airline wurde eingestellt. "Wir sind hier also krisenerprobt. Wir dachten uns: Wann, wenn nicht jetzt ist die beste Zeit, sich selbstständig zu machen?", erläutert Homrighausen.

Kennengelernt haben sich die beiden Touristikerinnen bereits zur Berufsschulzeit. "Wir bilden die perfekte Ergänzung. Ich kümmere mich gerne um die administrativen Vorgänge und Christine kümmert sich um den Front-Office-Bereich." 

Entschieden haben sich die Unternehmerinnen für die Reisebüro-Kooperation Alpha/Schauinsland-Reisen Partner. "Wir fühlen uns bestens aufgehoben, und wir danken besonders unserem zuständigen Vertriebsleiter Johannes Geißler, der in der Gründungsphase immer ein offenes Ohr für uns hatte und uns jederzeit unterstützt hat."

Wie viel die beiden Touristikerinnen in ihr neues Büro investiert haben, will Sabine Homrighausen nicht verraten. Hauptkostenpunkt sei aber weniger die Büroausstattung gewesen. Die Büromöbel haben sie gebraucht übernommen. Wirklich teuer sei dagegen die Telefonanlage und die Hardware gewesen. Das Büro setzt ausschließlich auf Internet-Telefonie. "Videoberatung, Terminvereinbarung, Live-Chat: Auch darauf wollen wir nicht verzichten", sagt Homrighausen. Die Website des Büros wurde pünktlich am 1. September live geschaltet. Eine eigene Booking Engine hat sie aber noch nicht. "Wir sind eben überzeugt, dass persönliche Beratung im Augenblick der Trumpf ist, mit dem wir stechen können."

Neues Schmetterling-Büro in München

Das sieht Atiye Camyesil Kurudaya ähnlich. Kürzlich eröffnete sie ein Schmetterling-Reisebüro in München-Bogenhausen. Die Agentur ist eine Filiale ihres Hauptbüros am Münchner Flughafen. Sie habe alle wichtigen Standortfaktoren mehrfach abgeklopft, erläutert die Unternehmerin. Das Ergebnis: "Trotz Pandemie sehe ich hier ein ganz normales unternehmerisches Risiko, wie man es auch in anderen Zeiten hätte."

Zur Eröffnung ließ sie sich etwas Besonderes einfallen: In der örtlichen Presse und im Schaufenster gab sie bekannt, dass die ersten Bucher einen Reisekoffer erhielten. "Das hat super geklappt", sagt die Unternehmerin. Wichtig sei es ihr nun vor allem, in der Nachbarschaft bekannt zu werden. Dafür ist sie Kooperationen mit anderen Geschäften eingegangen. So liegt Werbung für ihr Büro etwa beim örtlichen Bäcker.

Was sie außerdem optimistisch stimmt: München-Bogenhausen ist eine Gegend mit zahlungskräftigen Kunden. Dass das Reisegeschäft grundlegend wieder anziehe, spüre sie auch in ihrem Hauptbüro am Flughafen. "Für mich ist die Pandemie daher nicht das zentrale Argument, ein Büro zu eröffnen oder nicht."

Wohl aber habe sie von einer intensiven Beratung und viel Unterstützung von Schmetterling profitiert. Der Gründer der Kooperation Willi Müller persönlich habe sich viel Zeit für sie genommen. Vor allem sei ihr wichtig gewesen, vorab zu erfahren, wo die Unterschiede zwischen einem Flughafen-Büro und einem Stadtbüro liegen.

Dabei lege sie besonderen Wert darauf, das Umfeld der Filiale ausreichend in die Strategie einzubeziehen. "Am Flughafen leben wir sehr stark von Laufkundschaft. In Bogenhausen müssen mir mehr dafür tun, dass der Kunde zu uns kommt." Dabei setzt Atiye Kurudaya auch auf Online-Möglichkeiten. "E-Mail-Marketing, eine ansprechende Website: Das alles spielt für mein neues Büro eine wichtige Rolle."
3 Kommentare Kommentieren

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3.
Michael Heinrich
Erstellt Gestern 10:38 | Permanent-Link

Wir drücken die Daumen und wünschen viel Erfolg ...

2.
Gerd Laatz
Erstellt Gestern 10:33 | Permanent-Link

Beiden viel Erfolg! Der stationäre Vertrieb wird sich verändern, aber er hat definitiv beste Chancen.

1.
Heike Lessner
Erstellt Gestern 10:25 | Permanent-Link

Glückwunsch! Eine gute Entscheidung.

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