Umweltaspekt

So will Rewe ohne Werbeprospekte auskommen

Nach Obi stellt auch Rewe im kommenden Jahr seine gedruckten Prospekte ein – und setzt ganz auf die App.
Rewe
Nach Obi stellt auch Rewe im kommenden Jahr seine gedruckten Prospekte ein – und setzt ganz auf die App.

Auch der Lebensmittelhändler Rewe will von der Mitte des kommenden Jahres an auf millionenfach an die Haushalte verteilte Prospekte und Papier-Handzettel für seine Supermärkte verzichten.

Die Umstellung spare mehr als 73.000 Tonnen Papier, 7000 Tonnen CO2, 1,1 Mio. Tonnen Wasser und 380 Mio. Kilowattstunden Elektrizität pro Jahr. Was Rewe hingegen nicht mitteilt: Neben dem Umweltaspekt dürften freilich auch die seit Jahren steigenden Papierpreise eine Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. Bereits im Juni hatte Deutschlands größte Baumarktkette Obi angekündigt, per sofort auf Prospekte zu verzichten.

Prospekte und Handzettel gehören zu den verbreitetsten Werbemitteln in Deutschland. Nach Branchenschätzungen landen über 28 Mrd. davon Jahr für Jahr ungefragt in den Briefkästen. Umweltschützer kritisieren, das führe zu Unmengen unnötigen Abfalls, vergeude Ressourcen und heize den Klimawandel an.

Rewe lässt nach eigenen Angaben bislang wöchentlich etwa 25 Mio. Handzettel verteilen. In einem ersten Schritt will das Unternehmen von Anfang August an die Auflage der Prospekte um vier Millionen Stück reduzieren. Rewe-Chef Lionel Souque betonte, mit dem Verzicht auf Prospekte reduziere die Handelskette ihren CO2-Fußabdruck massiv. Gleichzeitig sei der Schritt "in Krisenzeiten ein solidarischer Beitrag, die herausfordernde Versorgungssicherheit bei Energieträgern in unserem Land für die Zukunft zu unterstützen".

Statt auf Prospekte will der Konzern stärker auf digitale Kanäle und Anzeigen in klassischen Medien setzen. Der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Leif Miller, würdigte den Schritt von Rewe als "wichtige Entscheidung zum Wohle der Natur, der hoffentlich viele Wettbewerber im Lebensmitteleinzelhandel folgen werden".

Dass Rewe auf gedruckte Handzettel verzichtet, kann man als Zeitenwende für die Prospektwerbung bezeichnen. Denn bisher galt gerade der Lebensmitteleinzelhandel als geradezu prädestiniert für diese Form der Angebotswerbung. Denn anders als in Handelskategorien wie Mode oder Heimwerkerbedarf ist hier der Anteil an Impulskäufen besonders hoch und dementsprechend das Locken mit Sonderangeboten besonders effektiv.

Andererseits ist der Verzicht auf Prospektwerbung und der Switch zu digitalen Formen von Angebotswerbung für Rewe nur konsequent. Das Kölner Unternehmen setzt unter den deutschen Lebensmittelhändlern besonders stark auf die Digitalisierung und hat als einzige Supermarktkette nachhaltig in den Aufbau einer eigenen Logistik investiert.

Eine Digitalisierung der Handelswerbung bringt Rewe also nicht nur Kosteneinsparungen und höhere Planungssicherheit durch den Verzicht auf Papier sondern auch eine größere Transparenz der Customer Journey, da sich die Wirkung digitaler Werbung deutlich einfacher mit digitalen Bestell- und Kundenbindungssystemen verknüpfen lässt.

Andere Handelsunternehmen versuchen solche Effekte dagegen über eine hybride Strategie zu lösen. So kooperiert Aldi Süd mit dem AR-Dienstleister Snoopstar, der die klassischen Aldi-Prospekte über AR-Tags um interaktive Features erweitert. cam/dpa

Dieser Text erschien zuerst auf horizont.net.


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