Eurowings/Air Berlin

Ein Chaos-Wochenende kündigt sich an

Die Eurowing-Flosse wird künftig das Bild an vielen deutschen Airports bestimmen.
Eurowings
Die Eurowing-Flosse wird künftig das Bild an vielen deutschen Airports bestimmen.

Der letzte Air-Berlin-Flug am Freitagabend wird chaotische Tage in der deutschen Luftfahrt einläuten. Die Flüge von Tausenden Air-Berlin-Reisende verfallen. Zudem stehen bei Eurowings Probleme wegen des Air-Berlin-Wetlease bevor.

Der letzte Tag von Air Berlin könnte holprig enden. Wie die fvw aus sicherer Quelle erfuhr, hat Deutschlands einst zweitgrößte Fluggesellschaft für den Tag mehr als 200 Flüge mit mehr als 24.000 Passagieren geplant. Doch ob die alle durchgeführt werden können, ist aktuell offen.

In Berlin etwa haben sich Crew-Mitglieder unterschiedlichster Fluggesellschaften laut „Bild-Zeitung“ zu einem Treffen auf dem Tempelhofer Feld verabredet „um ein Zeichen zu setzen.“ Eine solche Aktion, befürchten Brancheninsider, könnte Flugausfälle und Verspätungen nach sich ziehen.

Zudem hat Air Berlin – lange hatte das Management versichert, bis zum Monatsende den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten – für die Folgetage bis zum 31. Oktober noch jede Menge gebuchte Passagiere im System stehen. Mit einem Schlag werden etwa 60.000 bis 80.000 Flugplätze täglich aus dem Markt genommen.

Geräuschlos wird das nicht ablaufen: Es ist nicht auszuschließen, dass einige Air-Berlin-Passagiere am Airport erscheinen werden, um ihre gebuchten Flüge anzutreten – und sich empört an den Käufer Lufthansa beziehungsweise Eurowings wenden.

Chaos programmiert ist ab Samstag, 28. Oktober, bei einem Teil der Eurowings-Flüge. Konkret handelt es sich um die Flüge, die „operated by Air Berlin“ sind. Basis dafür ist ein Wetlease-Vertrag über ursprünglich etwa 30 Airbus A-320 mit Air Berlin, der im Rahmen der Insolvenz neu verhandelt werden musste.

Eurowings vor enormen Kraftakt

Der neue Vertrag greift ab dem 28. Oktober, nicht mehr mit Air Berlin, sondern mit der Luftfahrtgesellschaft Walter, die Lufthansa/Eurowings aus der Insolvenzmasse übernehmen will. Sie wird nun zum Teil und bis zur Freigabe des Air-Berlin-Deals durch die Kartellwächter die bisherigen Wetlease-Flüge übernehmen.

Ganz konkret werden künftig statt 30 Airbus A-320 allerdings nur noch 13 A-320 plus 17 Bombardier Dash 8 zum Einsatz kommen. Eine Dash 8 verfügt aber nicht einmal über halb so viele Sitzplätze wie eine A-320. Eurowings steht daher vor enormen Kapazitätsproblemen, die ab der ersten Minute des Übergangs zu Chaos führen werden: Flüge werden ausfallen, Umläufe nicht mehr zeitlich passen und Fluggäste stehenbleiben.

„Mit der Air Berlin verschwindet eine Fluggesellschaft vom Markt, die dreimal so groß ist wie Condor. Das geht nicht ohne Komplikationen“, so Eurowings-Chef Thorsten Dirks jüngst vor Medienvertretern. Auch seine Vorgesetzter, Lufthansa-CEO Carsten Spohr hat vorgewarnt: „Der Übergang wird rumpelig.“ Plan ist, die fehlenden Kapazitäten durch das Anmieten von Charter-Airlines einzukaufen, so dass möglichst wenige Passagiere betroffen sein werden. Wie gut das funktioniert, wird sich bereits an diesem ersten Wochenende zeigen.

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