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Steuereffekt lässt Gewinn gut aussehen

Das Top-Management der Boeing-Zentrale in Chicago kann sich über einen satten Quartalsgewinn freuen.
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Das Top-Management der Boeing-Zentrale in Chicago kann sich über einen satten Quartalsgewinn freuen.

Eine Steuergutschrift hilft Boeing in der Bilanz. Der Gewinn stieg im dritten Quartal deutlich – und lässt den Flugzeug-Hersteller wieder zuversichtlicher auf das restliche Jahr blicken.

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Boeing kann mit einer Steuergutschrift teure Probleme an anderer Stelle übertünchen. Im dritten Quartal fuhr der Konzern unter dem Strich einen Gewinn von 2,3 Mrd. US-Dollar (2,1 Mrd. Euro) ein und damit gut ein Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Boeing-Chef Dennis Muilenburg setzte seine Erwartungen für das laufende Jahr daher am Mittwoch deutlich herauf. Der Gewinn je Aktie soll jetzt mit 7,10 bis 7,30 Dollar um 70 Cent höher ausfallen als bisher gedacht.

Erst im zweiten Quartal war der Airbus-Rivale Boeing wegen Problemen mit gleich drei Flugzeugtypen in die Verlustzone gesackt und hatte seine Gewinnprognose für 2016 deutlich zusammengestrichen. Im dritten Quartal musste der Hersteller sogar einen Umsatzrückgang von acht Prozent auf 23,9 Mrd. Dollar verkraften. Der Gewinn im operativen Geschäft sackte um zwölf Prozent. Der Steuereffekt machte dies unter dem Strich aber mehr als wett. Analysten hatten mit diesem Sonderfaktor nicht gerechnet.

Der gut laufende Absatz von Verkehrsflugzeugen stimmt die Boeing-Führung auch im laufenden Geschäft etwas optimistischer. So sollen in diesem Jahr mit 745 bis 750 Verkehrsflugzeugen etwa fünf Maschinen mehr die Werkshallen verlassen als zuvor geplant.

Boeing hatte die Aktionäre in diesem Jahr schon mehrfach mit schlechten Nachrichten geschockt. So plant der weltgrößte Flugzeug-Hersteller in diesem Jahr weniger Verkehrsjets auszuliefern als im Vorjahr. Zudem musste das Unternehmen die Produktion seines größten Modells, des Jumbo-Jets B-747-8, mangels Aufträgen auf nur noch sechs Maschinen pro Jahr herunterfahren.

Gewinneinbußen für Flugzeug-Produktion

Für teuren Ärger sorgte das neue Tankflugzeug für das US-Militär. Wegen Problemen und Verzögerungen bei der Entwicklung musste Boeing die Kosten für das Projekt schon viermal nach oben korrigieren. Im dritten Quartal blieben Boeing solche Sonderlasten zwar erspart. Dennoch musste der Hersteller sowohl in der Verkehrsflugzeug-Sparte als auch bei den Militärmaschinen und im Raumfahrtgeschäft Gewinneinbußen verkraften.

Boeing arbeitet derzeit daran, seine betagteren Flugzeugmodelle mit moderneren Triebwerken und weiteren Verbesserungen sparsamer zu machen. So ist die neue Version des Mittelstreckenjets B-737, die B-737max, seit diesem Jahr zu Testflügen in der Luft und soll im dritten Quartal 2017 erstmals ausgeliefert werden. Auch der bei Fluggesellschaften beliebte Großraumjet B-777 bekommt als B-777X bis Ende des Jahrzehnts eine Frischzellenkur.

Damit verfolgt Boeing eine ähnliche Strategie wie der Airbus-Konzern bei den Neuauflagen seiner Modelle A-320neo und A-330neo. Zeitlich hinken die US-Amerikaner den Europäern aber hinterher. Bei den Riesenjets steht Airbus mit seiner doppelstöckigen A-380 vor ähnlichen Problemen wie die US-Amerikaner: Mangels Neuaufträgen streicht der Hersteller die Produktion des Jets 2018 ebenfalls deutlich zusammen. (dpa)

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