Fahrgastrekord

Deutsche Bahn bilanziert gutes Jahr

Mit DB-fernzügen reisten im vergangenen Jahr insgesamt 142 Mio. Menschen.
Deutsche Bahn AG
Mit DB-fernzügen reisten im vergangenen Jahr insgesamt 142 Mio. Menschen.

Bahnchef Richard Lutz sieht die Erwartungen der neuen Koalition an sein Unternehmen als Ansporn. Es wird viel Geld in die Hand genommen, um die Bahn besser zu machen – und pünktlicher.

Mit Rückenwind aus der Politik will die Deutsche Bahn ihre Rekord-Fahrgastzahl in den nächsten Jahren weiter steigern. Hohe Investitionen in Züge und das Schienennetz haben aber auch den Schuldenberg der Bahn wachsen lassen. Vorstandschef Richard Lutz, seit genau einem Jahr im Amt, legte nun eine Bilanz mit Rekordumsatz und höherem Gewinn vor. „2017 war wirtschaftlich ein gutes Jahr für die Bahn“, sagte er. Bei Qualität und Pünktlichkeit müsse das Unternehmen jedoch nachlegen.

Allein in seinen Fernzügen, ICE und IC, zählte der bundeseigene Konzern 2017 gut 142 Mio. Fahrten, das sind 2,3 Prozent mehr als im Jahr davor. Insgesamt nutzten die Kunden die Bahn im Fern- und Regionalverkehr knapp 2,1 Milliarden Mal. Beides sind Bestwerte.

Die Deutsche Bahn erzielte im Geschäftsjahr 2017 einen Rekordumsatz von 42,7 Mrd. Euro (plus 5,2 Prozent). Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei knapp 1,7 nach zuvor knapp 1,5 Mrd. Euro. Unterm Strich stand ein Gewinn von 765 Mio. Euro (plus 7 Prozent).

Treiber dieser Entwicklung sei außer dem Fernverkehr das Auslandsgeschäft gewesen. Die internationalen Töchter DB Arriva und DB Schenker machten „mittlerweile fast die Hälfte unseres Umsatzes aus“, sagte Lutz. Sie seien auch in der Lage, ihre Investitionen aus eigener Kraft zu finanzieren.

Zugverspätungen bleiben ein Problemfeld

Die Probleme mit der Pünktlichkeit nannte Lutz ärgerlich. Im Fernverkehr waren lediglich 78,5 Prozent der Züge pünktlich, das waren sogar 0,4 Punkte weniger. Ziel sei ein Sprung nach oben. Für dieses Jahr strebt die Bahn eine Quote von 82 Prozent an.

Im Schienengüterverkehr hat die Bahn den Umschwung noch nicht geschafft. Die Verkehrsleistung der Güterbahn DB Cargo sank um 2,3 Prozent. Vor Zinsen und Steuern erhöhte sich der Verlust (Ebit) auf 90 Mio. Euro nach 81 Mio. Euro im Jahr davor.

„Wir wollen den operativen Verlust verkleinern, etwa bei einer schwarzen Null herauskommen“, sagte Bahnchef Lutz zum Ausblick auf das gerade angelaufene Geschäftsjahr. Man sei nicht angetreten, „um den Güterverkehr gesundzuschrumpfen, sondern wir wollen angreifen und wachsen“. Zugleich stellte er klar: „Es gibt keinen Abschreibungsbedarf bei DB Cargo.“ Eine Sonderabschreibung auf den Wert der Güterbahn hatte dem Konzern 2015 einen Verlust von 1,3 Mrd. Euro beschert.

Der Konzern häufte im vorigen Jahr zusätzliche Schulden an. Die Nettoschulden stiegen um eine Milliarde auf 18,6 Mrd. Euro. „In diesem Jahr wachsen wir auf 20 Milliarden zu“ – eine Marke, die die Bahn nicht überschreiten wolle.

Grund für den Anstieg sei das bisher größte Investitionsprogramm der Bahn in den kommenden Jahren. „Anfangs sind wir noch nicht in der Lage, das aus eigenem Cashflow zu stemmen“, sagte Lutz. Deshalb müsse man die Investitionen in Fahrzeuge und Schienennetz über neue Schulden finanziert werden. Der Kapitalmarkt sehe die Höhe der Verschuldung aber „noch nicht als schwierig an“. In diesem Jahr fließen mehr als 9 Mrd. Euro in den Ausbau des Netzes nach 7,5 Mrd. Euro im Vorjahr.

Die Pläne der neuen Regierungskoalition nahm Lutz positiv auf. Dass die Politiker die Fahrgastzahl bis 2030 verdoppeln wollten, „erschreckt mich nicht, es freut mich, weil es zeigt, dass wir mit dem Verkehrsträger Schiene Teil der Lösung sind, die sich die Politik da vorstellt“, sagte Lutz. Zur Verwirklichung seien allerdings „jetzt Entscheidungen notwendig“, darüber werde die Bahn mit dem Bund sprechen.

Im Koalitionsvertrag werden Förderprogramme für mehr elektrifizierte Strecken und zur Sanierung von Bahnhöfen angekündigt. Für den Bund als Eigentümer der Deutschen Bahn stehe „nicht die Maximierung des Gewinns, sondern eine sinnvolle Maximierung des Verkehrs auf der Schiene im Vordergrund“, heißt es darin. (dpa)

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