Vereinigung Cockpit läuft sich warm

Der Lufthansa droht neues Ungemach

Werden als nächstes die Pilotinnen und Piloten der Lufthansa streiken? Einiges spricht dafür.
Imago / Sven Simon
Werden als nächstes die Pilotinnen und Piloten der Lufthansa streiken? Einiges spricht dafür.

Nach dem Streik ist vor der nächsten Verhandlung. Die Lufthansa kehrt nach einem Horrortag für Flugreisende in den Normalbetrieb zurück. Doch die Konflikte mit den Beschäftigten sind nicht ausgeräumt.

In der kommenden Woche wollen vom Mittwoch (3. August) an Verdi und das LH-Management nun erneut miteinander verhandeln. Ob es allerdings schnell zu einer Einigung kommt, ist völlig offen und nicht absehbar. Womöglich kommt es auch schon im August zu weiteren Ausständen des Bodenpersonals. Und schon frodert die nächste mächtige LH-Berufsgruppe die Führung der Airline heraus. Die streikerprobten Pilotinnen und Piloten wollen mehr als vor der Corona-Pandemie verdienen.



Bereits vor den Verdi-Verhandlungen will die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Sonntag ihre Urabstimmung unter den Lufthansa-Piloten beenden. Bei einer Zustimmung von mindestens 70 Prozent der Stimmberechtigten wäre die VC streikbereit. Das bedeutet aber noch nicht automatisch einen weiteren Streik, machte VC-Tarifvorstand Marcel Gröls noch einmal klar. Dem "Spiegel" sagte er: "Wenn sich die Mehrheit der Piloten dafür ausspricht, bedeutet das nicht, dass gleich gestreikt wird. Aber es ist ein Warnsignal. Und: Wir bluffen nicht."

An den Flughäfen sind verkehrsreiche Tage zu erwarten, da Baden-Württemberg in die Sommerferien gestartet ist und Bayern am Wochenende folgt. Weitere Arbeitskampfmaßnahmen vor der nächsten Verhandlungsrunde in der kommenden Woche hat Verdi allerdings ausgeschlossen.

Laut einer Umfrage sind 14 Prozent der Bundesbürger schon einmal von Flugausfällen in der Folge von Streiks oder Personalmangel betroffen gewesen. 80 Prozent waren dagegen noch nicht betroffen, wie eine gerade veröffentlichte Erhebung des Instituts Yougov ergab.
10 Kommentare Kommentieren

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4.
Thomas Langnickel
Erstellt 29. Juli 2022 09:15 | Permanent-Link

Solange diese unverhältnismässigen Streikfolgen nicht sanktioniert werden können, wird sich nichts ändern. Für hochbezahlte (überbezahlte) LH-Piloten machen Reisebüro-Mitarbeiter doch gerne kostenlose Mehrarbeit. Von den gebeutelten Flug"gästen" mal ganz abgesehen. Die fahren vielleicht nächstes Jahr mit dem Auto. Die Branche sägt zunehmend an dem Ast auf dem sie sitzt.

3.
Hajo Siewer
Erstellt 28. Juli 2022 21:54 | Permanent-Link

Mit fast keiner anderen Fluggesellschaft hat man solch große Probleme wie mit LUFTHANSA. Ich erinnere auch an die Nicht-Erstattungen während der Coronazeit. Warum lernt der Kunde nicht aus den ganzen Problemen?

Ingo Simandi
Erstellt 29. Juli 2022 06:43 | Permanent-Link

@Hajo Siewer: Er würde gerne lernen, nur er hat keine Alternativen.

2.
Nicole Kleber
Erstellt 28. Juli 2022 16:17 | Permanent-Link

Es gibt Situationen, da sollte das Streikrecht begrenzt werden können. Es steht doch jedem frei, sich einen anderen Job zu suchen ... auch den einzelnen Piloten ... Es ist eine Unverhältnismäßigkeit, den Kunden die ihre Jobs sichern zu den einzigen Zeiten, in denen diese reisen können, dies aus purem Egoismus zu verwehren. Das ist kein Streik mehr sondern artet in Erpressung aus! Wo wären wir denn gelandet, wenn die Verkäufer im Einzelhandel und die Ärzte und Schwester es zu Coronazeiten gleich getan hätten ... ? Irgendwann ist es mit dem Verständnis für immer die gleichen Berufsgruppen einfach genug.

Stefan Horner
Erstellt 29. Juli 2022 08:19 | Permanent-Link
bearbeitet

@Nicole Kleber: Piloten, die eine mehrjährige teure Ausbildung genossen haben, zu sagen, sie können ja auch woanders arbeiten, ist vollkommen realitätsfern. Sie haben halt einen Vorteil gegenüber den meisten anderen Berufsgruppen: Bei ihnen fällt es halt auf, wenn sie streiken. Und zu Ärzten, Schwestern und Pflegepersonal: Hier geht es um ein anderes Kaliber – wenn diese streiken, geht es wirklich an die Substanz, wird lebensbedrohend. Übrigens gab es auch von deren Seiten Forderungen und Demos – hier war aber die Aufmerksamkeit und die Empörung in der Öffentlichkeit sowie der Medien weitaus geringer. Da müsste uns zum Nachdenken bringen, wo wir als Öffentlichkeit die Prioritäten setzen.

Jan Lehmann
Erstellt 29. Juli 2022 10:24 | Permanent-Link

@Nicole Kleber: Soviel Alternativen gibts da nicht, denn die LH-Piloten zählen wohl schon zu den Spitzenverdienern ihrer Zunft. Umso ärgerlicher, dass sie regelmäßig den Hals nicht voll kriegen und den Begriff "Verhandlungen" schon gar nicht mehr ernst nehmen, weil Sie ja ihren Arbeitgeber mit Streiks erpressen können.
Ja, das Streikrecht sollte in deutlich engere Formen gegossen werden, aber dafür wird sich hierzulande niemals eine Mehrheit finden, die das auf Gesetzesebene beschließt.
Die Folge wird nur noch mehr Service-Abbau sein und mehr oder weniger kreative Maßnahmen der Arbeitgeber, um die Arbeitsplätze auszulagern.
Die Streikenden sägen an ihrem eigenen Ast – von raffgierigen Gewerkschaften dazu angestachelt ... es wird nicht besser, denn auch die Schwarmintelligenz der Arbeitnehmer denkt nicht so weit.

Stefan Narr
Erstellt 29. Juli 2022 11:39 | Permanent-Link

@Nicole Kleber: Man kann ja gerne rauf und runter diskutieren, wer den Hals nicht voll genug kriegt (Manager oder Personal/Gewerkschaften). Oder ob es Erpressung ist oder nicht (wenn man Gewerkschaften/Streikrecht einschränkt, warum dann nicht auch Interessenverbände der Industrie?) Oder ob es am Ende nicht sinnvoller wäre, komplett unsoziale Wettbewerber wie Ryanair zu bekämpfen, durch deren Druck ja auch (zumindest anteilig) bei Lufthansa und anderen Wettbewerbern, welche noch (halbwegs) intakte, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze anbieten, die Notwendigkeit entsteht, das Lohnniveau auf Teufel komm raus zu drücken. Oder, oder, oder ...
Aber anderen Leuten das Streikrecht einschränken zu wollen ist ein absolutes No-go!

Jan Lehmann
Erstellt 29. Juli 2022 12:04 | Permanent-Link

@Stefan Narr: Sie haben absolut Recht: Auch das Management hat sich bislang nicht mit Ruhm bekleckert und die immer wiederkehrende Kapitalismuskritik am raffgierigen Manager hat sicher seine Ursachen.
Nur führt ein deutlich überbezahlter Manager nun mal eher nicht dazu, dass der Kunde oder die Reiseveranstalter und Reiseagenturen davon direkt unschuldig und negativ betroffen sind. Der Streik schon – und ist daher auch unsozial und verachtenswert.
Apropos unsozial: Ryanair gehört geächtet – auch da haben Sie Recht. Aber das können nur wieder die Kunden tun, in dem sie nicht in solche Flieger steigen. Aber Geiz ist nunmal geil und der Schwarm liebt billigste Preise. Das wird man genauso wenig ändern, wie über Nacht das Streikrecht einschränken zu können ... obwohl man sich beides gern wünschen würde.

Stefan Narr
Erstellt 29. Juli 2022 15:40 | Permanent-Link

@Jan Lehmann: Und hier kann man auch gegenteilig argumentieren: Das Management verursacht die Streiks, weil das Personal sich nicht alles gefallen lassen will. Man kann sich da in den Diskussionen im Kreis drehen, jeder hat seine Sicht auf die Dinge von Ursache und Wirkung und in Hinsicht auf ökonomische Konzepte. Anderen Leuten das Streikrecht absprechen zu wollen, ist für mich immernoch ein No-go.

Ich bin ja in der selben Branche und habe bestimmt keine Freude an den Streiks. Aber das ständige "Haudrauf" auf den kleinen Man (er soll mal bitte nicht streiken, damit alle anderen zufrieden sind), geht mir echt auf den Keks. Übrigens wie oben schon von jemandem erwähnt zum Beispiel auch in der Pflege- und Gesundheitsbranche. Was haben wir da von den Politikern in den letzten 2 Jahren gehört, wie wichtig die sind. Und wie man sie wertschätzen soll. Und wie dringend man neues Personal braucht. Aber nö, gerechte Entlohnung bitte keine.
Und man kann da noch einige andere Branchen anführen. Ach ja, die Mitarbeiter in Reisebüros sind auch unterbezahlt (warum streikt da eigentlich keiner? Ach ja, keine Gewerkschaft ...).

Es geht da immer gegen die Kleinen, die bitte zurückstecken sollen. Das ist im Grunde genommen eine Diskussion um die Symptome. Ich vermisse die Diskussion um die eigentlichen Ursachen, komplett. Wer profitiert denn am meisten von den Zuständen? Warum ist es möglich, dass die O'Learys dieser Welt ihre Arbeitskräfte so auspressen? Warum sind Pharmafirmen gestopft bis oben hin? Etc., pp., usw., usf.
Früher sagte man mal "Arbeitskraft", heute ist es die "human resource" ...

1.
Ingo Simandi
Erstellt 28. Juli 2022 14:59 | Permanent-Link

Was haben wir für ein Glück, 86 Prozent der Bundesbürger sind noch nicht von einem Streik betroffen gewesen.
Leben wir eigentlich in einem Vierte-Welt-Land, in dem der Blick für das Wesentliche verloren gegangen ist. Vieles liegt im Argen und es wird nur auf sich selber geschaut.
Man überlege sich, da stehen Kunden unverschuldet, stundenlang am Flughafen und es wird keine Wasser, kein Sandwich angeboten, ja man kann die Schlange verlassen und es teuer erstehen. Was für ein Service, seitens einer großen Fluggesellschaft und seitens der Flughäfen. Kundennähe sieht wahrlich anders aus.



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