Oberleitungsinseln

Deutsche Bahn will Diesel-Flotte weiter verkleinern

Neuer Fahrdraht für die Stromaufnahme von Lokomotiven wird installiert. Die Deutsche Bahn setzt künftig insbesondere in Schleswig-Holstein auf sogenannte Oberleitungsinseln, die die Reichweite von Akku-Zügen vergrößern.
Imago/sepp spiegl
Neuer Fahrdraht für die Stromaufnahme von Lokomotiven wird installiert. Die Deutsche Bahn setzt künftig insbesondere in Schleswig-Holstein auf sogenannte Oberleitungsinseln, die die Reichweite von Akku-Zügen vergrößern.

Mehr Elektro, weniger Diesel: Die Deutsche Bahn will bis 2040 klimaneutral unterwegs sein. Doch die Elektrifizierung von Strecken ist aufwendig und teuer. Können Oberleitungsinseln helfen?

Mit sogenannten Oberleitungsinseln will die Deutsche Bahn die Elektrifizierung ihrer Infrastruktur vorantreiben. Der Bau der ersten Inseln hat nun in Schleswig-Holstein begonnen. Dabei werden Strecken nicht komplett mit Oberleitungen ausgerüstet, sondern nur kürzere Abschnitte. Auf den Strecken sollen dann Akku-Züge zum Einsatz kommen, die ihre Batterien auf den elektrifizierten Streckenteilen aufladen und mithilfe der gespeicherten Energie auf den übrigen Abschnitten unterwegs sein können. Planung und Kosten solcher Inseln gelten als deutlich geringer als die Elektrifizierung ganzer Strecken.

Die Akku-Züge kommen von Stadler. 55 davon hat das Land Schleswig-Holstein dort bestellt, die ersten werden für Mai des kommenden Jahres erwartet.

In einer ersten Phase ergänzt die Bahn die Bahnhöfe Kiel und Büchen in Schleswig-Holstein mit zusätzlichem Fahrdraht. 30 neue Oberleitungsmasten sind dort geplant. Bis Ende 2023 sollen entlang der Westküste des Bundeslandes auch Oberleitungsinseln abseits von Bahnhöfen entstehen, in Heide, Husum und Tönning. Auch außerhalb von Schleswig-Holstein plant die Bahn Oberleitungsinseln: im südlichen Rheinland-Pfalz sowie in der Region Rhein-Ruhr in Nordrhein-Westfalen.

Bis 2040 will die Deutsche Bahn ihren gesamten Verkehr klimaneutral abwickeln. Dabei "helfen uns auch so kreative Lösungen wie die Oberleitungsinseln für Akku-Züge", sagte DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber.

Doch bis dahin ist noch viel zu tun. Lediglich etwa 62 Prozent der Bahnschienen in Deutschland verfügen über eine Oberleitung. Schleswig-Holstein liegt mit knapp 30 Prozent sogar weit darunter. Mit den Oberleitungsinseln werde sich dort immerhin der Anteil der Strecken, auf denen Loks mit elektrischen Antrieben fahren können, laut Bahn auf fast 68 Prozent mehr als verdoppeln.

Damit könnte die Dieselflotte dort zumindest im Personenverkehr deutlich verkleinert werden. Doch ein Großteil der Dieselloks der Deutschen Bahn ist im Güterverkehr auf Rangierbahnhöfen im Einsatz. Der Konzern will ihre Zahl mittelfristig auf Null reduzieren. Doch Akku-Loks sind aufgrund mangelnder Kraft dort keine Alternative. Stattdessen setzt die Bahn im Güterverkehr auf Hybrid- sowie sogenannte Zweikraft-Loks, die zwar auch über einen Dieselmotor verfügen, bei verfügbaren Oberleitungen aber auch diese nutzen können.


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