EuGH-Gutachten mit Folgen

Vorverlegter Flug könnte bald zu Entschädigung führen

Fluggäste im Terminal des Hamburger Flughafens.
Oliver Sorg
Fluggäste im Terminal des Hamburger Flughafens.

Ein Gutachten des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) kommt zu dem Schluss, dass Fluggäste auch bei vorverlegten Flügen einen Anspruch auf Entschädigung haben. Kommt es dazu, könnte das für Fluganbieter, die in diesen Zeiten auf Flexibilität setzen, teuer werden.

 
Auf Fluggesellschaften könnte ein neuer Kostenblock zukommen: Denn ihre Kunden können bei erheblicher Vorverlegung eines Fluges auf Entschädigung durch die Airline hoffen. Anlass dazu gibt ein Gutachten des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). 

Der Gutachter befand am Donnerstag, dass eine Vorverlegung der Starts – sofern diese ein bestimmtes zeitliches Ausmaß erreiche und daher "erheblich" sei – als ein spezieller Fall der Annullierung angesehen werden könne. Die Unannehmlichkeiten für die Passagierinnen und Passagiere könnten dann noch größer sein als bei einer Verspätung.

Zwei Stunden früher reichen

Eine Vorverlegung von Flügen um mehrere Stunden könne den Fluggast möglicherweise dazu zwingen, "geplante Termine abzusagen, Jahresurlaub zu beantragen, um seinem Arbeitsplatz fernbleiben zu können, eine vorübergehende Unterkunft zu suchen oder Transportmittel zu organisieren", hieß es.

Und auch bei einer Vorverlegung um nur wenige Stunden sei nicht auszuschließen, dass ein Fluggast, der nicht über die neue Zeit informiert wurde, den Flug verpasse. Dies "dürfte eine der ärgerlichsten Situationen sein, die man sich als Fluggast vorstellen kann", heißt es in dem Gutachten.

Frühe Information ist entscheidend

Mit Blick auf Verbindungen, die Teil gebuchter Pauschalreisen sind, wurde Generalanwalt Priit Pikamäe etwas konkreter: Ein solcher Flug solle als annulliert gelten, wenn er um mindestens zwei Stunden vorverlegt worden sei.

Kein Recht auf Entschädigung haben Fluggäste jedoch, wenn die Airline sie frühzeitig über die Änderung informiert und Alternativen angeboten hat, wie Pikamäe deutlich machte. In Fällen, in denen die Vorverlegung als gestrichener Flug gelte, könne der vorverlegte Flug dann als Angebot einer anderweitigen Beförderung gelten. Hintergrund des Gutachtens sind mehrere Fälle vor deutschen und österreichischen Gerichten (Rechtssachen C-146/20, C-188/20, C-196/20, C-270/20, C-263/20).

Die Einschätzung des Generalanwalts ist noch kein Urteil, häufig folgen die EuGH-Richter den Schlussanträgen jedoch. Eine Entscheidung zu dem Thema dürfte in einigen Monaten fallen.

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