"Das ist doch Wahnsinn" (exklusiv)

Holidaycheck-CEO fordert Änderung bei Reisehinweisen

Der langjährige Burda-Manager Marc Al-Hames soll Holidaycheck nach der Krise auf einen profitablen Wachstumskurs führen.
Holidaycheck
Der langjährige Burda-Manager Marc Al-Hames soll Holidaycheck nach der Krise auf einen profitablen Wachstumskurs führen.

Marc Al-Hames leitet seit etwa mehr als einem Jahr das Reiseportal Holidaycheck. Ein Zuckerschlecken war und ist das wegen der Corona-Krise nicht. Es gibt da ganz konkrete Dinge, die ihn bei seiner Arbeit stören.

Dem 43-jährigen Manager ist es ein Dorn im Auge, dass das Auswärtige Amt die Anpassungen von Risikogebieten und Reisereglen immer erst Freitagmittag bekannt gibt. "Das ist Wahnsinn und bedeutet nicht nur bei uns jedes Mal Wochenendarbeit", kritisiert Al-Hames – und stellt konkrete Forderungen: "Bekanntgaben Mitte der Woche mit längeren Fristen, fünf statt zwei Tage bis zum Eintreten der neuen Regeln, das wäre für alle hilfreich", sagt er im Gespräch mit fvw|TravelTalk.

Das Problem: Alle in der Branche, speziell Reiseveranstalter und Reiseportale, deren Geschäft auf Technik beruht, müssen die Änderungen aus dem Auswärtigen Amt in ihre Prozesse integrieren und darauf hinweisen. Das bringt Programmierarbeit mit sich, die mitunter gar nicht so kurzfristig und schon gar nicht ohne Weiteres über das Wochenende erledigt werden kann.
Fakten zur Holidaycheck Group

Holidaycheck nennt sich selbst Digitalunternehmen für Urlauber und beschäftigt gut 300 Mitarbeiter in München, Bottighofen (Schweiz) und Polen. Neben dem Hotelbewertungs- und Reisebuchungsportal gehören der Veranstalter Holidaycheck Reisen sowie das Mietwagenportal Driveboo zur Gruppe. Hauptaktionär ist Burda Digital.


Da hätten die lokalen Reisebüros mitunter einen Vorteil, konstatiert Al-Hames. "Es gab zuletzt viel Unsicherheit im Markt und somit viele Fragen seitens der Reisenden. Und ja, das machen die lokalen Reisebüros wirklich sehr gut – und haben deshalb zu Recht auch Marktanteile gewonnen", so der Holidaycheck-Chef.
Zur Person Marc Al-Hames
Karriere: Der promovierte Elektro- und Informationstechniker startete seine Karriere 2008 als Projektleiter bei McKinsey. 2011 wechselte er als Leiter Unternehmensentwicklung zur Burda-Tochter Tomorrow Focus – und blieb dem Burda-Konzern treu: Zwischen 2013 und 2020 war er Geschäftsführer des mittlerweile an Brave verkauften Websuchers und Browsers Cliqz. Seit 2020 nun ist er CEO der Holidaycheck Group.

Privat: Al-Hames wurde 1978 in Hannover geboren und lebt heute mit Frau und seinen drei kleinen Kindern in München. In seiner Freizeit macht er gern Sport, geht auf Reisen und liebt gute Küche.

Er sieht nicht nur beim Auswärtigen Amt Handlungsbedarf. Auch auf Seiten der Veranstalter wünscht sich der Manager des Reiseportals noch Verbesserungen. "Wenn eine Reise storniert werden muss, gibt es auch bei uns sehr viel händisch zu tun – auch in der Kommunikation mit den Veranstaltern. Da ist noch Potenzial für Verbesserungen", sagt er und zielt darauf ab, dass die vielen neuen und unterschiedlichen Flex-Tarife der Veranstalter nur schwer in die Prozesskette eines OTA integriert werden können.

Schon vor einigen Monaten hatten sich einige Reiseportale daher mehr Einheitlichkeit von den Veranstaltern gewünscht. Noch ist davon allerdings wenig zu sehen.

Reisen sollen nicht teurer werden

Marc Al-Hames ist davon überzeugt, dass die Digitalisierung der Reiseproduktion neue Formen annehmen muss – und die Abläufe im Hintergrund noch stärker automatisiert werden müssen. Der Grund ist das gestiegene Beratungsbedürfnis der Reisenden: "Es ist davon auszugehen, dass wir alle künftig mehr Kontakte pro Buchung zählen werden. Da Reisen aber nicht teurer werden sollen, sondern im Idealfall günstiger, müssen die Prozesse im Hintergrund digitaler werden. Das ist die Herausforderung", sagt Al-Hames.
fvw|TravelTalk-Kongress 2021
Marc Al-Hames wird am 2. September beim fvw|TravelTalk-Kongress an einer Diskussionsrunde zum Thema "OTA – die Gewinner der Krise? Wie der Online-Vertrieb sich weiterentwickelt" teilnehmen. Ebenfalls mit dabei sind Dominik Faber (Check 24) und Boris Raoul (Invia Group).

Die Tickets sind durch ein Sponsoring von AIC kostenlos, wenn bei der Anmeldung der Code "aic.jetzt" eingegeben wird. Zur Anmeldung geht es hier.

Bei Holidaycheck sei der Aufwand pro Reise praktisch explodiert: "Wir müssen jede Reise im Schnitt dreimal anfassen", nennt er eine Zahl und verweist auf ein Produkt aus dem eigenen Haus: das Flex-Produkt vom eigenen Veranstalter Holidaycheck Reisen. Dort können Kunden selbst und kostenfrei bis zu sechs Tage vor der Abreise stornieren. Kein Mitarbeiter sei involviert, alles laufe automatisch. Das sei die Benchmark.

Welche Zukunft der Chef des börsennotierten Reiseportals für den stationären Vertrieb sieht und wann er mit Holidaycheck wieder schwarze Zahlen schreiben will, lesen Abonnenten in der aktuellen Ausgabe der fvw|TravelTalk, die am heutigen Donnerstag als E-Paper und am Freitag als Printausgabe erscheint.
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3 Kommentare Kommentieren

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3.
Jan Lehmann
Erstellt 20. August 2021 10:10 | Permanent-Link

Ist doch aber eigentlich klar, daß der CEO eines solchen Unternehmens so argumentiert. Er hätte nichts davon, wenn Reisen teurer werden - sein Unternehmen setzt auf Masse statt Klasse und bei einer Preiserhöhung nimmt die Masse logischerweise erstmal etwas ab. Und schon haben wir´s wieder: innerhalb der gleichen Branche völlig gegensätzliche Interessen.

2.
Steffen Butzko
Erstellt 20. August 2021 08:28 | Permanent-Link

Schließe mich dem 100%ig an Ingo Simandi. Hier wird gerade u.a. über den Fachkräftemangel in unserer Branche nach der Pandemie diskutiert. Ein Grund ist auch das überschaubare Gehaltsniveau. Das wiederum liegt im wesentlichen an den dürftigen Margen/ Provisionen.
Derartige Äußerungen von hochrangigen Managern hinterlassen bei mir nur ungläubiges Kopfschütteln

1.
Ingo Simandi
Erstellt 20. August 2021 07:35 | Permanent-Link

"Da Reisen aber nicht teurer werden sollen, sondern im Idealfall günstiger, …" haben wir immer noch nichts dazugelernt.

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