Hauptstadt-Flughafen

Klimaaktivisten legen BER fast zwei Stunden lahm

Die Klimaaktivisten streamten ihre Aktion live bei Twitter. Der Screenshot zeigt, wie drei Aktivisten das Flughafengelände des BER durch einen durchgeknipsten Zaun betreten.
FVW Medien/Screenshot
Die Klimaaktivisten streamten ihre Aktion live bei Twitter. Der Screenshot zeigt, wie drei Aktivisten das Flughafengelände des BER durch einen durchgeknipsten Zaun betreten.

Die Aktivistengruppe "Letzte Generation" blockiert in Berlin regelmäßig Straßen – nun hat sie zeitweise den Betrieb am Hauptstadt-Flughafen BER gestoppt. Aus der Politik folgen Forderungen nach Konsequenzen.

Klimaaktivisten der Gruppe "Letzte Generation" haben den Flugbetrieb am Hauptstadt-Flughafen BER für fast zwei Stunden zum Erliegen gebracht. Nach Angaben der Bundespolizei verschafften sich zwei Gruppen bestehend aus jeweils mehreren Menschen am Donnerstagnachmittag Zugang zum Flughafengelände. Einige von ihnen hätten sich am Boden festgeklebt.

Die Gruppe selbst teilte mit, dass einige Aktivisten mit Fahrrädern über das Gelände gefahren seien. Der Berliner Flughafen stoppte den Betrieb auf beiden Start- und Landebahnen. Gegen 18.15 Uhr kam dann Entwarnung. Nach Angaben eines BER-Sprechers wurden beide Pisten wieder freigegeben. Fünf Starts mussten durch die Aktion gestrichen werden, davon waren dem Flughafen zufolge 750 Fluggäste betroffen.

Im Laufe des Abends teilte die Polizei mit, im Zusammenhang mit der Aktion am BER mehrere Menschen in Gewahrsam genommen zu haben. Gegen die Klimaaktivisten werde Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung erstattet, erklärte das Polizeipräsidium Brandenburg auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Nähere Details, etwa zur Zahl der beteiligten Personen, gab es zunächst nicht.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) kritisierte das Vorgehen der Aktivisten scharf. Das Demonstrationsrecht sei zwar ein Grundrecht, doch die Aktionen würden "immer skrupelloser", teilte der Politiker am Abend über eine Sprecherin mit. "Die Gesellschaft kann ein solches Verhalten nicht hinnehmen." Der Rechtsstaat müsse dagegen "entschieden vorgehen".

Die Aktivisten streamten die Aktion live bei Twitter. Dort war zu sehen, wie sie kurz nach 16.00 Uhr einen Zaun durchknipsten und auf das Flughafengelände gingen. Anschließend hielten sie Banner in die Kamera und erklärten ihre Motive. Es war auch zu sehen, wie sich Aktivisten am Boden festklebten und andere Fahrrad fuhren. Etwa zehn Minuten nach Beginn der Aktion war im Livestream Blaulicht zu erkennen, wenig später waren auch Polizisten zu hören.

Nach Angaben des Flughafensprechers drangen die Aktivisten sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite auf das BER-Gelände ein – entsprechend musste auf beiden Start- und Landebahnen der Betrieb gestoppt werden. Landungen wurden umgeleitet, zahlreiche Flieger konnten nicht pünktlich starten. Nach Angaben der Bundespolizei dürften mehrere Straftatbestände vorliegen.

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen sagte, dass die Aktion durch nichts zu rechtfertigen sei. "Ich bleibe dabei: Wer für seine Weltanschauung absichtlich andere in Gefahr bringt, ist kein Aktivist, sondern ein Krimineller", erklärte der CDU-Politiker.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sprach von einer "neuen Eskalation". "Mit dem Eindringen in den Sicherheitsbereich und der Besetzung des Rollfeldes bringen sie nicht nur sich, sondern auch Hunderte Passagiere in der Luft und am Boden massiv in Gefahr und verursachen nebenbei erhebliche wirtschaftliche Schäden. Das ist absolut inakzeptabel und bedarf einer harten Antwort des Rechtsstaates."

Katja Mast, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD im Bundestag, betonte: "Unsere Demokratie funktioniert nicht so, dass ich meine Ziele im Namen der guten Sache mit jedem Mittel durchsetzen kann." Eine Flughafen-Blockade sei kein legitimes Mittel. "Sich dafür in den sozialen Medien abzufeiern, schadet dem Anliegen insgesamt."

Die Aktivisten der Gruppe hatten in den vergangenen Wochen immer wieder den Straßenverkehr blockiert, sich an Gemälden in Museen festgeklebt und in dieser Woche in der Hamburger Elbphilharmonie an einem Dirigentenpult – um Aufmerksamkeit auf die Folgen des Klimawandels zu lenken. Sie ernteten für diese Aktionen bereits viel Kritik. In einer Umfrage hielten 86 Prozent der Befragten die Proteste für kontraproduktiv.
4 Kommentare Kommentieren

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4.
Thomas Seidenberg
Erstellt 25. November 2022 12:28 | Permanent-Link

Ich bin gelinde gesagt stark irritiert, wie schnell und einfach man auf das Flughafengelände kommt. Das wirft eine Menge Fragen nach dem Sicherheitskonzept des Flughafens auf.

3.
Jan Lehmann
Erstellt 25. November 2022 11:08 | Permanent-Link
bearbeitet

Ich tue mich auch schwer mit dem Begriff "Aktivisten", welcher durch die Medien vermittelt, dass diese dummen Schreikinder ja im Grunde nur gute Absichten haben. Nein – haben Sie nicht – es sind Terroristen, wenn sie einen Flughafen kapern! Sie sind ja nicht mal so halbwegs intelligent, dass sie das – für ihr Anliegen – kontraproduktive Echo nicht bemerken!
Dafür schrecken sie nun vor schwerwiegenderen Straftaten nicht mehr zurück. Es wird wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich deren Protest auch gegen Leben und Gesundheit anderer richtet. Man kann nur hoffen, daß der Rechtsstaat beizeiten eine nachdrückliche Antwort findet.

2.
Florian Berthold
Erstellt 25. November 2022 09:25 | Permanent-Link

Wenn sich eine Minderheit über die Mehrheit erhebt, ist die Demokratie in Gefahr. Zunächst war die Erhebung ja nur moralischer Natur – inzwischen werden offenbar andere Saiten aufgezogen ...

1.
Dietmar Pedersen
Erstellt 25. November 2022 09:02 | Permanent-Link

Das sind keine Aktivisten, sondern Straftäter.



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