Lokführer unerbittlich

Streik legt große Teile des Bahnverkehrs lahm

Die Lokführer haben in den vergangenen Jahren öfter gestreikt.
Deutsche Bahn
Die Lokführer haben in den vergangenen Jahren öfter gestreikt.

Monatelang drohte sie, nun macht die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer ernst: Der Streik läuft offenbar. Und er trifft viele Urlauber.

Für Bahnreisende und Pendler haben zwei harte Tage begonnen. Der Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL hat offenkundig begonnen und legt den Personenverkehr der Deutschen Bahn weitgehend lahm. Der Ersatzplan sei angelaufen, teilte ein Bahnsprecher am frühen Mittwochmorgen mit. "Erste Auswirkungen des Streiks sind spürbar", sagte er.

Obwohl die GDL in der Nacht für Auskünfte nicht erreichbar war, standen am Mittwochmorgen die Personenzüge in vielen Bahnhöfen still, Bahnsteige waren leer, wie Fotos zeigten. "Zug fällt aus", war vielfach an den Anzeigetafeln zu verschiedenen Reisezielen zu sehen. Der Ausstand soll bereits um 2.00 Uhr begonnen haben. Schon seit Dienstagabend bestreikt die Gewerkschaft den Güterverkehr.

Tausende Fahrgäste müssen improvisieren, es gelten Ersatzfahrpläne. Im Fernverkehr soll noch etwa jeder vierte Zug fahren. Auch im Regionalverkehr und bei den S-Bahnen dürfte es teils erhebliche Ausfälle geben. Der Streik soll in der Nacht zu Freitag enden.

Die Bahn bat Fahrgäste, nicht zwingend notwendige Reisen zu verschieben. Wegen des Coronavirus rief sie auch zu Rücksichtnahme in den Zügen auf. Der Ausstand trifft die Fahrgäste mitten in der reisestarken Urlaubszeit: In 11 der 16 Bundesländer sind Schulferien. Betroffen sind auch grenzüberschreitende Verbindungen und der Nachreiseverkehr.

Bahn-Personalvorstand Martin Seiler bezeichnete den Streik als "völlig unangemessen und überzogen". GDL-Chef Claus Weselsky verwies auf den ungelösten Tarifkonflikt. "Mit diesem ersten Signal muss dem Management klar werden, dass mit uns nicht gut Kirschen essen ist."

Der Fahrgastverband Pro Bahn mahnte eine verlässliche Information der Bahnkunden an. "Nichts ist ärgerlicher als bei einem Streik auf einen Zug zu warten, der dann nicht verkehrt." Der Verein rief die Bahn und die GDL dazu auf, in einer Schlichtung eine Lösung für ihren Konflikt zu finden.

Die Lokführer-Gewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder bei der Deutschen Bahn. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. So will die GDL auch bei den Mitarbeitern im Machtkampf mit der EVG punkten.

Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Sie haben im Regional- und Güterverkehr beträchtliche Marktanteile. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen möglich, wenn sich auch Fahrdienstleiter dem GDL-Streik anschließen. Es ist der erste Streik bei der Bahn seit Dezember 2018, als die EVG ihre Mitglieder zum Arbeitskampf aufrief. Die GDL legte zuletzt vor sechs Jahren die Arbeit nieder.

Sie fordert unter anderem Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine deutliche Corona-Prämie im laufenden Jahr. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen.

Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.
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2.
Elisabeth Agyeman
Erstellt 11. August 2021 15:00 | Permanent-Link
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Und man sollte auch nicht vergessen, dass die "DB-Bosse" ihre Gehälter Anfang des Jahres erhöht haben. Und das obwohl bereits Verluste aufgrund von Corona eingefahren waren. Man hätte hier eventuell die Weichen stellen können, indem die "DB-Führungsriege" auf diese Gehaltsanpassung zumindest teilweise verzichtet hätte.

1.
Dietmar Rauter
Erstellt 11. August 2021 09:47 | Permanent-Link
bearbeitet

Von und nach Kiel verkehren derzeit keine Züge und nur wenige Busse im Schienenersatzverkehr. Lokführer scheinen die Letzten zu sein, die diesen Druck ausüben können. Die DB hatte – bei einer Inflationsrate, die bei Lebensmitteln und Mieten deutlich höher ist – nur eine sehr langfristig wirkende Erhöhung von 3,5 Prozent der Gehälter angeboten, bei gleichzeitiger Reduzierung der Zusatzrenten um ein Drittel von 150 auf 100 Euro.

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