Flughäfen

Einsatz ausländischer Fachkräfte nicht praktikabel

Keine Entlastung in Sicht: Die Idee, Fachkräfte aus der Türkei an den Flughäfen einzusetzen, droht zu scheitern.
Imago / Eibner
Keine Entlastung in Sicht: Die Idee, Fachkräfte aus der Türkei an den Flughäfen einzusetzen, droht zu scheitern.

Praktiker hatte es vorausgesehen, jetzt zeigen Recherchen des WDR: Die Idee, Fachkräfte aus der Türkei an den Flughäfen einzusetzen, kommt zu spät und ist nicht praktikabel.

Bisher konnte der Plan der Bundesregierung wegen großer Hürden im Rekrutierungsprozess noch nicht umgesetzt werden. Vermutlich wird es dazu überhaupt nicht kommen.


Der WDR zitiert einen Dienstleister, der Check-in- und Boarding-Personal stellt und die Flugzeugbe- und -entladung durchführt und nicht mehr mit Fachkräften aus der Türkei für den Flughafen Düsseldorf rechnet. "Die Sommerferien sind fast vorbei, das ist einfach viel zu spät."

Die Bemühungen, an türkisches Personal zu kommen, habe der Dienstleister jetzt auf Eis gelegt. Die formellen und auch finanziellen Hürden seien zu hoch und in der Realität nicht umsetzbar.

Allein die Zuverlässigkeitsüberprüfung bei den Luftsicherheitsbehörden der Länder nehme sechs bis acht Wochen in Anspruch. Anschließend gehen Vorverträge zusammen mit Vollmachten zur Einleitung des Visumverfahrens an die Kandidaten. Trotz der von der Bundesregierung veranlassten administrativen Erleichterungen sei dies "ein aufwendiges und zeitkritisches Verfahren", zitiert der WDR die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV).



Zusätzlich erfolge dann noch eine fachliche Eignungsprüfung, darunter auch, ob die Bewerberinnen und Bewerber über die nötigen Deutschkenntnisse verfügen. Erst dann können sie als Saisonarbeiter eingesetzt werden.

Eine türkische Firma hatte zunächst die Vermittlung von 2000 Bewerberinnen und Bewerbern angeboten. Die Flughäfen Düsseldorf, Frankfurt, Köln, München, Münster/Osnabrück und Nürnberg hätten daraufhin Interesse an Personal aus der Türkei bekundet. Nach WDR-Informationen sind derzeit nur noch zwei dieser Flughäfen in Verhandlungen mit dem Vermittler.

Vierstellige Provision

Für die Vermittlung verlangt die türkische Firma pro Kopf eine vierstellige Provision. Laut des Dienstleisters in Düsseldorf müssten darüber hinaus zusätzlich mehrere Tausend Euro für Schulungen aufgewendet werden.

Auch die dreimonatige Unterkunft der Arbeiterinnen und Arbeiter müssten vom Dienstleister übernommen werden. Für das Vierteljahr, das die türkischen Fachkräfte maximal an den deutschen Flughäfen tätig werden dürfen, sei der finanzielle Aufwand unangemessen, so der Dienstleister.

20 Saisonkräfte am Köln Bonn Airport

Der Flughafen Köln/Bonn hat nach eigenen Angaben 20 Saisonkräfte für den Einsatz in der Gepäckabfertigung beantragt. Ob und wann diese Kräfte eingesetzt werden können, sei aber unklar.

Nach Angaben des Flughafens komme der Einsatz von türkischen Saisonkräften nur für Arbeiten auf dem Vorfeld infrage. Denn für die Passagierkontrolle müssten die Saisonkräfte erst eine langwierige Ausbildung absolvieren. Die dauert nach Angaben der Bundespolizei etwa ein halbes Jahr.

1 Kommentar

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1.
Sebastian von Stein
Erstellt 1. August 2022 13:03 | Permanent-Link

Natürlich wäre es praktikabel, wenn wir nicht unzählige teils unsinnig bürokratische Bestimmungen im Weg dazwischen hätten. Selbstredend ist eine Zuverlässigkeitsüberprüfung /Sicherheitsüberprüfung zwingend richtig und unverzichtbar, doch warum bitte muss das sechs bis acht Wochen lang dauern?? Warum kann das nicht erheblich beschleunigt werden und zeitgleiche Verfahren betrieben werden mit Visum etc. Und warum müssen sich wieder raffgierige und zwielichtige Agenturen mit überhöhten Provisionsvorstellungen dazwischen schalten?



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