Verbraucherzentrale warnt

EU-Fluggastrechte nicht verwässern

Flugausfälle und -verspätungen: Unter dem tschechischen EU-Ratsvorsitz könnten das Thema Passagierrechte bei Flügen wieder auf den Tisch kommen.
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Flugausfälle und -verspätungen: Unter dem tschechischen EU-Ratsvorsitz könnten das Thema Passagierrechte bei Flügen wieder auf den Tisch kommen.

Bei Flugausfällen und Verspätungen von mehr als drei Stunden haben Passagiere nach EU-Recht Anspruch auf Entschädigungen bis zu 600 Euro. Das ist den Airlines schon lange ein Dorn im Auge. Verbraucherschützer warnen davor, das Thema erneut aufzumachen.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband hat davor gewarnt, die Fluggastrechte in der Europäischen Union zu verwässern. Hintergrund ist die Ankündigung Tschechiens, das Thema möglicherweise noch in diesem Jahr im Rat der Europäischen Union neu zu behandeln. Die gegenwärtige Patt-Situation sei für die Verbraucher vorteilhaft, sagte VZBV-Referent Gregor Kolbe der dpa.


Die EU-Kommission hatte bereits 2013 unter anderem vorgeschlagen, den seit 2004 bestehenden Anspruch auf Entschädigung bei Flügen innerhalb der EU sowie bei kurzen internationalen Flügen unter 3500 Kilometern einzuschränken. Statt wie bislang nach drei Stunden sollen danach die Ansprüche der Passagiere erst nach fünf Stunden ausgelöst werden. Nach einem Votum des EU-Parlaments war der Vorstoß aber im Sande verlaufen, weil sich die Einzelstaaten nicht einigen konnten. Die Novelle der entsprechenden Fluggast-Verordnung ist aber Ziel der Airline-Verbände geblieben.

"Es würden bei einer Umsetzung viel seltener Entschädigungen gezahlt", sagte Kolbe. "Und es gäbe auch keinen Anreiz für die Airlines, einen besseren Service anzubieten." Die EU-Kommission hatte hingegen argumentiert, dass sich Airlines ermuntert fühlen könnten, bereits im Vorfeld zahlreiche Flüge zu streichen, was nicht im Sinne der Passagiere wäre.

Die Verbraucherschützer wandten sich auch gegen die Einführung eines neuen Tatbestands, der die Gesellschaften von einer Haftung befreien würde. Der in der Novelle enthaltene Begriff "unerwarteter Flugsicherungsmängel" sei extrem unscharf und für die Passagiere nicht überprüfbar, meinte Kolbe. Es sei daher sicher davon auszugehen, dass ein derartiger "Enthaftungsgrund" von den Fluggesellschaften "gezogen" und zu neuen Prozessen führen würde.

Grundsätzlich sei es natürlich auch denkbar, mit einer Novelle die Fluggastrechte besser zu schützen, etwa mit höheren Entschädigungen, weitergehenden Informationspflichten oder kürzeren Auslösefristen, sagte Kolbe. So habe sich die Bundesregierung vorgenommen, den Schutz zu verbessern. Daran werde man die Ampelkoalition messen.


2 Kommentare Kommentieren

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2.
Monika Gebhardt
Erstellt 10. August 2022 23:37 | Permanent-Link
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Verwässern sollte man sie nicht, aber gerechter gestalten wäre notwendig.

Beispiele:

1. Warum erhält jemand, der für eine Kurzstrecke ein günstiges Ticket für EUR 30,- gekauft hatte und dessen Flug nur ein paar Stunden verspätet war (gerade so viel, dass es für die Kompensationszahlung reicht), das mehr als 8fache des Kaufpreises als Kompensationszahlung? Und den gleichen Betrag wie ein Geschäftsmann, der ein teures Business-Ticket bezahlt hatte, erst einen Tag später fliegen kann und einen Termin verpasst.

2. Warum erhält ein Paar, dessen Flug in die USA nur ein paar Stunden verspätet war (gerade so viel, dass es für die Kompensationszahlung reichte), mit 2 x EUR 600,- genausoviel wie ein Paar, das mit 56 Stunden Verspätung in die USA fliegen musste und zwei volle Besichtigungstage seiner Rundreise verpasste?

1.
Andre Rewoldt
Erstellt 10. August 2022 11:53 | Permanent-Link

Mal etwas zu diesem ewigen Gestreike an den Flughäfen: Bin selbst Mitglied bei Verdi, aber mittlerweile fast davor meine Mitgliedschaft zu kündigen. Ich habe für diese sogenannten Arbeitskampfmaßnahmen absolut kein Verständnis mehr. Nun hat sich es mit Corona langsam beruhigt, wir in den Reisebueros haben über die letzten zweieinhalb Jahre nicht gestreikt sondern haben um jeden Kunden gekämpft und ihn bei "Reiselaune " gehalten, damit auch Flugbegleiter, Piloten und so weiter ihre Jobs behalten können. Wir wurden und werden von Kunden genervt, beschimpft ... weil wir hier vor Ort ja immer erreichbar und im Auge der Kunden ja sowieso für alles verantwortlich sind. Und nun: Jetzt wollen die Leute wieder reisen und man hat an den Airports und bei den Airlines nicht damit gerechnet , dass die Nachfrage wieder so ansteigt. Und das Bodenpersonal, Flugbegleiter und Piloten finden auf einmal, dass sie immer noch zu wenig verdienen. Das mag ja durchaus so sein, aber diese Kollegen streiken jedes Jahr und bekommen danach mehr Geld. Wer von den Mitarbeitern in den tausenden Reisebüros hat denn in den letzten zweieinhalb Jahren gestreikt und trotzdem mehr Gehalt bekommen? Ich glaube: NIEMAND! Ich finde es einfach eine Unverschämtheit, jetzt mit Streiks erneut den Kunden und uns das Leben schwer zu machen. A.Rewoldt



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