Milliardenprojekt ungenau geprüft

EuGH bestätigt Urteil zur Fehmarnbelt-Querung

Die Bauarbeiten an der Fehmarnbelt-Querung kommen auf dänischer Seite gut voran.
Imago / Ritzau Scanpix
Die Bauarbeiten an der Fehmarnbelt-Querung kommen auf dänischer Seite gut voran.

Höchstrichterlicher Rüffel für die EU-Kommission beim Ostseetunnel. Der Europäische Gerichtshof bestätigt ein Urteil zu Staatshilfen für das Milliardenprojekt im Fehmarnbelt. Demnach hatte die Kommission nicht genau genug geprüft, ob die Hilfen rechtens sind.

Nächste Etappe im Rechtsstreit um den geplanten Ostseetunnel zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark: Am heutigen Mittwoch bestätigte der Europäische Gerichtshof (EuGH) höchstrichterlich ein Urteil des Gerichts der EU zu dänischen Staatshilfen für das Milliardenprojekt im Fehmarnbelt. Der Richterspruch von 2018 besagt, dass die EU-Kommission nicht genau genug geprüft habe, ob die Hilfen rechtens sind. Einsprüche gegen dieses Urteil wurden abgewiesen, wie der EuGH in Luxemburg mitteilt (Rechtssachen C-174/19 und C-175/19).

Konkret wies der EuGH sowohl die Rechtsmittel der Fährbetreiber gegen Teile des damaligen Urteils als auch die Einwände der Kommission ab. Die Reedereien Scandlines Dänemark und Scandlines Deutschland klagten unterstützt durch das Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbelt-Querung und weitere Reedereien gegen von Dänemark zugesagte staatliche Hilfen und kritisierten eine Wettbewerbsverzerrung. Ihre Klage richtete sich gegen die EU-Kommission, die 2015 nicht einschritt. Das EU-Gericht gab den Reedereien 2018 in wichtigen Punkten Recht.

Die Kommission hatte nach dem Urteil des EU-Gerichts bereits eine genauere Prüfung eingeleitet, auch gegen das Ergebnis dieser Prüfung ist wiederum geklagt worden. Eine Entscheidung in diesem Verfahren steht noch aus. Der Rechtsstreit könnte sich noch Jahre hinziehen.

Im Kern geht es um zwei Entscheidungen der EU-Kommission. Sie betrafen die Unterstützung für Straßen- und Eisenbahn-Anbindungen in Dänemark, die Hinterlandanbindung, und für die sogenannte Festverbindung, den Bahn- und Autotunnel zwischen dem deutschen Puttgarden und dem dänischen Rødby.

Eine Scandlines-Sprecherin sagte der dpa, die Entscheidung sei wie erwartet ausgefallen. Der Fokus von Scandlines liege nun auf der Genehmigung der EU-Kommission von 2020, die zunächst vom dänischen Staat und danach von Stena Line und Scandlines angefochten worden sei.

Das dänische Verkehrsministerium äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Urteil. Eine Sprecherin der dänischen Baugesellschaft Femern A/S sagte der dpa, "wir freuen uns, dass die Klage als unbegründet abgewiesen wurde".

Schleswig-Holsteins Verkehrsstaatssekretär Thilo Rohlfs sprach von einer guten Nachricht. "Damit wurde auf dänischer Seite eine weitere Hürde auf dem Weg zur festen Fehmarnbelt-Querung genommen." Für das Großprojekt sei dies ein wichtiges Zeichen. "So rücken wir dieser bedeutenden transeuropäischen Verbindung wieder ein Stück näher."

Der 18 Kilometer lange Straßen- und Eisenbahntunnel soll voraussichtlich von 2029 an als feste Fehmarnbelt-Querung die Ostseeinsel Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbinden. Für die Baukosten von geschätzt 7,1 Mrd. Euro muss Dänemark allein aufkommen. Deutschland trägt die Kosten für die Straßen- und Schienenanbindung auf deutscher Seite in Höhe von geschätzt 3,5 Mrd. Euro.

Laut Femern A/S laufen die Bauarbeiten für den Tunnel. Derzeit sind demnach etwa 60 Arbeitsschiffe im Fehmarnbelt im Einsatz. Auf dänischer Seite wurde Anfang Juli begonnen, den 18 Kilometer langen Tunnelgraben auszuheben. Mittlerweile laufen diese Arbeiten auch auf deutscher Seite. Bis Ende des Jahres soll der sogenannte Arbeitshafen bei Rødbyhavn auf Lolland fertig sein.

Nach Angaben des Bauträgers ist auf dänischer Seite bereits die künftige Einfahrt in den Tunnel erkennbar. Dort ist die Baugrube ausgehoben, der Rohbau wird für das Portalgebäude vorbereitet. Auch die Arbeiten an der Fabrik, in der die einzelnen Elemente des sogenannten Absenktunnels gefertigt werden sollen, sind demnach bereits im Gang. Das erste Segment soll 2024 verlegt werden.

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