Mitarbeiterinnen geben auf

Autovermieter Sixt bleibt vorerst ohne Betriebsrat

Station von Autovermieter Sixt am Flughafen München: Mitbestimmung seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es in dem Konzern nicht.
FVW Medien/RIM
Station von Autovermieter Sixt am Flughafen München: Mitbestimmung seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es in dem Konzern nicht.

Diese Geschichte hat ein Geschmäckle: Vor Gericht haben drei Düsseldorfer Sixt-Mitarbeiterinnen das Recht auf Mitbestimmung durchgesetzt. Nun sind sie plötzlich nicht mehr erreichbar und offenbar aus dem Unternehmen ausgeschieden.

Bei Deutschlands größter Autovermietung Sixt wird es auch künftig bundesweit keinen Betriebsrat geben. Drei Mitarbeiterinnen, die am Standort Düsseldorf als erste Sixt-Beschäftigte ihr Recht auf Mitbestimmung erstritten hatten, sind für die Gewerkschaft Verdi plötzlich nicht mehr erreichbar. "Mir hat ein Anwalt geschrieben, dass ich von allen Versuchen der Kontaktaufnahme absehen soll", zitiert die "TAZ" den Gewerkschaftssekretär Özay Tarim, der den Kampf der drei Frauen monatelang unterstützt hatte.

Den Parteien wurde im Rahmen des Prozesses vom Gericht eine Auflösung der Arbeitsverträge gegen Abfindungen von jeweils 90.000 Euro brutto vorgeschlagen, die jedoch keine Partei akzeptiert hat. Stattdessen trieben die Mitarbeiterinnen ihr Vorhaben weiter voran. Nun ist das Thema aber offenbar durch. Laut Sixt haben die drei Mitarbeiterinnen das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen. Die "wirklichen Beweggründe für diesen Schritt" kenne die Firma nicht, so ein Unternehmenssprecher.

Dem Verdi-Mann bereitet das Bauchschmerzen. "Es glaubt doch niemand, dass sie die Firma freiwillig zum Nulltarif verlassen", sagte Tarim der "TAZ". Es sei erschreckend und abschreckend, dass Sixt Betriebsräte offenbar wirklich um jeden Preis verhindern wolle.

Sixt ist eigenen Aussagen zufolge der Auffassung, dass es den Frauen nicht um die Gründung eines Betriebsrats, sondern um hohe Abfindungen gegangen ist. Man sei den Forderungen nicht nachgekommen. Weitere Details will Sixt nicht kommentieren.

Laut Sixt ist es in der Filiale am Flughafen Düsseldorf zu mehreren Wahlen gekommen, die alle von Verdi durchgeführt und überwacht wurden. In jeder der geheimen Wahlen habe die gesamte übrige Belegschaft einstimmig gegen die Wahl eines Wahlvorstandes votiert. Und weiter teilte der Autovermieter mit, dass er jede Form des konstruktiven Dialogs mit der Belegschaft begrüße. "Es ist allein deren Entscheidung, ob sie einen Betriebsrat möchte", erklärte ein Sprecher.

In der Vergangenheit hat es bereits andere Töne gegeben. Der Aufsichtsratschef und langjährige CEO Erich Sixt, Vater der heutigen Co-CEOs Alexander und Konstantin Sixt, hatte einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge vor längerer Zeit verkündet, dass er "grundsätzlich nichts davon halte, wenn Arbeitnehmer-Vertreter im Kontrollgremium strategische Dinge mitentscheiden". Seine Haltung verdeutlichte er auch durch Sätze wie diesen: "Unsere Mitarbeiter werden überdurchschnittlich gut bezahlt, sie sind am Erfolg beteiligt. Und wir haben bei Sixt flache Hierarchien und das Prinzip der offenen Tür." Das mache einen Betriebsrat unnötig. Der Satz stammt allerdings bereits aus dem Jahr 2013.

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