Flixbus und Co

Fernbus-Angebot wächst wieder

Flixbus will mehr touristische Ziele anfahren.
Flixbus
Flixbus will mehr touristische Ziele anfahren.

Das Fernbus-Angebot in Deutschland ist im Juli kleiner als vor einem Jahr, wächst aber wieder. Vor genau einem Jahr übernahm Flixbus den letzten großen Konkurrenten Postbus. Der Marktführer expandiert weiter.

Nach dem Wegfall weiterer Anbieter würden jetzt 6384 Fahrten pro Woche angeboten, teilte das Berliner Marktforschungsinstitut Iges am Mittwoch mit. Vor einem Jahr seien es noch 8516 Fahrten gewesen, zu Beginn dieses Jahres aber nur 5724. Die Preise seien mit knapp 10 Cent je Kilometer bei Normaltickets und knapp vier Cent für Angebote etwas teurer als vor einem Jahr, aber etwas günstiger als zu Jahresbeginn.

Im Juli wurden laut Iges 251 Strecken angeboten – 42 weniger als vor einem Jahr, aber 10 mehr als zu Jahresbeginn. Der Marktanteil von Flixbus sei inzwischen auf 93 Prozent gestiegen – dahinter folgten Eurolines mit drei Prozent, die tschechische Regiojet mit einem Prozent und IC Bus mit knapp einem Prozent. Die Fernbusse seien zu fast 60 Prozent ausgelastet, sagte Iges-Geschäftsführer Christoph Gipp.

Marktführer Flixbus indes übernahm vor einem Jahr Postbus – und wächst trotz Bahn-Sparpreisen und Billigfliegern europaweit weiter. Das Geschäftsmodell sei „einzigartig und sehr clever“, sagt Gipp. Trotzdem wehrt sich Flixbus heftig gegen die Bezeichnung Monopolist. Denn über Online-Portale wie fromatob.de oder goeuro.de kann jeder Kunde sofort vergleichen, ob er mit Bus, Bahn oder Billigflieger am billigsten, schnellsten oder bequemsten an sein Ziel kommt.

Flixbus expandiert weiter

Künftig will Flixbus die weißen Flecken tilgen und auch kleinere Städte ans Netz anschließen sowie touristische Ziele wie Neuschwanstein oder den Gardasee. „Alle ein, zwei Wochen starten wir eine neue Linie“, sagt Geschäftsführer Jochen Engert. Auch in Italien, Frankreich, Benelux, Dänemark und Kroatien sei Flixbus inzwischen Marktführer. „Wir peilen 40 Millionen Passagiere dieses Jahr in Europa an.“

Noch schreibt Flixbus rote Zahlen. Aber im laufenden Jahr dürfte das Unternehmen erstmals einen Betriebsgewinn schaffen, sagt Engert. Nicht mit Preiserhöhungen – da sind die Kunden empfindlich, meist Studenten und Berufseinsteiger, Frauen und ältere Menschen. Mit knapp vier Cent je Fahrgast und Kilometer bei Angeboten und 10 Cent bei Normaltickets ist der Umsatzerlös der Fernbusbranche laut Iges im Juli 2017 auf dem Niveau von 2013.

Um profitabel zu werden, will Engert die Busse voller machen – die Auslastung liegt heute bei knapp 60 Prozent – und die Qualität verbessern. „Verspätung schafft am meisten Unzufriedenheit.“ Ist der Bus sauber, der Fahrer freundlich, funktioniert das W-LAN? „Daran arbeiten wir“, sagt Engert und hofft, dass viele Autofahrer den Bus ausprobieren. Denn eigentlich ist das Auto der größte Konkurrent und der Verzicht darauf Engerts Vision: „Heute gibt es keinen Zwang mehr, ein eigenes Auto zu besitzen“, sagt er. „Ich wäre ein großer Freund davon, wenn das Benzin doppelt so teuer wäre.“

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