Gerichtsverfahren

Betrug mit ergaunerten Bahntickets

Im Internet lassen sich für illegal ergatterte Bahntickets immer wieder Abnehmer finden.
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Im Internet lassen sich für illegal ergatterte Bahntickets immer wieder Abnehmer finden.

Die Tickets der Betrüger waren so günstig, dass die Deutsche Bahn sie mit ihren Sonderangeboten kaum unterbieten konnte. Mit gestohlenen Kreditkarten-Daten ergaunerte sich ein Duo Fahrkarten und verkaufte sie im Internet weiter. Nun stehen die Männer vor Gericht.

Unschlagbar günstig, aber illegal: Betrüger bieten im Internet immer wieder billige Zugtickets an und bescheren der Deutschen Bahn so jährlich Millionenschäden. Zwei junge Männer müssen sich seit Dienstag in Hannover wegen eines solchen Computer-Betrugs vor Gericht verantworten: Sie sollen mit gestohlenen Kreditkarten-Daten rund 600 Online-Tickets ergaunert und deutlich unter dem Fahrpreis weiterverkauft haben. Zu Prozessbeginn zeigte sich einer der Männer weitgehend geständig, auch sein Mitangeklagter kündigte ein Geständnis an.

Für 30 Euro in der zweiten Klasse und 50 Euro in der ersten Klasse verschickten die beiden Tickets an leichtgläubige Reisende, der Gesamtschaden soll sich auf 342.000 Euro belaufen. Ob der Schaden allein an der Bahn, den abgezockten Kreditkarten-Inhabern oder ihren Banken hängen blieb, konnte die Anklage im Einzelnen nicht klären.

Die beiden 25 und 29 Jahre alten Angeklagten erschienen vor Gericht in Jeans und Freizeitschuhen. Sie hatten gewissermaßen einen Schreibtisch-Job: In einschlägigen Internet-Foren, so die Anklage, beschaffte sich das Duo gestohlene Kreditkarten-Daten und warb dann im Netz mit den günstigen Tickets.

Zunächst ließen die Gauner sich laut Anklage per Post mit Bargeld bezahlen, das an präparierte Briefkästen geschickt wurde. Später ließen sie sich das Geld auf Bankkonten überweisen, die sie unter falschem Namen eingerichtet hatten oder per Codes für elektronische Bezahlsysteme.

Selbst Pauschalreisen wurden vertickt

Mit derselben Masche begann einer der Angeklagten später auch, vergünstigte Flüge und Pauschalreisen zu verkaufen. Auch shoppte er mit den gestohlenen Kreditkarten-Daten im Internet – eine Kamera, eine Uhr, Parfüm und Kondome listet der Staatsanwalt auf. Außerdem sollen die Angeklagten bei zwei Gebrauchtwagen den Tacho manipuliert und dann Unfälle verursacht haben, um die Versicherung abzuzocken.

Der Betrug mit gestohlenen Kreditkarten-Daten beschäftigt die Bahn in größerem Stil seit 2011 – immer wieder kamen ertappte Täter vor Gericht. Fünf Jahre und drei Monate Haft erhielt im Juni ein 33-jähriger Berliner für 1600 Betrugsfälle.

Davon erhofft die Bahn sich eine abschreckende Wirkung – und davon, dass sie die Käufer der Tickets aus dubiosen Quellen zur Kasse bittet. Weil bei den Buchungen immer der Name und die Adresse des Reisenden genannt werden müssen, schickt sie den Betroffenen eine Rechnung. Wer sich also auf vermeintliche Schnäppchen im Netz einlässt, muss im schlimmsten Fall doppelt zahlen. Zunächst an den Betrüger und dann an die Bahn. (dpa)

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