Deutsche Bahn | Tarifrunde

Gewerkschaften fordern Entlastung

Zugbegleiter und Lokomotivführer der Deutschen Bahn haben nach Gewerkschaftsangaben weiterhin zu viele Überstunden aufgehäuft.
DB AG
Zugbegleiter und Lokomotivführer der Deutschen Bahn haben nach Gewerkschaftsangaben weiterhin zu viele Überstunden aufgehäuft.

Viele Reisende haben die letzten Lokführer-Streiks noch in schlechter Erinnerung. Nun beginnen neue Tarifverhandlungen bei der Bahn. Doch der Weg zum Streik ist dieses Mal etwas länger.

Es geht um mehr Geld und weniger Arbeitszeit: Bei der Bahn beginnen am heutigen Montag in Berlin Tarifverhandlungen mit der streikerprobten Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). 15 Monate nach der härtesten Tarifauseinandersetzung in der Geschichte der Deutschen Bahn zeigen sich die Lokführer dieses Mal umgänglich. „Wir wollen verhandeln, nicht streiken“, kündigte der Vorsitzende Claus Weselsky mehrmals an. Er fordert vier Prozent mehr Geld für seine Mitglieder und darüber hinaus eine Entlastung.

Aus Sicht der GDL hat die Bahn „massive Arbeitszeitprobleme“. Zehntausende Überstunden würden mit Geld ausgeglichen oder auf Langzeitkonten verschoben. Zusätzliche freie Tage als echten Freizeitausgleich gebe es kaum. Allein im Fernverkehr fehlten 150 Zugbegleiter, auch an Lokführern mangele es.

Verhandelt wird für rund 150.000 Beschäftigte der Bahn in Deutschland. Das Unternehmen will einen übermäßig teuren Abschluss vermeiden. „Die DB setzt auf eine vernünftige und verantwortungsvolle Runde mit Augenmaß“, appellierte Personalchef Ulrich Weber.

Die Bahn hat im vorigen Jahr rote Zahlen geschrieben und kämpft mit hohen Schulden. Streiks will der Bundeskonzern verhindern, denn das gefährdet ein Kernziel des Qualitätsprogramms „Zukunft Bahn“: pünktliche Züge.

GDL fordert bis zu 7 Prozent mehr Gehalt

Eine Woche nach der GDL nimmt die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mit der Bahn am Verhandlungstisch Platz. Sie verlangt bis zu 7 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten – wobei die Mitglieder jeweils für sich entscheiden sollen, ob sie 2,5 Prozent davon in Form von mehr Urlaub oder einer kürzeren Wochenarbeitszeit wollen.

Beide Gewerkschaften konkurrieren beim Zugpersonal, die Bahn muss in getrennten Verhandlungen vergleichbare Ergebnisse erzielen. Das hatte die vorherige Tarifrunde so kompliziert gemacht. Neun Mal legten die Lokführer die Arbeit nieder. Anschließend wurde vereinbart, dass es künftig vor einem Streik einen Schlichtungsversuch geben muss.

„Es gibt begründete Hoffnung, dass dieses neue Verfahren befriedend wirkt“, sagt DB-Personalchef Ulrich Weber. Es sei Zeit für „eine normale Verhandlungsrunde mit Ergebnissen am Verhandlungstisch“. (dpa)

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