Aufsichtsrats-Tagung

Bahnchef-Gehälter steigen – Kritiker melden sich zu Wort

Bahnchef Richard Lutz erhält mehr Gehalt.
Deutsche Bahn AG
Bahnchef Richard Lutz erhält mehr Gehalt.

Zehn Prozent mehr Gehalt: Darüber dürfen sich Bahnchef Richard Lutz und Personenverkehrs-Vorstand Berthold Huber nach der jüngsten Aufsichtsratssitzung freuen. Das Gremium besprach zudem die Jahreszahlen – an denen sogleich Kritik hagelte.

Der Aufsichtsrat habe am Mittwoch einer Erhöhung der Fixgehälter zugestimmt, hieß es aus Kreisen des Gremiums. Die beiden Vorstandsmitglieder erhalten demnach künftig zehn Prozent mehr. Eigentlich war die Erhöhung bereits für das vergangene Jahr vorgesehen. Aufgrund der finanziellen Schieflage des Konzerns in der Corona-Krise war der Schritt damals aber ausgesetzt worden. Lutz' Fixgehalt hatte zuletzt bei 900.000 Euro im Jahr gelegen, Hubers bei 650.000 Euro.

Der Aufsichtsrat verlängerte zudem die Verträge der Finanz- und
Güterverkehrsvorstände Levin Holle und Sigrid Nikutta um fünf Jahre.
Der bislang siebenköpfige Bahnvorstand steht mit dem jüngst bekannt
gewordenen Abgang von Ronald Pofalla allerdings vor Veränderungen.
Der Infrastrukturvorstand will Ende April aufhören. Als Favorit für
Pofallas Nachfolge gilt Berthold Huber, wie bereits am Dienstag aus
Aufsichtsratskreisen verlautete. Demnach könne es "zeitnah" eine
Sondersitzung des Kontrollgremiums dazu geben. Zuvor hatte der
"Spiegel" über die Personalie berichtet.
Der Aufsichtsrat besprach am Mittwoch auch die Geschäftszahlen für
das vergangene Jahr, die die Bahn am Donnerstag veröffentlichen will.
Unterm Strich blieb nach Medienberichten ein Minus von rund 900
Millionen Euro bei einem Umsatz von 47 Milliarden Euro. 2020 war das
Minus mit 5,7 Milliarden Euro noch deutlich höher ausgefallen.
Mit Milliarden-Investitionen, vor allem ins bestehende Netz, verfolgt
die Bahn dennoch weiterhin das Ziel, die Fahrgastzahl bis 2030 zu
verdoppeln. Kritiker halten diese Ziele aber für "illusorisch".
Winfried Wolf, Co-Autor eines "Alternativen Geschäftsberichts", wies
am Mittwoch in Berlin darauf hin, dass in den Corona-Jahren 2020 und
2021 aufgrund der Krise jeweils nur rund 81 Millionen Fahrgastfahrten
in ICE und Intercitys verzeichnet wurden. Dieses Jahr rechnet die
Bahn wieder mit deutlich mehr als 100 Millionen.

Die Initiative "Bürgerbahn statt Börsenbahn" kritisiert in dem Bericht auch, dass zu wenig Güter auf der Schiene transportiert werden. Es gebe heute deutlich weniger Gleise, Weichen, Kreuzungen und Infrastrukturanschlüsse als noch vor Jahrzehnten. Gleichzeitig habe die Bahn 2021 erstmals mehr Umsatz im Ausland erwirtschaftet als in Deutschland.

Der "Alternative Geschäftsbericht" fordert eine stärkere Konzentration auf die Eisenbahn in Deutschland, weniger Großprojekte und Tunnelbauten, dafür mehr kleine und preiswerte Vorhaben. Notwendig seien umfangreiche Investitionen, vor allem in den Bau von Überholgleisen und in die Elektrifizierung, besonders der grenzüberschreitenden Bahnlinien. Wolf kritisierte eine "klimafeindliche Betonpolitik" für den angestrebten Deutschlandtakt. Mit örtlichen Bürgerinitiativen lehnen die Autoren Bahnhofsprojekte wie Stuttgart 21 und den neuen Fernbahnhof Altona in Hamburg ab.

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