Reisebüro-Schließung

Sachsens Sozialministerium zeigt sich unbeeindruckt

Bernd Hoffmann protestierte in einem offenen Brief an die sächsische Landesregierung gegen die Schließung von Reisebüros.
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Bernd Hoffmann protestierte in einem offenen Brief an die sächsische Landesregierung gegen die Schließung von Reisebüros.

Kein Einlenken in Sicht: Das sächsische Sozialministerium sieht keinen Grund, von der Verordnung zur Schließung der Reisebüros abzurücken. Tenor: Ein Publikumsverkehr sei nicht nötig.

Bernd Hoffmann vom Dresdner Reisebüro Hoffmann hatte im Namen des Vereins Dresdner Reisebüros in einem offenen Brief an die Staatskanzlei gegen die Schließung protestiert und auf die Unverhältnismäßigkeit der Maßnahme und die Ungleichbehandlung gegenüber Einzelhandelsgeschäften verwiesen.
 
Jetzt hat die Sächsische Staatsministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt Petra Köpping auf den offenen Brief geantwortet.

Sie stellt darin fest, dass mit der Verordnung den betroffenen Unternehmen nicht grundsätzlich die Öffnung untersagt sei, sondern lediglich die Öffnung für den Publikumsverkehr. "In der Praxis können die Geschäftsinhaber weiterhin ihre Geschäftsräume betreten und von dort aus arbeiten."

Wörtlich heißt es weiter: "Reisebüros etc. sind nicht direkt mit Einzelhandelsgeschäften, wie zum Beispiel Modegeschäften vergleichbar, da sie im Gegensatz zu Letzteren ihre Kunden digital oder telefonisch beraten können, was beim stationären Einzelhandel so nur bedingt bis nicht möglich ist."

Weiter heißt es in der Antwort: Um die Dynamik des Infektionsgeschehens positiv beeinflussen zu können, bedürfe es in Sachsen nach Einschätzung von Experten einer Reduzierung der Kontakte um 60 Prozent.

Diese sei bei der aktuellen Impfquote im Freistaat allein durch Einschränkungen für Ungeimpfte beziehungsweise Nicht-Genesene nicht zu erreichen, sodass die Erreichung dieser Zielstellung auch einen Beitrag von Geimpften und Genesenen erforderlich macht.

Bei einem weiteren Vorstoß gegen die Verordnung hatte TSS-Kooperationschef Manuel Molina am gestrigen Donnerstag Antrag auf "einstweiligen Rechtsschutz" beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen gestellt. Hier steht eine Entscheidung noch aus.

Sachsens Corona-Notverordnung bestimmt: "Die Öffnung von Reisebüros, Versicherungsagenturen, Vermögensberatungsbüros, Unternehmensberatungsbüros, Finanzdienstleistungsbüros mit Ausnahme der Banken und Sparkassen, für Publikumsverkehr ist untersagt."

Bösl sieht massiven Wettbewerbsnachteil

QTA-Sprecher Thomas Bösl spricht mit Blick auf die Verordnung in Sachsen von einem "massiven Wettbewerbsnachteil für den ohnehin schon gebeutelten stationären Vertrieb". Die QTA stelle sich in aller Deutlichkeit gegen die Schließung von Reisebüros.

"In Kürze beginnt in den Büros die Hauptbuchungszeit. Büroschließungen sind ein verheerendes Signal an die Kunden und gefährden Existenzen", so Bösl. Außerdem stärke die Schließung von Reisebüros den Online-Vertrieb und trage damit zu einer unhaltbaren Wettbewerbsverzerrung bei.


Die QTA befürchtet die Ausweitung der Debatte auf weitere Bundesländer. Dann seien viele Beschäftigte der Reisebüros wieder von Kurzarbeit bedroht. So weit dürfe es nicht kommen.

Die QTA unterstütze alle Maßnahmen, welche auf die Benachteiligung des stationären Vertriebs aufmerksam machen. Reisebüros stünden für persönlichen Kundenservice und fachkundige Beratung. Das sei gerade in der aktuellen Situation enorm wichtig für die Kunden.

3 Kommentare Kommentieren

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2.
Dietmar Rauter
Erstellt 29. November 2021 10:03 | Permanent-Link
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Südafrika beweist doch (wieder einmal!): Die Pandemie wird durch Mobilität befördert. Auch wenn hierzulande vielen, insbesondere den jungen, Menschen die Decke auf den Kopf fällt: Wohin wollen sie denn flüchten? Eigentlich müssten wir alle – möglichst kontaktlos, aber vom Verstand und den Chancen her – zusammenrücken und uns zurückhalten im Kampf gegen die Pandemie, aber auch gegen den Klimawandel: Glaubt wirklich jemand ernsthaft an Kohlendioxid-freie Kreuzfahrten oder Urlaubsflüge? Es ist bedauerlich, dass der sogenannte Fortschritt soviele Arbeitsplätze gekostet hat, die Weltmeere verschmutzt, Hungersnöte in der Dritten Welt auslöst und die Existenzgrundlagen auf diesem Planeten zerstört. Kleiner ausgedrückt: Jeder Urlaubsflug ist einer zuviel, die Debatte um die Schließung der Büros ist erst der Anfang. Dazu brauchen wir aber auch díe materielle Unterstützung der Allgemeinheit!

1.
Rainer Maertens
Erstellt 26. November 2021 14:56 | Permanent-Link

Im Grundsatz hat die Sozialministerin recht, wir Reisebüros konnten bisher bis zu 30.000 Euro für eine Digitalisierung nutzen. Nur die Digitalisierung konnten auch die Einzelhändler nutzen und Onlineshops aufbauen, daher läuft diese Begründung ins Leere.

Der wichtigste Punkt ist aber, die Digitalisierung grenzt ganze Bevölkerungsgruppen aus. Die Reisemesse in Leipzig war der beste Beweis dazu. Tickets gab es offiziell nur online. Der gefühlte Altersdurchschnitt der Besucher sank daraufhin um 20 Jahre.

Marija Linnhoff
Erstellt 26. November 2021 17:27 | Permanent-Link
bearbeitet

@Rainer Maertens: und dieser ablehnende Bescheid/Begründung ist jetzt der Grund aufzugeben ?


Soviel Steilvorlagen seitens der Politik, um zumindest analog den letztes Jahr gezahlten November/ Dezember Hilfen an die Reisebüros zu zahlen, gibt es in der Regel nicht. Diese sollten genutzt werden.


Aber was soll' s, solche "angeblichen" Kämpfer bzw. Eintagsfliegen, die Steilvorlagen gar nicht erkennen bzw. erkennen wollen, gibt es in der Interessenvertretungslandschaft viele. Aber, Gottlob auch diejenigen die sich tatsächlich zusammen tun, um Gemeinsamkeit kämpfen und mit Erfolgen nicht gleich hausieren gehen.


Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass es mir eine große Freude bereitet zu sehen und zu spüren das es viele, viele Kollegen gibt die sich solidarisieren und die wenigsten (Gott sei Dank) Zwiespalt, Hass und Gegeneinander saen bzw. forcieren.



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