Parabelflug-Tortur

Partygäste feiern schwerelos im Flug

Tanzen in Schwerelosigkeit? Nahezu unmöglich! Aber trotzdem eine coole Angelegenheit.
ESA/Youtube
Tanzen in Schwerelosigkeit? Nahezu unmöglich! Aber trotzdem eine coole Angelegenheit.

Steilflug, Schwerelosigkeit, Sinkflug – und das insgesamt 16 Mal. Was sich nach einer Tortur anhört, ist tatsächlich eine Party: die wohl weltweit erste in einem Flugzeug, das normalerweise zum Training von Astronauten eingesetzt wird. Die Teilnehmer sind begeistert.

Etwas blass um die Nase, aber mit einem Lächeln im Gesicht steigen die Partygäste aus dem Flugzeug. Schuld ist aber nicht nächtelanges Feiern mit reichlich Alkohol – auf dieser Fete gab es nicht einen Tropfen. Denn sie fand zum Teil in Schwerelosigkeit statt, erzeugt von rasanten Flugmanövern einer speziell zum Training von Astronauten umgebauten Airbus-Jets. Insgesamt 16 solcher Parabeln flog die Maschine am Mittwoch über dem Mittelmeer, bevor sie nach Frankfurt zurückkehrte.

„Es war eine der verrücktesten Erfahrungen, die ich jemals hatte, an der Decke zu sitzen, das war irre“, sagt DJ Steve Aoki nach dem Flug. Gemeinsam mit dem niederländischen Elektro-Duo W&W hat er für die Partymusik in der Luft gesorgt. „Man macht einen Schritt ins Unbekannte und da ist man auch ein bisschen ängstlich, aber nach der ersten Parabel dachte wohl jeder, das ist ganz schön cool“, sagt Wardt van der Harst von W&W. Problematisch sei nur gewesen, dass man ständig vom Mischpult weggetragen worden sei.

Insgesamt rund fünf Minuten Schwerelosigkeit waren auf dem vierstündigen Flug geplant, Videoaufnahmen aus dem Airbus zeigen ein wildes Durcheinander von Körpern in pink-lila Disco-Licht in einem mit weißen Matten ausgelegten Flugzeuginnenraum. Richtiges Tanzen ging in der Schwerelosigkeit nicht, berichtet einer der Partygäste, Pascal Hug. Doch das Gefühl sei atemberaubend und unbeschreiblich gewesen. „Das war die Gelegenheit, etwas zu machen, was nicht jeder tun kann.“

Parabelflüge mit ihrem schwindelerregenden Auf und Ab sind zwar auch für Privatleute buchbar, in dem Airbus A-310 der französischen Weltraumagentur kosten sie allerdings 6000 Euro pro Ticket. Mit an Bord waren auch zwei Astronauten, um für wissenschaftliche Experimente zu werben, für die solche Schwerelosflüge ursprünglich erfunden wurden. Die Hoffnung war, die eigene Arbeit einem jüngeren Publikum vorstellen zu können.

Der 26-jährige Pascal Hug aus Pfullendorf hatte ebenso wie knapp 30 andere junge Besucher sein Ticket gewonnen – mehr als 30.000 Bewerber hatte es gegeben. In kurzen Videos mussten die Teilnehmer erklären, warum gerade sie bei der Schwerelos-Party dabei sein sollten. Von allen Kontinenten stammten die Gäste, die 18- bis 33-Jährigen Gewinner kamen laut Veranstalter unter anderem aus den USA, Brasilien, Marokko, Spanien, Asien und Australien. Auch ein Gesundheitscheck war Voraussetzung – für Herzkranke, Schwangere und Menschen mit Asthma, Wirbelsäulenproblemen und Bluthochdruck können Parabelflüge gefährlich sein.

Hug kam gut zurecht, wie er berichtet, nur zum Ende hin sei ihm flau geworden. An Bord waren neben den zwei Astronauten der europäischen Weltraumagentur Esa auch Ärzte, um im Notfall einzugreifen. Zuvor gab es ein Medikament gegen Reiseübelkeit. „Es hat Spaß gemacht und nach vier bis fünf Parabeln konnte man es richtig genießen“, sagt Partygast Jan Skusa. „Unbeschreiblich“ und „super“ war auch von anderen Teilnehmern zu hören.

Der Frankfurter Veranstalter Big City Beats ist spezialisiert auf Superlativ-Partys mit Zehntausenden Teilnehmern. Auch auf Kreuzfahrtschiffen und in Flugzeugen wurde schon gefeiert – bisher allerdings ohne Schwerelosigkeit. Die „World Club Dome Zero Gravity“ sei die erste Clubparty mit Parabelflügen weltweit gewesen, erklärte Big City Beats. Eines der nächsten Projekte: Ein ICE soll noch dieses Jahr den „schnellsten Club der Welt“ beherbergen und mit bis zu 320 Stundenkilometern von Frankfurt nach Paris rasen. (dpa)

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