Missglücktes Marketing

Fraport macht Propaganda für China

Hongkong gleicht sich immer mehr dem Mutterland an, seit es 1997 von Großbritannien an die Volksrepublik China übergeben wurde.
Imago / Zuma Wire
Hongkong gleicht sich immer mehr dem Mutterland an, seit es 1997 von Großbritannien an die Volksrepublik China übergeben wurde.

Für eine "neue Ära" in Hongkong, das 1997 von Großbritannien an China übergeben wurde, warben zwei Tafeln im Frankfurt Airport. Seit Anfang Mai wird die "Sonderverwaltungszone" vom Peking-treuen Regierungschef John Lee gesteuert.

Bei einer Werbekampagne für die politische Umstrukturierung Hongkongs hin zu einem chinesischen Vasallen hat der Frankfurter Flughafen offenbar nicht aufgepasst: Zwei Werbetafeln im Transitbereich lobten laut "Bild" die von Peking gesteuerte Umgestaltung Hongkongs in eine "neue Ära". Nach Protesten von Fluggästen und aus der Öffentlichkeit habe der Flughafen die Werbepartnerschaft nun aber vorzeitig beendet und die Werbung abgehängt, heißt es in einem Bericht der "Frankfurter Rundschau".

"Bild" zitierte den Flughafen-Betreiber Fraport mit den Worten, die politische Tragweite der Werbekampagne sei "nicht ausreichend geprüft" worden. Daraus wolle man lernen und künftig "sensibler" werden. Allerdings hätten die Werbetafeln finanzielle Einnahmen gebracht.

Hongkong wurde 1997 von Großbritannien an China übergeben. Allerdings sollte die  "Sonderverwaltungszone" mindestens 50 Jahre lang autonom unter dem Motto "Ein Land, zwei Systeme" geführt werden. Dies ist bereits nach 25 Jahren immer weniger der Fall. So regiert seit Anfang Mai der Peking-treue John Lee die Stadt, der die Selbstbestimmung immer weiter aushebelt. Bereits als Chef der Sicherheitsbehörden ließ er Proteste der demokratischen Opposition niederschlagen.

Auf der Website der auf den Werbetafeln angesprochenen Pro-China-Kampagne heißt es laut "Frankfurter Rundschau" unter anderem, das neue Sicherheitsgesetz würde Hongkongs "Stabilität" bewahren. Zudem führe das Prinzip "Patrioten verwalten Hongkong" zur Wiederherstellung der Ordnung.

Politiker aller Parteien lobten Fraport dafür, die Werbung entfernt zu haben. Allerdings müsse man in Zukunft schon vorher genauer hinschauen, damit nicht "seriöse deutsche Unternehmen aus Fahrlässigkeit oder in vorauseilendem Gehorsam zu Lakaien von brutalen Regimen werden", sagte der menschenrechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Brand. Firmen in einer freien Welt dürften keine Propaganda für Diktaturen betreiben.

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