Flutkatastrophe (Update)

"Mein Reisebüro steht bis zur Decke unter Wasser"

Da stand das Wasser noch nicht bis zur Decke: Eine Aufnahme des Reisebüros Reiseengel in Stolberg bei Aachen.
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Da stand das Wasser noch nicht bis zur Decke: Eine Aufnahme des Reisebüros Reiseengel in Stolberg bei Aachen.

Das ganze Ausmaß der Flutkatastrophe ist noch gar nicht absehbar. Sicher ist aber: Auch Reisebüros trifft die Katastrophe mit voller Härte. Hilfsaktionen aus der Branche laufen an.

Mit Hochwasser kennt sich Pia Emonds aus. Ihr Büro Reiseengel in Stolberg bei Aachen liegt am Vichtbach, der auch früher schon überlief. Pia Emonds hatte deshalb vorgesorgt: Fest installierte Pumpen, Hochwasser-Schutzwälle, um ihr Büro zu schützen, das im Erdgeschoss ihres Wohnhauses liegt.

Doch all das hat nichts geholfen. Gestern drang das Wasser in ihr Büro ein. Über Nacht stieg es bis zur Decke. "Wir konnten nichts tun. Wir haben im ersten Stock nur gehört, wie das Erdgeschoss volllief", sagt Pia Emonds fvw|TravelTalk und ringt mit den Tränen.

Hochwasser am Reisebüro Reiseengel


Das ganze Ausmaß der Flutkatastrophe ist noch gar nicht klar. Sicher ist aber jetzt schon, dass auch Reisebüros betroffen sind. Bei Pia Emonds ist der Schaden im Büro so groß, wie er wohl nur sein kann. "Wir werden völlig neu anfangen müssen", sagt sie.

Ein Hoffnungsschimmer: Das Gebäude ist elementarversichert – "eine 
extrem teure Versicherung, aber auf die hoffen wir jetzt natürlich", erläutert Pia Emonds. Aus Sicherheitsgründen ist sie mit ihrem Mann in ein Hotel gezogen. Der erwachsene Sohn lebt bereits außer Haus.

Menschen bringen Kaffee, helfen beim Aufräumen

Schlimm erwischt hat es auch das Alltours Reisecenter von Henrike Kammerer in der Wittlicher Innenstadt. In der Nacht zu Donnerstag sei das Büro geflutet worden. "Wir haben noch alle Elektronik auf die Tische gestellt, dachten das würde helfen." Doch das Wasser stieg höher.

Glück im Unglück: Alle wichtigen Informationen des Reisebüros lagen auf einem Laptop – der zum Zeitpunkt der Katastrophe nicht im Büro war. So kann das vierköpfige Team des Büros zumindest die wichtigsten Vorgänge am Laufen halten. "Ein Kollege sitzt mit dem Laptop jetzt sicher Zuhause und bearbeitet unter anderem Optionen im eigenen W-LAN", erläutert Henrike Kammerer.

Erste Hilfsaktionen laufen an

Was sie außerdem hervorhebt: Sie sei dankbar für ihr Team, das nicht aufgebe und unermüdlich weiter arbeite. Auch die Solidarität, die das Team von außen erfährt, habe sie schwer beeindruckt, sagt Henrike Kammerer. "Es kommen viele Menschen, sie helfen uns beim Putzen, beim Saubermachen. Wir bekommen Kaffee gebracht." Vor der Tür habe jemand schon Container bereitgestellt. "Wir sind wahnsinnig dankbar, in dieser Situation soviel Solidarität zu erfahren."
"Wir schaffen auch das", steht im Schaufenster des Alltours Reisecenter Wittlich. Das Büro lief in der Nacht zu Donnerstag voll.
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"Wir schaffen auch das", steht im Schaufenster des Alltours Reisecenter Wittlich. Das Büro lief in der Nacht zu Donnerstag voll.

Erste Hilfsaktionen aus der Branche sind bereits geplant. Der VUSR hat ein Spendenkonto eingerichtet. Die IBAN bei der Sparkasse Köln lautet: DE68 3705 0198 1935 9461 43.  Zuständig dafür ist bei dem Verband Jochen Volland, der selbst ein Reisebüro in der Kölner Innenstadt hat. Er beobachtet die Hochwassersituation auch mit Blick auf sein Büro mit Sorge. Die Kölner Innenstadt sei zwar noch nicht überschwemmt. "Aber ich kenne das aus der Vergangenheit: Irgendwann drückt das Grundwasser hoch."

Das seien vorerst aber nur Sorgen – im Gegensatz zur Lage vieler Reisebüros, die von der Flut bereits getroffen wurden. Volland schätzt, dass allein beim VUSR "mindestens ein Dutzend Reisebüros betroffen sind". Genaue Zahlen könne er noch nicht nennen. "Mir machen uns erst noch ein Bild."

Auch anderweitig laufen Hilfsaktionen an. Tourcontact verschickte einen Sonder-Newsletter. Darin heißt es: Die DER Touristik plane eine schnelle, zentrale Solidaritätsaktion für die vom Hochwasser betroffenen Reisebüros. "Um vorab einen Überblick vom Umfang zu erhalten, bitten wir, solltet Ihr betroffen sein, um eine entsprechende Nachricht. Bitte wenn möglich versehen mit Fotos und weiteren Informationen zum Umfang des Schadens", heißt es in der Mail.

"
Wir verschaffen uns aktuell ein genaues Bild davon, welche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen persönlich in welcher Form von der Hochwasserkatastrophe betroffen sind. So wird die Hilfsbereitschaft aus der Organisation mit dem Hilfebedarf bestmöglich zusammengebracht", sagt eine DER-Touristik-Sprecherin. Darüber hinaus seien die Zentralen der Vertriebsorganisationen der DER Touristik im direkten Kontakt mit ihren Filialen sowie den Franchise- und Kooperationspartnern, um deren Situation zu klären. Die Abfragen laufen noch.

"Wir haben Büros in der Region und versuchen schnell zu helfen", sagt RTK-Chef Thomas Bösl. Geplant sei auf alle Fälle bereits eine Möbelaktion, bei der Reisebüros Einrichtung kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen."Weitere Aktionen folgen, sobald wir wissen wieviele/wie stark unsere KollegInnen betroffen sind", erläuert Bösl. Es seien schlimme Bilder "und hoffentlich gibt es 'nur' Sachschaden".

Auch TUI verspricht Hilfe

Auch TUI hat betroffenen Reisebüros Hilfe zugesichert. Auf Facebook teilte das Unternehmen mit: "Wenn Ihr vom Hochwasser betroffen seid, Euer Ladengeschäft überflutet wurde und Eure  Büroausstattung Schaden genommen hat, stellen wir Euch schnell und unbürokratisch Möbel aus den TUI-Filialbeständen für Eure Reisebüroeinrichtung kostenlos zur Verfügung:  Tische und Stühle für den Counter sowie für den Wartebereich, Regale und Katalogwände – gebraucht, aber in einem guten Zustand. Die Einrichtungsgegenstände befinden sich aktuell an unterschiedlichen Standorten in ganz Deutschland. Bitte meldet Euch bei Eurem Bezirksleiter bzw. bei Eurer TUI Verkaufsleitung und wir besprechen mit Euch, was ihr benötigt und wann und wo ihr die Möbel abholt."

Das Hochwasser und die Überschwemmungen seien eine Katastrophe, wie sie Deutschland lange nicht erlebt hat, sagt eine TUI-Sprecherin. "Wir sind in Gedanken bei den betroffenen Menschen. Den Flutopfern gilt unser ganzes Mitgefühl. Auch wenn wir nicht vor Ort sind, so möchten wir unsere Unterstützung in dieser Ausnahmesituation zusichern." Die Erstversorgung der Menschen habe jetzt oberste Priorität. "Sobald es an die Wiederherstellung der Reisebüros geht, unterstützen wir Betroffene mit allem, was unsere Lager hergeben."

1 Kommentar

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1.
Ronald Krispin
Erstellt 16. Juli 2021 15:31 | Permanent-Link

Reisebüros helfen Reisebüros!
Wer z.B. Möbel zur Verfügung stellen kann, stellt die Sachen ein. Wer es benötigt, bekommt es auch! Hilfe die ankommt!
Und je mehr mitmachen - desto besser!

https://www.facebook.com/groups/212354630668214



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