Drastischer Stellenabbau

Air Malta bekommt ihre "letzte Chance"

Air Malta hat derzeit 44 Prozent höhere Personalkosten als Ryanair & Co. Das soll sich nun ändern.
Cedric Galea Pirotta/Air Malta
Air Malta hat derzeit 44 Prozent höhere Personalkosten als Ryanair & Co. Das soll sich nun ändern.

Seit zehn Jahren fliegt die maltesische Fluggesellschaft Verluste ein – die Billigflieger heizen ihr ein. Nun will Maltas Regierung 50 Prozent der Stellen bei der Airline einsparen.

Maltas Regierung will die Belegschaft der Air Malta bis zum Sommer 2022 um mehr als die Hälfte reduzieren: Von den derzeit 890 Jobs sollen nur 420 übrigbleiben. Dies soll nach Angaben von Finanzminister Clyde Caruana die Rettung der angeschlagenen Fluggesellschaft ermöglichen.

Durch den Stellenabbau will die Regierung pro Jahr 15 Mio. Euro sparen. Alle Mitarbeiter, die bei Air Malta nicht mehr benötigt werden, sollen einen neuen Job in der Verwaltung bekommen, verspricht der Finanzminister.

Der Stellenabbau sei Teil eines umfassenden Plans zur Reorganisation der Fluggesellschaft. Zusätzlich sollen Gepäck- und Bodenabfertigungsdienste ausgegliedert und bislang unrentable Strecken gestrichen werden. Zudem soll sich Air Malta zu einer paneuropäischen Airline entwickeln: Sie soll nicht mehr nur Verbindungen nach Malta bedienen, sondern auch zwischen Städten anderer europäischer Länder verkehren.

Neues Geschäftsmodell für Air Malta


Air Malta wurde in den vergangenen Jahren immer wieder reorganisiert und neu gestaltet – doch alle bisherigen Bemühungen brachten nichts. Seit zehn Jahren erwirtschaftet die Fluggesellschaft nur Verluste. Sie leidet unter der Konkurrenz aggressiv vorgehender Billigflieger, die mit Kampfpreisen Air Malta bedrängen. Laut Clyde Caruana handelt es sich bei der nun geplanten Restrukturierung um die "wohl letzte Chance für Air Malta".

Der Plan sei auf vier Jahre angelegt. "Wir haben gegenüber der Europäischen Kommission überzeugend dargelegt, dass Air Malta eine Chance hat, und wir glauben, dass unser Plan das Unternehmen vor dem Bankrott bewahren wird", sagte der Finanzminister einem Bericht der "Times of Malta" zufolge.

Deutlich höhere Personalkosten

Nun sollen die Kostensenkungsmaßnahmen greifen – durch den Personalabbau, aber auch durch neue Tarifverträge mit den Piloten und dem Kabinenpersonal. Air Malta konkurriert mit Billigfliegern wie Ryanair, die nicht gerade für eine gute Bezahlung ihres Personals bekannt sind. So sind nach Angaben der Regierung die Kosten bei Air Malta dadurch 44 Prozent höher als bei Europas größtem Billigflieger.

Bereits im vergangenen Jahr hat Air Malta drastisch Personal abgebaut. So wurde die Zahl der Piloten von 131 auf 62 mehr als halbiert. Die Zahl der bedienten Routen beträgt derzeit 20 statt 40 wie vor der Pandemie.

Weitere unrentable Verbindungen sollen folgen. Auch die bisherige Strategie, das Streckennetz über Europa hinaus auszubauen, um etwa auch asiatische und US-amerikanische Urlauber nach Malta zu holen, werde aufgegeben, heißt es.

Stattdessen soll nach neuen profitablen Strecken außerhalb Maltas gesucht werden. Zunächst werde Italien in den Fokus genommen. Auch wolle man verstärkt Chartergeschäft betreiben.

"Air Malta unbedingt retten"

Zudem werde die bisherige Bestellung von Langstreckenflugzeugen bei Airbus in drei Kurzstreckenflugzeuge umgewandelt. Darüber werde derzeit verhandelt.

Die maltesische Handelskammer lobte den Aktionsplan der Regierung. Es dürften keine öffentliche Gelder mehr in unrentable Geschäftsmodelle gepumpt werden. Auch der Hotelverband sagte, Air Malta müsse unbedingt gerettet werden, um den Tourismus nicht allein vom Wohlwollen der Billigflieger abhängig zu machen.

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