Radikale Umweltschützer

Prozess um ICE-Blockade beginnt

Im Frankfurter Hauptbahnhof fand vor knapp zwei Jahren die lebensgefährliche Aktion der Umweltschützer statt.
Deutsche Bahn AG
Im Frankfurter Hauptbahnhof fand vor knapp zwei Jahren die lebensgefährliche Aktion der Umweltschützer statt.

Beim Zwischenstopp eines ICE in Frankfurt lassen sich plötzlich drei junge Menschen auf das Dach des Zuges herab. Der Sonderzug soll die deutsche Delegation zur UN-Klimakonferenz bringen, kann zunächst aber nicht weiterfahren. Nun arbeitet ein Gericht die Aktion von 2015 auf.

Die spektakuläre Blockade eines Fernzugs im Frankfurter Hauptbahnhof durch radikale Umweltschützer vor knapp zwei Jahren kommt vor Gericht. An Bord des ICE waren damals unter anderem Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die mit einer Delegation und mit Journalisten auf dem Weg von Berlin zur UN-Klimakonferenz in Paris war.

Die drei mutmaßlichen Täter – zwei Frauen und ein Mann – stehen nun vor dem Amtsgericht in Frankfurt. Verhandelt wird der Fall am Mittwoch. Die Aktivisten ließen sich während des Halts am 28. November 2015 mit Seilen von einer Wartungsbrücke unter dem Bahnhofsdach auf das ICE-Dach herab. Die Weiterfahrt des Sonderzugs verzögerte sich um mehr als zweieinhalb Stunden.

Die Staatsanwaltschaft hat zwei heute 21 und 23 Jahre alte Frauen sowie einen 27 Jahre alten Mann wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr angeklagt. Die Aktivisten hatten sich mit der Aktion selbst in Lebensgefahr gebracht. Sie waren nur knapp an den Oberleitungen mit Starkstrom vorbeigeschwebt. Anschließend verlas einer von ihnen per Megafon eine Erklärung und warf den Teilnehmern des Klimagipfels vor, sie seien „nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems“.

Auch Hendricks hatte damals vergeblich versucht, die Aktivisten zum Herabsteigen zu bewegen. „Das waren selbstgemachte Anarchisten“, sagte die Politikerin anschließend. Rund eine Stunde später holte die Polizei die Aktivisten vom Zugdach.

Der Anklage zufolge verspäteten sich 15 weitere Züge wegen der Aktion teils deutlich. Den finanziellen Schaden bezifferte die Bahn auf rund 14.000 Euro. Weil zumindest eine der Angeklagten zum Tatzeitpunkt noch im Heranwachsendenalter war, muss sich eine Jugendgerichtsabteilung mit dem ungewöhnlichen Fall befassen. Zunächst ist nur ein Verhandlungstag vorgesehen. (dpa)

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