Airline-Roundtable

Flugstreichungen sorgen für großen Gesprächsbedarf

Allein in Deutschland mussten Tausende von Flügen gestrichen werden. Das sorgte für erhebliche Mehrarbeit in Reisebüros. Was Airlines tun können, um das Verhältnis zum Vertrieb wieder zu verbessern, darüber gab es eine rege Diskussion auf dem fvw|TravelTalk Roundtable.
Imago/Westlight
Allein in Deutschland mussten Tausende von Flügen gestrichen werden. Das sorgte für erhebliche Mehrarbeit in Reisebüros. Was Airlines tun können, um das Verhältnis zum Vertrieb wieder zu verbessern, darüber gab es eine rege Diskussion auf dem fvw|TravelTalk Roundtable.

Es gibt einiges zu tun – so könnte das Fazit eines virtuellen fvw|TravelTalk-Roundtables zwischen Airline- und Vertriebsvertretern über das sommerliche Flugchaos und die Folgen für Fluggesellschaften und den stationären Vertrieb lauten. Auch über die Einführung einer Grundprovision wurde dabei diskutiert.

Das Flugchaos im zu Ende gehenden Sommer mit annähernd 10.000 Flugstreichungen allein bei der Lufthansa hat für Ärger bei Fluggästen sowie Unmut und jede Menge Mehrarbeit im Reisevertrieb gesorgt. Aktuell hat sich die Situation mit der auslaufenden Ferienzeit zumindest etwas beruhigt. Der Vertrieb ist gleichwohl aufgebracht.

Um die Wogen bei den Reisebüros zumindest etwas zu glätten, setzt die Lufthansa zum Beispiel auf ein Marketing-Incentive, Tochter-Airline Eurowings will Agenten mit Freiflügen von Oktober an entschädigen. Doch reicht das?

Geht es nach Christian Weimann, reichen solche Maßnahmen nicht. Zumal bei Freiflügen auch das Finanzamt mit der Frage nach dem geldwerten Vorteil schnell auf der Matte stehe. "Freitickets seien den Mitarbeitern gegönnt, den entstandenen Schaden ersetzen sie aber nicht", betonte der Geschäftsführer des Derpart-Reisebüros Nett Reisen aus München beim fvw|TravelTalk Roundtable über die Mehrarbeit im Vertrieb in Folge des Flugchaos. Die eigenen Kosten seien weder mit Freiflügen noch mit dem Lufthansa-Incentive von wohl zehn Euro pro Buchung abgedeckt.

Zumal, darauf wies Aerticket-Chef Rainer Klee hin, es ja nicht nur um die Kosten für den Vertrieb in Folge der Mehrarbeit geht. Es geht auch um entgangenes Geschäft. Das Flugchaos habe dafür gesorgt, dass Kunden gar nicht erst einen Flug gebucht hätten. So habe der Consolidator im laufenden Sommer aufgrund der gestiegenen Flugpreise zwar die Vorkrisenumsätze erreicht. Das Ticketvolumen liege allerdings nach wie vor um 30 Prozent unter den Zahlen von 2019, also vor dem Beginn der Corona-Pandemie.

Mit den zehn Euro, die die Lufthansa nun bis Ende September pro Buchung quasi als Entschädigung für das sommerliche Flugchaos ausgelobt habe, komme man daher nicht weit. Wobei Aerticket immer noch in Gesprächen mit der Airline sei und er nicht abschließend sagen könne, wie viel Geld die Vertriebspartner am Ende erhielten. Er hoffe, es werden zehn Euro, so Klee, genau wisse er es aber nicht.

Um Verständnis warb Heiko Brix. Der Verantwortliche für das touristische Geschäft bei LH-Tochter Eurowings wies darauf hin, dass die rasante Zunahme der Nachfrage in kürzester Zeit in dieser Form einfach nicht absehbar gewesen sei und alle Beteiligten überrascht habe – mit den bekannten Folgen. Hinzu komme, dass die Lufthansa-Gruppe mit ihren diversen Fluggesellschaften und dem breiten Angebot mit einer deutlich höheren Komplexität unterwegs sei als kleinere Fluggesellschaften.

Unterstützt wurde er in dieser Argumentation von Peter Glade, Verkaufschef von Sun Express. Er könne verstehen, dass andere Fluggesellschaften mit größeren Problemen zu kämpfen gehabt hätten, als die eigene Airline, so Glade. Man selbst wisse aus der Erfahrung der Vergangenheit, dass der türkische Markt nach jeder Krise schnell wieder zurückkomme. Darauf habe man sich vorbereitet. Und 60 Flugzeuge seien leichter zu managen als eine größere Flotte.

Um eine ähnliche Situation in der Zukunft zu vermeiden, müsse dringend an den Prozessen und an der Technik gearbeitet werden, forderten Rainer Klee und Christian Weimann unisono. Gerade der hiesige Marktführer Lufthansa habe hier noch erheblichen Nachholbedarf. Klee: "Es werden immer noch zu viele Situationen kreiert, in denen ich zum Telefon greifen muss." Abläufe könnten schlanker und automatisierter gestaltet werden. Andere Fluggesellschaften würden es vormachen. "Technisch gesehen, ist die Lufthansa für uns keine einheitliche Gruppe", ergänzte Reisebüro-Chef Weimann. Das führe im Vertrieb zu einem wahnsinnigen Aufwand und nicht selten zu fehlerhaften ADM-Forderungen durch die Lufthansa.

Um die Aufwände der Reisebüros zumindest etwas auszugleichen, brachte Aerticket-Chef Klee die (Wieder-)Einführung einer, wenn auch geringen Grundvergütung in die Diskussion ein. Das gebe es schließlich auch in anderen Ländern. Ein Ansatz, von dem Eurowings-Manager Brix – wenig überraschend – wenig hielt. Man sei schließlich eine Low Cost und High Value Airline. Eine "Gießkannen"-Provision sei aktuell für Eurowings kein Thema.

Anders im Übrigen, als bei Sun Epress. Das Joint Venture von Lufthansa und Turkish Airlines zahlt nach wie vor eine Provision in Höhe von fünf Prozent. Mindestens genauso wichtig, so der Appell von Sun-Expres-Verkaufschef Peter Glade, sei, dass man im Dialog bleibe. Ohne das Gespräch darüber, was funktioniert und was nicht funktioniert, werde es nicht gehen. Und Gesprächsbedarf wird es sicher auch noch in den kommenden Monaten reichlich geben.

1 Kommentar

Sie müssen sich einloggen oder registrieren, um kommentieren zu können.

1.
Erika Schmutz
Erstellt 14. September 2022 13:33 | Permanent-Link

Wie lange soll es denn noch so weiter gehen, dass Flüge gestrichen werden und die Mitarbeiter, trotz schwieriger Zeiten für die ganze Branche, immer mehr Geld wollen, bis die Kunden keine Lust mehr haben zu fliegen und schon gar nicht mit Lufthansa. Was sollen da die Reisebüro-Inhaber sagen, die zwei Jahre nur umsonst gearbeitet haben und 2022 auch weniger verdienen als vor der Pandemie. Der Zeitaufwand pro Vorgang ist jedoch viel größer geworden.
Erika Schmutz



stats